"Krone"-Reportage

Feldbacher Hotel-Boss als stiller Held im ‘heißen’ Bangkok

Steiermark
20.06.2010 18:43
88 Tote und 1.900 Verletzte haben die jüngsten Unruhen in der thailändischen Hauptstadt Bangkok gefordert - und der Steirer Markus Platzer (im Bild, dritter von links) war mittendrin. Mehr noch: Er war einer der stillen Helden inmitten der Gewaltszenen. Als "Intercontinental"-Boss hat Platzer während der blutigen Unruhen kühles Blut bewahrt und das Haus vor der Zerstörung gerettet.

Der gebürtige Feldbacher hielt als General Manager des Bangkok-Intercontinental-Hotels und des Holiday Inn (gesamt 780 Zimmer und 1.000 Mitarbeiter) als einziger Hotel-Verantwortlicher im Zentrum der thailändischen Hauptstadt die Stellung. Auch dann noch, als ringsherum bereits alles lichterloh brannte.

"Unser Haus liegt im Viertel Pathum Wan, genau dort, wo im Mai die Gewalt ausgebrochen ist. Am Ende ist die 'Central World', das zweitgrößte Einkaufszentrum Südostasiens, in hellen Flammen gestanden. Unser Hotel liegt gleich daneben." Es hatte mit anfangs noch friedlichen Protesten der "Rothemden" gegen die Regierung begonnen, schließlich besetzten 150.000 Rebellen den Kern Bangkoks. Das Sammeln und Verschütten von abgezapftem "Rebellenblut" ("das war unmittelbar vor unserem Hotel") als Protest gegen die "blutsaugenden Regierer" war weltweit im TV zu sehen.

"Gewalt hat uns alle überrascht"
"Die Thais sind an sich friedliche Menschen, diese Art von Gewalt hat uns alle überrascht," sagt der Steirer. "Natürlich sind keine Gäste mehr gekommen, aber ich habe mich entschlossen, mit 25 ausgesuchten Leuten im Hotel zu bleiben. Alle anderen Hotels in unserem Viertel waren menschenleer. Wir mussten ständig Krisensitzungen abhalten, keiner durfte mehr raus oder rein - draußen war schließlich Krieg!" Von den großen Chefs im Hauptquartier gab's keine nennenswerte Unterstützung. "Die haben gesagt, dass ich als General Manager, voll für alles verantwortlich sei und selbst Entscheidungen treffen müsste."

Haarig wurde die Lage, als die gewaltige "Central World", gleich neben Markus Platzers "Intercontinental" gelegen, in Flammen aufging. "Da ist es uns, die wir noch im Hotel ausgeharrt haben, ziemlich mulmig geworden. Aber wir sind geblieben!" Beruhigend war, dass sich die Familie des Steirers, Gattin Christina (eine Schweizerin) und die Kinder Viktor (9 Jahre alt) und Alexander (6 Jahre alt), bereits in Sicherheit befand. "Wir haben - und tun es jetzt wieder - in einem Apartment neben dem Hotel gelebt. Als die Unruhen losgingen, sind alle drei sofort in ein anderes Hotel am Stadtrand übersiedelt. Es hat zwar oft Telefonkontakt gegeben, aber es war klar, dass sie dauernd Angst um mich gehabt haben."

Alles begann in der Heimat
Jetzt erholt sich Markus Platzer mit seiner Familie in der steirischen Heimat. "Wir sind gerne in Thailand", sagt er, "aber daheim ist's doch am schönsten." Hier hat für ihn, den Sohn eines Handelsreisenden und einer Hausfrau, ja auch alles begonnen. "Eigentlich", sagt er, "wollte ich ursprünglich Pilot werden. Weil ich gerne reise und mit Menschen gut umgehen kann. Dann habe ich aber die HAK in Feldbach absolviert und mich während eines Tages der offenen Türe für das Tourismus-Colleg in Bad Gleichenberg begeistert."

Danach ging's Schlag auf Schlag. "Mein erster Job war der eines Nachtdienstlers in der Rezeption des Münchner Hiltons. Da hab ich viel Zeit zum Grübeln gehabt und mir über meine Zukunft Gedanken gemacht. Irgendwann hab ich's gewusst: Ich will einmal Generaldirektor eines großen Hotels werden!" Über die Stationen Abu Dhabi, Dubai und Prag ("da konnte ich im Bereich Verkauf und Marketing Erfahrungen sammeln") ging's schließlich nach Bangkok. "Dort habe ich 2008 einen Amerikaner als Generaldirektor abgelöst und gleich auch das Holiday Inn als Verantwortlicher zugeteilt bekommen." 

"Wollen noch ein paar Jahre dort bleiben"
Markus Platzer und seiner Familie ("die Kinder besuchen eine internationale Schule") gefällt's in Thailand. "Ich habe mit den Thai nie Probleme gehabt. Das mit den Unruhen war ein politischer 'Ausrutscher'. Wir wollen noch ein paar Jahre dort bleiben. Was dann auf uns wartet, weiß ich nicht. In meinem Job steht einem eben die Welt offen und wir geben dort, wohin es uns verschlägt, unser Bestes!" Er selbst hält sich im hoteleigenen Fitnesszentrum in Form. "Da bin ich täglich, und wenn ich Zeit habe, spiele ich auch gerne Golf oder Tennis." Auch das Erleben von Musik, gehört zu seinen Interessen.

Und als Chef zweier Häuser großer internationaler Hotelketten trifft er auch immer wieder auf internationale Superstars, die bei ihm absteigen. Rod Stewart war bereits zu Gast, oder Simply Red-Mick Hucknall. Für die wenigen Tage, die er jährlich daheim, in seiner Oststeiermark, verbringen darf, ist der GM (General Manager) dankbar. "Das ist für mich ein echter Urlaub! Da kann ich wieder einmal so richtig ich selbst sein und mit meinen alten Freunden herrlich herumblödeln."

von Werner Kopacka, "Steirerkrone"

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