21.11.2019 09:00 |

Alles nur Fake?

Universität Innsbruck: Wirbel um Ausschreibung

Anfang des Jahres wurde der Rektor der Universität Innsbruck wiederbestellt. In den vergangenen Wochen schrieb man die Posten der Vizerektoren aus - erstmals breit und international. Sieben Bewerber wurden diese Woche zu den Hearings geladen. Doch es soll sich um eine Schein-Ausschreibung handeln - die Uni dementiert.

Die Entscheidung ist Ende Jänner gefallen: Der amtierende Innsbrucker Uni-Chef Tilmann Märk wurde für vier weitere Jahre bestellt. Er wird seine dritte Amtszeit im Frühjahr 2020 antreten. Der Rektor hat laut entsprechendem Gesetz die Befugnis, die Vizerektoren frei auszuwählen und sie dann dem Universitätsrat vorzuschlagen. Der Rat fasst folglich die endgültige Entscheidung, dem Senat kommt ein Recht zur Stellungnahme zu.

Doch an der Uni Innsbruck gibt es eine Besonderheit, die in der Satzung festgelegt ist: Die Posten der Vizerektoren werden stets ausgeschrieben. Bisher erfolgte die Ausschreibung intern. Nun hat man sich erstmals dazu entschieden, die Ausschreibung breiter, also extern, anzulegen.

Eine entscheidende Bedingung
Was ist der Grund dafür? Vertrauenswürdige „Krone“-Insider schildern: „Die Wiederwahl von Rektor Märk war umstritten. Die Mehrheit im Universitätsrat wollte seine Periode nicht verlängern. Man konnte sich dann allerdings doch auf Rektor Märk einigen, aber nur unter der Bedingung, dass die Posten der Vizerektoren aufgewertet werden. Damit möchte man ein Gegengewicht zum Rektor schaffen, um die Amtsübergabe in den nächsten Jahren in die Wege zu leiten.“ Angeblich soll Rektor Märk nur mehr zwei der insgesamt vier Jahre im Amt bleiben.

Zudem soll es zu Konflikten zwischen Rektor Märk und zwei amtierenden Vizerektoren gekommen sein. „Diese beiden Vizerektoren haben Widerstand mobilisiert, um sich nicht unterkriegen zu lassen. Sie werden von vielen Seiten unterstützt“, verdeutlichen die Insider.

„Für die Bewerber ist das natürlich mühsam“
All diese Gründe sollen dazu geführt haben, die Posten der Vizerektoren öffentlich auszuschreiben. „Doch es handelt sich teilweise um eine Schein-Ausschreibung, weil zwei der zu besetzenden Vizerektoren bereits feststehen – und zwar jene beiden, die dieses Amt bereits inne haben und die Widerstand gegen Rektor Märk mobilisiert haben. Für alle anderen Bewerber ist das natürlich sehr mühsam“, erklären die Insider. Im Wiener Ministerium sei man über diese Vorgänge informiert, dieses habe über die Universitätsräte durchaus Einflussmöglichkeiten.

„Das Ergebnis steht natürlich noch nicht fest“
Völlig anders sieht das die Universität Innsbruck. „Es gab insgesamt sieben Hearings. Für drei der vier Positionen stehen je zwei KandidatInnen und bei der vierten Position nur eine Kandidatin zur Wahl. Für die beiden angesprochenen Funktionen gibt es jeweils zwei KandidatInnen, daher steht das Ergebnis natürlich noch nicht fest“, betont Pressesprecher Uwe Steger. Laut einem Dokument, das der „Tiroler Krone“ vorliegt, befinden sich darunter auch die beiden besagten Vizerektoren. Und Steger betont, dass es „absolut keine Konflikte im RektorInnenteam gegeben hat“.

„Stellenwert der Vizerektorate erhöhen“
Warum hat man die Ausschreibung breit und international gemacht? „Das ist das Ergebnis eines entsprechenden Gespräches zwischen Rektor Märk und den involvierten Gremien. Gründe dafür waren einerseits die Transparenz und andererseits auch der Gedanke, damit den Stellenwert der Vizerektorate zu erhöhen“, klärt der Pressesprecher auf.

Womit die offizielle Uni-Position nicht mehr ganz so fern liegt von jener der zitierten kritischen Stimmen. Steger zum Abschluss: „Das Motto ist wohl eher: Noch mehr Transparenz. Jetzt geht es um die Besetzung der Vizerektorate. Was in vier Jahren sein wird, weiß ich leider nicht.“

„Wir haben keine Anordnungsbefugnis“
„Was unsere Ressorts betrifft, so wurden wir zum Hearing eingeladen, dazu jeweils auch eine weitere Person. In die Benennung der Ressorts sowie in die Ausgestaltung der Ausschreibungen waren wir nicht eingebunden. Uns sind keine Konflikte bekannt und wir haben zu keiner Zeit mobilisiert. Wir arbeiten nach wie vor eng sowie sachlich im Rektorat für die Universität Innsbruck zusammen“, verdeutlichen die beiden Vizerektoren. Die Antwort, ob sie bereits vorab in ihrem Amt bestätigt worden sind, bleiben die Akademiker schuldig.

Die Mitglieder des Universitätsrates hüllen sich hingegen in den Mantel des Schweigens. „Der Vorsitzende ist dienstlich unterwegs und nicht erreichbar“, heißt es aus dem Büro. Auch eines jener Mitglieder, die angeblich gegen Rektor Märk gestimmt haben sollen, kann „wegen eines Auslandsaufenthaltes keine Stellungnahme abgeben“.

Eine Reaktion kam dafür aus Wien: „Dem Ministerium kommt in diesen Angelegenheiten weder eine Rolle zu, noch besitzt es gegenüber dem Universitätsrat eine Anordnungsbefugnis.“ 

Jasmin Steiner
Jasmin Steiner
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