19.11.2019 08:12 |

Geröll-Lawinen

Knapp dem Tod entronnen

Ein Bergretter konnte sich vor der Mure nur durch einen Sprung von seinem Quad retten. Auch zwei verschüttete Frauen sind inzwischen außer Lebensgefahr.

Dramatische Rettungsaktion in der Nacht zum Montag, nur Minuten nach 24 Uhr, im Gasteiner Ortsteil Badbruck: Eine gewaltige Mure ging auf ein Einfamilienhaus ab, riss dieses mit und drückte es gegen ein darunter liegendes Haus. Die örtlichen Feuerwehrmänner konnten die Bewohnerin (75) des zweiten Gebäudes rasch aus den Trümmern bergen. Nach der Pensionistin (79) aus dem komplett zerstörten Haus suchten sie aber knapp zwei Stunden lang. Die Frauen wurden ins Krankenhaus Schwarzach gebracht, die ältere später ins LKH überstellt. Die 75-Jährige erlitt leichte Verletzungen, die 79-Jährige musste mit Bein- und Beckenverletzungen operiert werden.

Mit Prellungen überstand der Hofgasteiner Bergrettungschef Norbert Trigler am Sonntag einen Murenabgang im Bereich Katstall im Angertal. „Wir haben die Feuerwehr unterstützt. Ich war mit dem Quad unterwegs und sollte mir kritische Positionen ansehen. Dort wurden die Bewohner schon am Freitag evakuiert. Anfangs habe ich mich noch sicher gefühlt, als ich in dem Bereich vorbeifuhr, wo schon Muren abgegangen sind. Aber am Rückweg hat es plötzlich hinter mir ordentlich getuscht. Ich drehte mich um – da kamen haufenweise Geröll und Bäumen auf mich zu.“ Trigler wurde samt dem Fahrzeug 15 Meter mitgerissen. „Dann bin ich bergseitig weggesprungen.“ Der erfahrene Helfer marschierte schließlich 150 Meter oberhalb zum Wohnhaus seiner Bekannten. „Von dort aus habe ich unseren Feuerwehrkommandanten angerufen, damit er das Angertal komplett sperren lässt.“ Die Feuerwehr holte Trigler auch persönlich ab. Das Haus seiner Bekannten wurde ebenso evakuiert. Gerade noch rechtzeitig. Denn eine weitere Mure riss dort kurze Zeit später den Stall weg.

Die in Hofgastein lebende Landesrätin Andrea Klammbauer wurde Augenzeugin des Unglücks: „Links und rechts sind Muren abgegangen. Unser Haus wurde verschont. Wir können aber nicht weg. Mein Dank gilt den freiwilligen Helfern.“

Im Lungau sind drei seit Sonntag vermisste Polen wohlbehalten auf der Karner Alm bei Ramingstein gefunden worden. Die drei waren kurz bevor der Zufahrtsweg vermurt wurde auf die Alm gefahren. Ein Kollege meldete sie als vermisst.

250 Passagiere, die mit einem Eurocity unterwegs waren, wurden am Sonntag um 22.30 Uhr zur Sicherheit in Bad Gastein evakuiert. Sie konnten vorerst in Hotels übernachten.

ZAMG-Meteorologe Josef Haslhofer verspricht Wetterbesserung: „Das Wetter bessert sich. Im Bereich Rauris, Gastein, Hüttschlag und im Lungau wird es am Dienstag noch leicht regnen und schneien. Da sind wir aber bei ganz anderen Mengen als in den vergangenen Tagen. Ich rechne mit zwei bis 15 Liter pro Quadratmeter innerhalb von 24 Stunden. Oberhalb von 1300 Metern wird es schneien. Das verschlimmert die Situation nicht. Dieser Schnee wird aber liegen bleiben. Die Schneedecke festigt sich damit.“

Die Lage bleibt weiter angespannt - viele Hänge sind nach wie vor rissig und instabil. Weitere Murenabgänge sind nicht ausgeschlossen.

Manuela Kappes
Manuela Kappes
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