15.11.2019 16:24 |

Oper Graz:

„Cinderella“ und ihr Traum vom Tanzen

An der Grazer Oper ist Cinderella eine träumerische Ballettschülerin. In ihrer Sehnsucht nach dem Tanzen findet sie den Prinzen beinahe beiläufig. Ballettchefin Beate Vollack zeigt ihre starke Company in einer Inszenierung, die trotz guter Ideen eher konservativ bleibt. Oksana Lyniv strahlt mit den Grazer Philharmonikern.

Glasschuhe braucht Cinderella (märchenhaft schön: Lucie Horná) keine, denn mit denen tanzt es sich nicht so gut wie in Spitzenschuhen. In einer miserablen Situation findet sie sich trotzdem wieder: Die Stiefmutter (streng und präsent: Beate Vollack) erkennt Cinderellas Talent und verbietet ihr das Tanzen. So kauert sie im Eck, während ihre Stiefschwestern (lustig und flink: Stephanie Carpio und Martina Consoli) sich in den Mittelpunkt springen und wirbeln.

Tanz statt Liebe
So nett die Idee auch ist, Cinderellas Traum von der Liebe durch den des Tanzens zu ersetzen, so konservativ bleibt die Inszenierung auch dadurch. Den Prinzen als (männlichen) Retter (getanzt von Christoph Schaller) braucht sie im Endeffekt trotzdem, um ihrem Joch zu entkommen - die Romantik hingegen bekommt nur wenig Platz. Konsequent und ohne Schnörkel ist das Märchen erzählt.

Die Musik von Sergej Prokofjew konterkariert die Inszenierung eher, als dass sie mit ihr zusammenarbeitet. Viel dunkler sind die Walzer, als die weißen Tüllkleider und breiten Lächeln auf der Bühne vermuten lassen würden - sie entlarven die Ästhetik als oberflächlich. Und so gibt es einige Momente, in denen Oksana Lyniv mit ihren Grazer Philharmonikern das Bühnengeschehen überstrahlt.

Kraftvoll und präzise
Oft genug steht aber der Tanz im Vordergrund - so, wie es auch Prokofjew wollte, als er in den 1940er-Jahren das Märchen zu einem Ballett vertonte. Das Ensemble zeigt sich - wie schon in den Produktionen der vergangenen Saison - kraftvoll und präzise in Beate Vollacks Choreografien zwischen klassischem Bewegungsrepertoire und modernerem Contemporary.

„Cinderella“ ist in Graz ein Abend für und über die Kunst des Tanzens - wenn man sich denn darauf besinnt.

Hannah Michaeler
Hannah Michaeler
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