Hohe Abgaben

Salzburg vergrault ausländische Pflegekräfte

Salzburg
15.11.2019 13:35
Porträt von Christoph Laible
Von Christoph Laible
Sie wohnen bei ihren Patienten, pendeln alle zwei Wochen in ihr Heimatland und fallen bei Diskussionen um Fachkräftemangel oftmals unter den Tisch: ausländische 24-Stunden-Pfleger. Dabei sind sie das Rückgrat der Zuhause-Betreuung in Salzburg. Doch in Deutschland bleibt ihnen mehr vom Lohn – Abwanderung droht.

2902 Pfleger kümmern sich in Salzburg rund um die Uhr um ihre Patienten. 99 Prozent davon kommen aus dem Ausland.

„Diese Pflegekräfte sind extrem wichtig für Salzburg. Leider macht man es ihnen unnötig schwer“, sagt Hermann Wielandner, Landesgeschäftsführer des Wirtschaftsverbandes Salzburg.

Beispiel: Hier sind die Pflegeassistenten über die SVA versichert, in Deutschland über ihr Heimatland. Sie zahlen dort weniger Abgaben. Der Wirtschaftsverband will verhindern, dass immer mehr Pfleger nach Deutschland gehen – und hat Forderungen aufgestellt.

 „Der Pflegezuschuss muss erhöht werden. Das geschah das letzte Mal vor zehn Jahren!“, sagt Wielandner. Familien könnten den Assistenten so bessere Löhne zahlen. Derzeit liegt ihr Tagessatz im Schnitt zwischen 60 und 70 Euro netto. Zudem: Rücknahme der Regelung zur Familienbeihilfe. Seit Jänner wird diese nämlich an die Lebenshaltungskosten des Wohnstaates angepasst. Nächste Forderung: weg mit dem Selbstbehalt bei Arztbesuchen und Krankengeld ab dem vierten Tag.

Österreicher wollen Pflege im eigenen Haus
Günter Lindenthaler unterstützt die Vorschläge. Der Geschäftsführer des Pflegewerkes Austria in Abtenau vermittelt Pfleger an österreichische Familien. Die Nachfrage ist riesig. „Wir haben sehr viel zu tun. Die Leute wollen den Lebensabend daheim verbringen“, erzählt er. Das Problem: Lindenthaler sucht händeringend nach guten Pflegekräften. Das deutsche System lockt immer mehr von ihnen weg. Geht es so weiter, müssen Pflegebedürftige in ohnehin überfüllte Einrichtungen. Die einheimischen 24-Stunden-Pfleger können den Verlust nämlich nicht abfedern. Ihr Anteil liegt bei nur einem Prozent. „Österreicher wollen meist nicht für Wochen bei einer fremden Familie wohnen.“

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