Draht eingewachsen

Frauerl quälte Hund „Carrie“: 10 Monate bedingt

Diese Unbedarftheit. Diese Ungerührtheit. Diese Wurschtigkeit! Und das mit ihren jungen 21 Jahren. Dabei verkrampften sich einst bei den Fotos ihres grausam gequälten Hundes die Betrachter: Die Niederösterreicherin hatte dem Tier tagelang einen Maulkorb aufgeklebt, dass die Schnauze teilweise verweste!

„Carrie“, ein Hauch von Hund. Ungewollt. Ungeliebt. Im Sommer geriet das arme Tier an die Frau: „Der Onkel fragte, ob ich sie nehmen kann“, sagt sie jetzt in St. Pölten, „ich war viel unterwegs, sie hat in der Wohnung gebellt.“ – „Haben Sie vorher nicht darüber nachgedacht?“, fragt Richter Markus Grünberger. Sie verneint. Und warum sie, arbeitslos, überhaupt so selten daheim war? „Wir hatten viele Erledigungen“. Kurz: Sie wollte ihre Freiheiten, der Hund war lästig. Den Maulkorb hatte sie „ ca. eine Woche mit einem alten BH-Träger“ fixiert. „Sie holten ihn auch nicht herunter, wenn Sie heimkamen?“, fragt Herr Rat. „Hab ich vergessen“, sagt sie, als wäre es nichts Besonderes, „und als ich ihn dann runterholte, sah das Maul schon wie angefressen aus.“

Richter: „Nehmen Sie sich kein Haustier mehr!“
Zum Tierarzt ging sie nicht: Sie habe die eiternde Wunde „eh geputzt, mit Wasser“. So litt das Tier, bis eine Nachbarin Alarm schlug, weil es nach Verwesung stank. Und Tierschutz und Polizei anrückten. Da war auch „Carries“ Oberschenkel gebrochen. Warum weiß die 21-Jährige nicht. Ihr Freund will nichts bemerkt haben: „Ich spiel den ganzen Tag am PC.“ Die Angeklagte, vorbestraft, hatte schon zuvor Probleme mit der Hundehaltung: Das Tier damals hatte unter anderem ein Hämatom Sie will „eine allerletzte Chance“. Kriegt sie, entgegen aller Sympathie: Zehn Monate bedingt, nicht rechtskräftig. Der Richter: „Und ich rate Ihnen, sich kein Haustier mehr zu nehmen. Sie haben kein Talent dafür.“

Und was ist mittlerweile mit „Carrie“? Sie musste operiert werden, da half auch die „Tierecke“ der „Krone“ finanziell. Carrie wird seit ihrer Rettung rund um die Uhr vom Tierschutzverein St. Pölten betreut. „Sie erholt sich entsprechend gut“, berichtet Obmann Bernhard Stiowicek der „Krone“. Weiters nötig seien aber Rehabilitationsmaßnahmen, Nachkontrollen und auch genügend Zeit, um zur Ruhe kommen zu dürfen. „Wir unterstützen ‘Carrie‘ auch dabei, wieder Vertrauen aufbauen zu können.“ Und an „Carries“ Trennungsangst müsse ebenfalls gearbeitet werden. „Es gab sehr viele Interessenten, bis auf weiteres haben wir den gesetzlichen Auftrag zur Verwahrung“, erklärt Stiowicek: „Wie ‘Carrie‘ warten aber auch zahlreiche andere Tiere bei uns auf ein neues Zuhause, die leider nicht das Glück eines so umfassenden medialen Interesses hatten!“

Silvia Schober, Kronen Zeitung

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