10.11.2019 09:00 |

Gries am Brenner

Kurioser Streit um Sanierung im Sperrgebiet

In Gries am Brenner wurde 2011 wegen akuter Steinschlaggefahr ein Sperrgebiet verhängt. Ein Teil der Brenner Autobahn fällt in diese Zone. Die „Krone“ berichtete. Auch ein denkmalgeschütztes Widum befindet sich in diesem Gebiet, das der Besitzer renovieren möchte. Doch dieses Vorhaben sorgt für Zündstoff. 

Es ist eine Causa, die nicht neu ist. Eine Causa, die sich seit Jahren in die Länge zieht und die schon vor Gericht landete. Doch nun gibt es neue Details. Im Fokus steht ein Widum, „ein sehr geschichtsträchtiges und für die Tiroler Landesgeschichte hochbedeutendes Gebäude“, erklärt der Besitzer.

Vor drei Jahren habe er das Gebäude trotz verhängtem Sperrgebiet erworben, um es vor dem Verfall zu retten und zu sanieren. „Erst nach dem Erwerb habe ich von einem Abbruchbescheid aus dem Jahr 2012 erfahren, der allerdings seitens der Gemeinde trotz mehrmaliger Anfragen des Vorbesitzers nicht vollzogen wurde“, sagt der Inhaber.

Doch nach dem Kauf habe die Gemeinde plötzlich auf die Umsetzung dieses Bescheides gedrängt, daraufhin wurde das Widum 2017 auf Initiative des Besitzers in einem Verfahren vom Denkmalamt unter Schutz gestellt. Eine Entscheidung, die die Gemeinde gerichtlich bekämpft hatte – erfolglos.

Ausnahmeregelungen: „Die Liste ist sehr lang“
Kurios: Für dieses Sperrgebiet wurden im Laufe der vergangenen Jahre immer wieder Ausnahmen vom Betretungsverbot genehmigt. „In einer Verordnung vom Jänner dieses Jahres steht, dass etwa das Betreten für die Dauer der Abhaltung vereinzelter Gottesdienste in der Kirche am Lueg, die sich neben dem Widum befindet, erlaubt sei. Sowie auch das Betreten eines Geräteschuppens. Zudem dürfen von Experten geologische Messungen realisiert werden, auch Mitarbeiter der Asfinag dürfen für Instandhaltungen hinein. Das Militär hat eine Zutrittsgenehmigung und auch Filmdreharbeiten wurden erlaubt“, sagt der Besitzer. „Einzig ich darf nicht zu meinem Widum. Es scheint, als hätte der Bürgermeister ein Problem mit mir“, sagt der Besitzer, der schon einmal von der Polizei aus dem Gebiet abgeführt worden sei.

„Für das Gebäude besteht akute Einsturzgefahr“
Karl Mühlsteiger, Bürgermeister der Gemeinde Gries am Brenner, klärt auf: „Für das Gebäude besteht akute Einsturzgefahr. Daher ist es zu gefährlich, das Widum zu restaurieren. Und was würde sich jene Familie denken, die 2011 nach dem Felssturz ausgesiedelt wurde, wenn nun jemand in das Sperrgebiet einsiedeln dürfte?“ All diese Details habe der Besitzer vor dem Erwerb gewusst.

„Militär schützt Haus vor illegalen Migranten“
Und wie sieht es mit den Ausnahmeregelungen aus? „Die hat es alle gegeben, wir haben diese ständig überprüfen lassen. Doch seit heuer wurden sie – mit Ausnahme jener für die Landesgeologen und des Militärs – alle gestrichen. Wann das genau war, weiß ich nicht mehr“, sagt Mühlsteiger und führt weiter aus: „In jenem Haus, das von einem Felsbrocken zerstört wurde, nächtigen immer wieder Migranten, die illegal die Grenze überqueren. Da das Haus einsturzgefährdet ist, ist das Militär mit der Patrouille beauftragt und stellt damit sicher, dass sich keine Personen darin aufhalten“, verdeutlicht Mühlsteiger.

Wie geht es nun in dieser Causa weiter? „Fakt ist eines: So lange ich als Bürgermeister die Verantwortung trage, wird es kein Betreten geben. Denn dann würde ich mit einem Fuß im Gefängnis stehen“, betont Mühlsteiger.

Der Besitzer des Widums hat einen Privatgutachter beauftragt. Zu welchem Ergebnis dieser gekommen ist, lesen Sie in der Sonntagsausgabe der „Tiroler Krone“. Ebenso ist dort aufgelistet, dass sich die Politik bezüglich der Tatsache, dass ein Teil der Brenner Autobahn im Sperrgebiet ist, der Verkehr aber dennoch rollt, zurückhält. 

Jasmin Steiner
Jasmin Steiner
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