25.10.2019 08:02 |

Zentrum in Graz:

Mit Robotern auf dem Weg zurück ins Leben

Am 29. Oktober ist Tag des Schlaganfalls. Jeder vierte Steirer ist davon betroffen. In Graz gibt es eine robotikgestützte Trainingstherapie, die Klienten sind von sechs bis 96 Jahre alt.

Er gilt als zweithäufigste Todesursache und Hauptgrund für Behinderungen in Österreich: der Schlaganfall. Einer von vier Steirern erleidet im Laufe seines Lebens solch einen Schlaganfall. Und die Folgen sind oft verheerend: von Bewegungs- und Koordinationsstörungen bis hin zu Lähmungen, sehr oft endet der Schicksalsschlag im Rollstuhl.

Danach kommt die Reha. Aber was dann? „Oft machen Menschen in der Reha gute Fortschritte, verlernen dann aber relativ schnell wieder das bereits Gelernte. Weil das ständige Trainieren fehlt“, erklärt Florian Zuper die Gründungsidee des Grazer Studios „home4motion“.

Ein Motto des High-Tech-Trainingszentrums in der Steinfeldgasse: „Wer gehen lernen will, muss gehen“. Und da kommt die Robotik ins Spiel.

Das erste Mal war unbeschreiblich

Bei unserem Lokalaugenschein treffen wir Herrn Rossmann. Nach einer schweren OP landete der Steirer 47 Tage lang auf der Intensivstation. „Ich konnte nicht mehr stehen, nicht mehr gehen, sitze seitdem im Rollstuhl.“ Seine Gattin und Physiotherapeut Martin Weißensteiner packen an, bis der Patient im Gangtrainer steht. 1200 Schritte sind es am Ende der Einheit. Wie war eigentlich das erste Mal? „Unbeschreiblich, ich war den Tränen nahe. Jetzt kann ich schon 15 Meter alleine mit dem Rollator gehen. Als nächstes Ziel will ich alleine mit Krücken unterwegs sein.“

Hauptklientel in dem Trainingszentrum sind eben Schlaganfall-Patienten. Aber die robotikunterstützte Neurotherapie wird auch eingesetzt bei Multiple Sklerose, Parkinson, Bandscheibenoperationen, Schädel-Hirn-Trauma usw. „Mit unserem Therapiekonzept kann man Kraft, Ausdauer, Beweglichkeit, Stehen und Gehen aufgabenorientiert zu trainieren“, erklärt Zuper, „und mit der Unterstützung des modernsten Roboters am Markt können auch verloren gegangene Funktionen von Hand oder Arm wiedererlangt werden.“

Das leistbare Hightech-Training

Die sieben Geräte im Studio sind 300.000 Euro wert, spielen aber auch alle Stückerln. „Wir wollen dennoch leistbar bleiben, das ist uns ganz wichtig“, betont Zuper. Was kostet eine Einheit? „95 Euro. Wir bieten aber auch Gruppentrainings an, da kostet die Einheit dann nur noch 45 Euro.“

Das Trainingszentrum läuft gut, viele Patienten reisen sogar aus anderen Bundesländern an. Ein zweiter Standort in Wien ist schon im Plan. Von der 6-Jährigen (Handlähmung) bis zum 96-jährigen Parkinson-Patienten (nach Hüft-OP), die Bandbreite der Klienten ist riesig. Wie auch die der Emotionen.

Berührende und schöne Erfolgsgeschichten

„Wieder etwas anfassen können oder die ersten Schritte machen, da fließen dann schon einmal die Tränen“, freut sich Weißensteiner über solche berührenden Erfolgsgeschichten. „Helmut aus Kärnten etwa war nach einem Badeunfall querschnittgelähmt. Nach sechs Monaten Therapie bei uns hat er ein Video geschickt. Wie er hinter dem Rasenmäher geht.“ Oder der 12-jährige Moritz aus Wien, der zwei Wochen lang stundenlang Tag für Tag nach einer Handlähmung trainierte. „Jetzt kann er wieder aus Flaschen trinken.“ Auch unter den Patienten gibt es einen regen Austausch. „Einige fahren dann später sogar zusammen auf Reha“, erzählt Weißensteiner. Was das Schönste ist? „Dass wir Patienten nach der Therapie sagen können: Du hast es geschafft! Jetzt kann Du alleine im Fitnessstudio weiter trainieren.“

Michael Jakl
Michael Jakl
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