20.10.2019 07:00 |

History-Serie

Geheime Wundermittel aus der alten Steiermark

Krebsaugen, Korallenpulver, Vipernschnüre und Drachenblut: Wie kuriose Zauber-Arzneien die Leiden unserer Vorfahren kurieren sollten. Die „Krone“-Serie „Steiermark History“ führt in das Grazer Apothekenmuseum.

Venedig, 1512. Es ist ein heißer Sommertag in der Lagunenstadt. Kaufleute, reiche Bürger und Ratsherren beachten nicht die prächtigen Schiffe und Gondeln, die auf dem großen Kanal die noch hölzerne Rialtobrücke passieren, sondern haben nur Augen für die spektakuläre Zeremonie, die nun schon den zweiten Tag andauert. Ehrwürdige Apotheker rühren, stampfen und mischen dutzende geheime Ingredienzen in großen Bottichen und Mörsern, darunter seltene Perlen und Edelsteine, getrocknete Heilkräuter, Weihrauchkörner - und frisches Schlangenfleisch.

Der heilkräftige Theriak
Nach Sonnenuntergang ist die kostbare Arznei vor aller Öffentlichkeit fertiggestellt: Der Theriak, das allheilende Wundermittel, kann nun in kleinen Fläschchen in die Welt verschickt werden.

Ein „Abfallprodukt“ wird nicht verschüttet, sondern auch zu barer Münze gemacht: Die findigen Venezianer tauchen Seidenschnüre in das Blut der im Theriak verarbeiteten Vipern - und verkaufen sie in alle Länder des mittelalterlichen Europas.

Vipernschnüre aus Venedig
So landete auch eine dieser Venezianischen Vipernschnüre im Grazer Apothekenmuseum, das im 20. Jahrhundert auf Basis einer Schenkung zahlreicher pharmazeutischer Produkte der örtlichen Hirschenapotheke eingerichtet wurde: „Man verband Schlangen mit dem ewigen Leben. Deshalb wurde ein kranker Körperteil, etwa ein entzündeter Hals oder ein lädiertes Knie, mit der Vipernschnur zur Heilung umwunden“, erklärt Bernd Mader, ehemaliger Apotheker und Experte für Volksmedizin. Die Prozedur erinnert an das Abbinden von Warzen, das auch heute noch einigen älteren Semestern bekannt ist.

Pfingstrosenkörner sollten Gicht heilen
Krebsaugen, Korallenpulver, Pfingstrosenkörner und Drachenblut: Das sind weitere Zauberarzneien, die den Menschen des 19. Jahrhunderts Linderung vieler Leiden versprachen und häufig in den Schränken steirischer Apotheken zu finden waren. „Krebsaugen waren in Wahrheit kugelförmige Ablagerungen im Magen des Krebses. Hatte ein Patient etwa einen Span im Auge, wurden die Krebsaugen aufgelegt, das Auge tränte und spülte den Fremdkörper heraus“, so Mader.

Pfingstrosenkörner sahen aus wie Gichtknoten und sollten gegen die gleichnamige Krankheit helfen, das Harz des Drachenbaumes diente auch zum Räuchern, das rote Korallenpulver sollte die Blutarmut bekämpfen.

Jörg Schwaiger
Jörg Schwaiger
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