07.10.2019 16:07 |

Kultmusical Premiere

Sexy Rocky hatte seine Feuertaufe

Regisseur Marco Dott setzt das Publikum unter Strom: Bühne frei für die „Rocky Horror Show“, das elektrisierendste Sexperiment der Musical-Geschichte! Dott verpasst dem Kult nur eine leichte Frischzellenkur. Gut so: Rocky bringt den Saal noch immer zum Johlen.

Kultiger geht’s nicht: Im Jahr 1973 ließ Musical-Regisseur Richard O’Brien das Spießerpaar Janet und Brad am Schloss des Außerirdischen Frank N. Furter vom Planeten Transsexual stranden. Sie werden unfreiwillige Zeugen eines Experiments: Der Hausherr erschafft sich den Liebessklaven Rocky. Der Beginn einer wilden Nacht; und eines weltweiten Musical-Kultes.

Der hält bis heute an. Im Jahr 2019 toben die Darsteller im Landestheater vor gruseliger Schloss- und Laborkulisse über die Bühne – toll ausgeleuchtet. Benjamin Oeser spielt Frank N. Furter in Lack, Leder und Pailletten mit David Bowie-Charme. Sebastian Smulders „sportelt“ als Sexsklave Rocky im 80er-Jahre-Tennis-Dress. Knappere Hosen hat das Landestheater nie gesehen! Regisseur Marco Dott verändert die Vorlage minimal. Er beweist dabei ein glückliches Händchen. Beispiele: Eine sowieso saukomische Sexszene bekommt ein „Plopp!“ spendiert. Das Publikum liebt’s! Statt Braten tischt Frank N. Furter jetzt Leberkäse auf. „Mahlzeit!“, ruft ein Premieren-Gast. Die Trash-Show wirkt im Kontrast zum nobel-pompösen Zuschauerraum extra schrill.

Hält es die Leute dort auf den Sitzen? Zu Beginn sagt eine Stimme „Normalos, Transsexuelle, Außerirdische, Publikum: macht mit, tanzt mit!“ Top: Die Zuschauer johlen und rufen dazwischen, was das Zeug hält. Flop: Beim Abrocken zu den Kult-Songs wie dem „Time Warp“ gibt’s im Parterre Luft nach oben. Dennoch: Wenn Kondom-Luftballons über die Reihen hüpfen und es Wasser aus Spritzpistolen regnet, dann kichert der tanzwütige Hipster mit der etwas steifen Kultur-Dame um die Wette. Und das war doch schon immer das Wichtigste an der Rocky Horror Show. Dass sie alle zum Lachen bringt und vereint: Normalos, Transsexuelle, mehr oder weniger Außerirdische – das Publikum.

Christoph Laible
Christoph Laible
Kommentare
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Produktvergleiche

Alle Produkte sehen
Newsletter