06.10.2019 20:00 |

Nach 43 Jahren

Der letzte Einsiedler sagt „Servus, St. Magdalena“

43 Sommer führte Peter Pranger ununterbrochen die Jausenstation St. Magdalena über Gschnitz. Nun blickt er als Pensionär zurück.

Seit dem 14. Jahrhundert steht auf einem Felsvorsprung das Wallfahrtskirchlein St. Magdalena. Und fast eine Ewigkeit scheint der heute 67-jährige Peter Pranger aus Trins damit verbunden zu sein. Er galt als der letzte Einsiedler Tirols, denn er hat 43 Sommer ununterbrochen die kleine, der Kirche angeschlossene Jausenstation dort oben in 1661 Metern Höhe betrieben – unter einfachsten Bedingungen und die vergangenen 15 Jahre ganz allein. Seit Ende September ist er Pensionär.

Primitive Verhältnisse
Kein Strom, daher kein elektrisches Licht und kein E-Herd, kein Geschirrspüler, kein fließendes Wasser, keine Dusche, Plumpsklo: Für einen Wellnessurlaub würde es auf St. Magdalena nicht reichen. Pranger, der im Winter eine eigene Skischule betrieb, kam mit diesen einfachen Verhältnissen dennoch gut zurecht.

„In den ersten Jahren war ich mit meiner Frau Angelika und meist mit den Kindern oben“, sagt der 67-Jährige. Einen Sommer lang stieg er abends täglich ins Tal und am nächsten Morgen wieder hinauf – insgesamt 95 Mal! „Wir mussten die kleinen Kinder unten versorgen“, erinnert er sich. Pranger war nicht nur der Chef im Haus sondern auch in der Küche. „Selbst zu gemeinsamen Zeiten mit meiner Frau habe immer ich gekocht, sie hat bedient“, erzählt er. Und warum er? „Vielleicht konnte ich es besser“, schmunzelt der gebürtige Gschnitzer.

Legendärer „Kaiser“
Kaiserschmarren und Eier mit Speck genossen einen legendären Ruf. Viele Innsbrucker nahmen die gut 400 Höhenmeter nach St. Magdalena nur in Kauf, um diese kulinarischen Köstlichkeiten genießen zu können.

In 43 Saisonen erlebt man einiges – auch mit den Gästen. „Einmal fiel einem Gast die Geldtasche ins Plumpsklo in der steilen Felswand. Weil er nicht mehr aufhörte zu jammern, habe ich sie von dort wieder herausgeklaubt.“ Einem anderen Gast flog beim Fotografieren der Hut die Felsen hinunter. „Ich stieg hinab und habe den Hut geholt.“

Fernseher hatte Pranger nie einen oben. „Der ging mir nicht ab“, erinnert sich der Ex-Wirt. Nur Radio musste sein. Und Bücher. „Ich habe pro Sommer rund 30 Bücher auf Magdalena gelesen“, erzählt der letzte Einsiedler Tirols. Vom neuen Klettersteig zum Wallfahrtsort ist er nicht begeistert: „Der nimmt St. Magdalena ein wenig die Würde.“

Als Pensionist wird Pranger mehr klettern. „Jetzt darf ich, aber muss nicht mehr. Das ist angenehm“, meint er.

Peter Freiberger
Peter Freiberger
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