19.09.2019 19:15 |

Alarm beim Bundesheer:

„Können Bevölkerung nur eingeschränkt schützen“

„Der Zustand des Bundesheeres hat sich dramatisch verschlechtert.“ Ähnlich klare Worte wie (Übergangs-)Verteidigungsminister Thomas Starlinger findet auch der steirische Militärkommandant Heinz Zöllner. Hubschrauber, Behelfsbrücken, Fahrzeuge - vieles ist am Ende der Lebensdauer angelangt. Das Geld wird knapp.

„Die Stimmung ist gut, weil endlich Zahlen und Fakten auf dem Tisch liegen“, überrascht Zöllner. Tatsächlich findet Minister Starlinger seit Amtsbeginn ungewohnt offene Worte, am Dienstag hat er dann den Bericht „Unser Heer 2030“ vorgelegt.

Gezeichnet wird darin ein desaströses Bild: Es hat sich ein Investitionsrückstau von 16 Milliarden Euro gebildet, die Soldaten sind - wie auch Zöllner betont - „nur eingeschränkt in der Lage, die Bevölkerung zu schützen“; und das, obwohl die Bedrohungen (etwa Terrorismus, Cyberangriffe) zunehmen und „unkalkulierbarer“ werden.

Fahrzeuge am Ende der Lebensdauer
Auch in den steirischen Kasernen mit 3200 Kaderbediensteten und jährlich 3000 Grundwehrdienern ist die Lage angespannt. Puch G, Pinzgauer, Flieger-Abwehrkanonen - alles am Ende der Leistungsfähigkeit angelangt. Die Alubrücke für Katastropheneinsätze darf nur noch für Übungszwecke benutzt werden; die geplante neue steirische Pionierkompanie liegt auf Eis.

Mannschaftstransporte erfolgen immer öfter mit angemieteten Bussen, Veranstaltungen wie Leistungsschauen werden gestrichen. Für Milizübungen müssen Fahrzeuge und Funkgeräte aus ganz Österreich zusammengezogen werden.

„Ende Gelände“
Zöllner: „Wir sind an einem Punkt, wo es sogar beim Improvisieren heißt: Ende Gelände.“ Sollte das Verteidigungsbudget nicht bald deutlich erhöht werden, würde die Einsatzbereitschaft weiter sinken, in manchen Bereichen gegen null.

Ein Beispiel: „Bei der Airpower haben wir erstmals eine Drohnenabwehr durchgeführt und einige Drohnen im Umfeld des Fliegerhorsts lokalisiert. So ein Einsatz ist aber nur eingeschränkt möglich, der Raum Zeltweg ist die Grenze.“

Gespanntes Warten in Aigen
Besonders wichtig ist eine rasche Entscheidung über Nachfolge-Helikopter in Aigen: Die jetzt stationierten Alouette 3 fliegen laut Zöllner schon „gegen die Statistik“, also viel zu lange. Der Militärkommandant ist aber „zuversichtlich“, dass die nächste Regierung die Anschaffung durchzieht. Auch der lang ersehnte Neubau in der Kaserne Feldbach ist (noch) im Budget erhalten.

Jakob Traby
Jakob Traby
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