08.09.2019 15:00 |

Neues Niveau

Martin 8 „fliegt“ auf neue Bergetechnik!

Auf ein neues (Sicherheits)niveau für Verletzte und Crew hat die Heli Tirol die Einsätze mit dem Notarzthubschrauber Martin 8 gehoben: Der brandneue H 145 ist mit einer Winde zum Bergen ausgerüstet.

Der Verletzte wurde vom Hubschrauber mit dem Tau geborgen.“ Solche Meldungen könnten in absehbarer Zeit der Vergangenheit angehören. Denn der im Ötztal stationierte Martin 8 verfügt – wie auch der RK-2 in Reutte – über eine topmoderne Seilwinde, die im Gegensatz zum Tau nicht nur ein großes Plus an Sicherheit bietet, sondern zudem die Gesamtversorgungszeit eines Verletzten deutlich verkürzt. „Zeit stellt in der Notfallmedizin einen bedeutenden Faktor dar“, erzählt Frank Dieterich, leitender Flugarzt des Martin 8 beim Besuch der „Tiroler Krone“ am Heliport in Bruggen bei Sölden.

Spezialist bedient die Winde
Draußen steht der erst wenige Monate alte Hubschrauber H 145, derzeit das Nonplusultra in der Rettungsfliegerei. „Für Einsätze mit der Seilwinde benötigt man diesen Hubschraubertyp vor allem aus Platzgründen“, informiert Hubert Becksteiner. Der erfahrene Pilot wird an diesem Tag mit seiner Crew mehrere erfolgreiche Rettungseinsätze fliegen. Neben dem Piloten und dem Notarzt – heute Dr. Frank Dieterich – braucht es für das Rettungssystem mit der Seilwinde noch ein „Technical Crew Member“, also einen Spezialisten zum Bedienen der Winde. Und notwendig ist zudem ein Bergespezialist, der sich am Windenseil zum Opfer hinunterbringen lässt. Marco Schöpf bzw. Günter Chwojan erfüllen heute diese Funktionen. Für Einsätze mit dem Tau genügt eine Drei-Mann-Besatzung.

Rascher beim Patienten
„Mit dem Windensystem verkürzen wir die Zeit bis zum Patienten um mindestens zehn Minuten“, betont Pilot Becksteiner. Beim sonst üblichen Verfahren mit dem Tau fliegt der Heli zunächst zum Einsatzort und dann zu einem Zwischenlandeplatz, um das Tau einzuhängen. Erst danach kann die Bergung beginnen. Diese „Ehrenrunde“ entfällt dank Winde.

Einsatz im Sellraintal
„Einsatz!“ unterbricht Marco Schöpf unser Gespräch plötzlich. Patientin mit Verdacht auf Herzinfarkt am Freihut in den Stubaier Alpen lautet die Erstinformation der Leitstelle Tirol. Es dauert nur wenige Minuten und Martin 8 schraubt sich in die Höhe in Richtung Sellrain. Am Windenseil wird die Einheimische aus einem Waldstück geborgen und in die Klinik geflogen. Die Frau hätte ohne Martin 8 wohl nicht überlebt.

Das Maß aller Dinge
Günter Chwojan gehört zu den 40 Bergespezialisten, die die Tiroler Bergrettung im Zuge einer Kooperation stellt. Deren Landesleiter Hermann Spiegl ist überzeugt, dass das Windensystem künftig das Maß der Dinge bilden wird. „Das Stahlseil der Winde hat eine Maximallänge von 90 Metern, ich bediene die Winde per Handsteuerung, die variable Länge stellt ein großes Plus beim Bergevorgang dar“, informiert Marco Schöpf. „Die Variabilität erhöht zudem die Sicherheit während des Horizontalflugs“, ergänzt Pilot Becksteiner.

„Komfort“ für Patienten
Für den Patienten selbst verringert sich nicht nur die Gesamtversorgungszeit, er wird außerdem wesentlich kürzer den äußeren (Wetter)verhältnissen ausgesetzt, weil ihn die Crew gleich in den Hubschrauber hineinziehen kann. Abermals gibt es Alarm. Die Besatzung muss ins Kühtai, wo ein Kletterer zehn Meter in eine Felsrinne stürzte. Wieder erweist sich die Winde als äußerst effizientes Bergemittel. Die Möglichkeit, den Patienten während des Flugs in die Kabine zu holen, stellt ein weiteres Sicherheitsplus für Besatzung dar. „So kann ich jederzeit eine Notlandung absolvieren“, sagt Pilot Hubert Becksteiner. Während unserer Rückfahrt aus dem Ötztal kommen wir zu einem schweren Verkehrsunfall. Wenige Minuten später landet Martin 8 auf der Bundesstraße und fliegt Mutter und Kleinkind sicher ins Krankenhaus nach Zams.

Peter Freiberger
Peter Freiberger
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