26.08.2019 06:00 |

Gottfried Eicher:

Ein Oststeirer als Herr über die Wünschelrute

Geboren im Armenhaus, verschleppt zur Fremdenlegion - der Steirer Gottfried Eicher hat eine unglaubliche Lebensgeschichte und beherrscht die vielfach längst vergessene Kunst des Wassersuchens. Der „Vater“ von 156 Kindern hat auch eine Warnung für uns.

Die Schmidts hätten gern einen kleinen Teich - aber ist auf ihrer Wiese auch Wasser? Das soll Gottfried Eicher herausfinden, dem ein großer Ruf als Wünschelrutengänger vorauseilt, in einer Zeit, in der dieses Wissen vielfach verloren gegangen ist. Oder ist es eher ein Talent, ist es eine Gnade, eine Fähigkeit? Kann das jeder lernen? „Ich denke, dass es eine Gabe ist“, sagt Eicher. Und grinst: „Vor 150 Jahren hätten sie mich wohl als Hexer verbrannt.“

„Hier verläuft eine Ader“
Tatsächlich scheint es wie Voodoo, als sich der quirlige Oststeirer durchs hohe Gras kämpft - und sich sein gegabelter Ast (es sollte Weide sein oder Haselnuss, einjährig) wie durch Zauberhand bewegt! Als sie sich nach unten biegt, ist er felsenfest davon überzeugt: „Hier verläuft die Ader.“

Wir wollen natürlich auch ausprobieren, ob sich bei uns etwas bewegt. Leider, so oft wir auch die vermeintliche Wasserader kreuzen - nichts rührt sich an der Rute. Aber als uns Gottfried am Arm berührt, dreht sich der Ast auch in unseren Händen plötzlich nach unten! Wir sind verblüfft.

„Da verläuft eine Quelle, hier eine zweite, da ist der Kreuzungspunkt“, weiß Eicher. „Bohrt’s, und ihr werdet sehen, dass ich recht habe.“ Wie oft er schon Erfolge hatte, kann man in einem seiner mittlerweile zwölf interessanten Bücher nachlesen.

Viele Eltern sind ihm dankbar
Sie sind voll von Dankesschreiben. Nicht nur von fröhlichen Quellennutzern. Auch von Menschen, die nach vielen, erfolglosen, aufreibenden, verzweifelten Versuchen Eltern geworden sind. Eicher: „Viele haben alles hinter sich, was man sich vorstellen kann. Dann verstellen sie ihr Bett, liegen nicht mehr auf einer störenden Wasserader, die ich aufgespürt habe - und bumm!“ Kann es so einfach sein? Die Dankesschreiben und Fotos herziger Babys scheinen es jedenfalls zu belegen. 156-Mal, so lacht er, sei er daher schon „Vater“ geworden.

Auch Krankheiten, die durch störende Erd- oder Wasserstrahlen aufgetaucht sind, will Eicher schon entdeckt haben. „Und so manches ist schlicht weg, wenn man ungestört schläft.“ Nichts hält er von Hilfsmitteln, die vielfach angeboten werden, „überteuerte, angebliche Blockaden. Das Bett zu verrücken kostet gar nichts.“

Aber wie merkt man jetzt, dass da Wasser im Boden ist? „Bei mir ist es so, dass mein Herz zu pumpern anfängt.“ Was ihn schon in die Intensivstation gebracht hat! „Ich hab’ seither aus gesundheitlichen Gründen ein bissl zurückgesteckt.“

Zwei harte Jahre bei der Fremdenlegion
Seine Lebensgeschichte liest sich so, dass man es kaum glauben kann. Von den ersten Jahren im Armenhaus, einer verzweifelten Kindheit, die von Schlägen geprägt war, bis zu seiner Zeit bei der Fremdenlegion. „Damals hab’ ich in Deutschland gearbeitet, am Abend war ich mit Kollegen etwas trinken. Da dürfte mir jemand etwas ins Glas getan haben.“ Jedenfalls kam er erst wieder in Straßburg zu sich! In der Fremdenlegion. Zwei Jahre war er dort, vor allem im Tschad, bis ihm die Flucht gelang.

Heute lebt der vierfache Familienvater ein „höchst zufriedenes Leben in Demut und Dankbarkeit“. Allerdings hat er aufgrund seiner Erfahrungen eine ernsthafte Warnung an uns alle: „Ich werde immer öfter gerufen, weil Wasser kaum mehr zu finden ist. Oder weil Brunnen, die über viele Jahrzehnte im Einsatz waren, einfach versiegen.“

Klimawandel als Gefahr
Schuld daran sei der Klimawandel, „wir haben kaum mehr ausgiebigen Landregen, der unsere Quellen und das Grundwasser speist, meist ergießen sich nur noch Sturzbäche aus dem Himmel“. Düstere Prognose: „Wenn sich da nicht schleunigst was ändert, wird die Steiermark austrocknen.“

Christa Bluemel
Christa Bluemel
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