18.08.2019 13:00 |

Hopp als John Styx

Die hohe Kunst ein Clown zu sein

In Jacques Offenbachs Antik-Melodramma-Spaß „Orphées aux enfers“ (Orpheus in der Unterwelt), der in Barrie Koskys Inszenierung zur lustvollen, schrill-frivolen Höllenparty und knalligen Travestie-Show wird, spielt Max Hopp eine herausragende Rolle. Ein Gespräch mit dem „Diener“ in einer entgleisenden Welt.

Als trauriger „John Styx“ im blaulila Frack spricht er in Highspeed alle deutschen Texte von Orpheus und Eurydike, Jupiter, Pluto, Juno und Merkur, während die Darsteller in Slow Motion ihre Lippen dazu bewegen.
Dem noch nicht genug, verleiht er jeder Figur mit virtuoser Sprachkunst und Stimmakrobatik allerfeinstes Profil und Charakter. Egal, ob Trippelschritte oder Beiwohn-Gelage, „John Styx“ ist der Akustik-Artist, dem kein Geräusch des wild verwegenen Götter- und Erdenlebens fremd ist.
Eurydike mit rauchigem Bardamen-Bass, Orpheus, den eitlen Schöngeist, in einer hysterisch säuselnden Lage und die von Geilheit getriebenen Götter knurren wie Höllenhunde.

Eine Höchstleistung selbst für den Routinier?
„Es ist ein großes Vergnügen, aber auch eine enorme Herausforderung, etwas völlig Neues. Natürlich kennt man gerade hier in Österreich das geniale Stimm-Kabarett von „Maschek“, aber Synchronisation als Konzept für einen ganzen Theaterabend habe ich in meiner 25-jährigen Laufbahn noch nicht erlebt. Eine geniale Idee von Barrie Kosky, die der Operette zusätzliche Wirkung gibt. Die Figur des Styx, der aus der Perspektive des Zurückgewiesenen seine Geschichte von der nicht erwiderten Liebe quasi in Dauerschleife erzählt, ist toll und birgt sehr viel Melancholie.“

Neben dieser Figur synchronisieren sie neun Stimmen.
„Nachdem ich mich oft in Filmen selbst synchronisierte, ist mir das Prinzip bekannt. Such den Kasperl habe ich ab und an schon gespielt, der Unterschied? Jetzt bekomme ich Geld“, lacht er.

Der Wunsch Schauspieler?
„Ich war sechs, als ich meinte, ich will das werden. Meine Eltern erzählen, ich habe schon damals Indianerszenen nachgestellt. Außerdem war mein Onkel Manfred Hopp an der Komischen Oper Berlin.“

Seit sieben Jahren ist er selbst im Ensemble der Komischen Oper, wo er Kosky kennenlernte und zuletzt in „Anatevka“ den Tevje spielte.

„Egal welche Rolle, ich versuche immer die Figur zu begreifen, zu erfassen, meine Stimme ihr gemäß einzusetzen. Harte Arbeit, nicht nur Talent“. Für Orpheus beganen die Proben bereits im Mai. „In drei Wochen wurden die Szenen entworfen, und dann hieß es eineinhalb Monate Text zu lernen.“

Max Hopp ist dem Festspielpublikum bestens vertraut, er gab in Salzburg 1999 in Luk Percevals Shakespeare-„Schlachten“ sein Debüt.

Welche Reaktionen hat er sich zu Barrie Koskys schriller Revue erwartet?
„Natürlich, dass sie gefällt. Wir haben mit Gegenstimmen, von wegen zu vulgär gerechnet. Was dem Publikum vielleicht nicht so bewusst ist, gute Unterhaltung hat genauso künstlerischen Wert wie jeder schwere Stoff. Ein Clown zu sein ist ernsthafte Arbeit.“

Tina Laske

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