22.07.2019 09:05 |

Sommer-Gespräche

Biathlet Julian Eberhard: „Ich will nachlegen“

Biathlet Julian Eberhard gewann bei der Heim-Weltmeisterschaft 2017 Bronze mit der Staffel, legte in diesem Jahr solo im Massenstart nach. Sein Hunger auf Erfolge ist damit aber längst nicht gestillt, wie er im Interview mit der „Krone“ klar werden ließ.

Julian, in deinem Training gibt’s eine entscheidende Änderung. Welche?

Ich fahre ein Höhentrainingsprogramm, war zuletzt in Italien, da die nächsten drei Großereignisse in der Höhe stattfinden.

Was versprichst du dir davon, wie sehr spürt der Körper die Höhenlage?

Mit den Jahren sind die Schwankungen nicht mehr so groß. Für mich ist es aber etwas Neues, daher eine riesige Motivation. Der erste Block ist sehr gut verlaufen.

Wie siehst du deine Rolle innerhalb des ÖSV-Teams?

Ich merke, dass es jemanden braucht, der Verantwortung übernimmt. Ich bin in einem Alter und leistungsmäßig auf einem Niveau, wo es meine Pflicht ist, was zurückzugeben. Ich stehe beratend zur Seite, wenn jemand Hilfe braucht. Ich stelle mich vor die Mannschaft, wenn es nötig ist.

Hast du Geheimnisse vor deinen Teamkollegen?

Nein, nichts. Es gibt ja eine Datenbank im ÖSV, wo alle Trainings eingespeist sind. Das ist transparent. Die Energie, irgendwas zu verstecken, erspare ich mir und setze sie lieber im Training ein.

Franz Berger ist der neue starke Mann im Biathlon. Was erwartest du dir?

Dass er offen ist in der Kommunikation, sich auf die Hinterbeine stellt, wenn es notwendig ist, Entscheidungen trifft.

Du wirst im November 33 Jahre alt. Liegt das Beste noch vor dir?

Das denke ich schon. Ich habe lange gearbeitet, um auf dieses Niveau zu kommen, das ich die letzten drei Jahre hatte. Das sind jetzt die schönsten Jahre in meiner Karriere.

Worauf liegt der Fokus?

Beim Schießen mache ich viel mit Trainer Ricco Groß, mit dem die Zusammenarbeit generell sehr gut verläuft. Lauftechnisch hole ich mir zudem Rat von Trond Nystad, der großes Knowhow hat. Als Trio ergänzen wird uns gut.

Kannst du auch mal komplett abschalten?

Das ist ein schwieriges Thema. Entweder man sieht Biathlon als Job oder man lebt den Sport.

Ist deine Einstellung eine Belastung fürs Umfeld?

Ganz sicher. Es ist aber auf absehbare Zeit so. Die Leute kennen mich aber und nehmen mich so, wie ich bin (lacht).

Welche Sportarten verfolgst du privat?

Ich bin generell sportbegeistert. Als Kind habe ich alles verfolgt. Aktuell taugt mir Tennis extrem, vor allem durch Dominic Thiem.

Gibt es auch Sportler, die du bewunderst?

Ich eifere keiner Persönlichkeit nach. Ein Roger Federer ist aber einer, den ich bewundere. Er beherrscht die Sportart nicht nur, er hat sie weiterentwickelt. Das beeindruckt mich. Auch Valentino Rossi gehört zu dieser Kategorie, er hat die Szene geprägt und zieht die Massen an.

Beide sind ewig dabei, Rossi ist gar schon 40. Ist es für dich vorstellbar, so lange aktiv zu bleiben?

Auf alle Fälle! Ich mache das so gerne, habe meine Sachen beieinander. So etwas muss sich aber entwickeln. Wenn ich die Begeisterung habe, die Voraussetzungen gegeben sind, dann lohnt es sich.

Apropos – wie sehr lohnt sich das Leben als Biathlet?

Wenn man erfolgreich ist, kann man gut davon leben. Wir haben richtig starke Partner, die schätzen, was wir leisten.

Simon Eder wurde vor einigen Jahren Doping angeboten. Hast du ähnliche Erfahrungen gemacht?

Nein, da gab es gar nichts. Ich wusste von Sams Geschichte recht zeitnah, war damals schockiert. Seither überrascht mich nichts mehr. Es war sicher ein Startpunkt dafür, dass vieles in die richtige Richtung gegangen ist. Ich habe Vertrauen, dass zusätzlich zu NADA-Kontrollen extrem viel passiert, die Arbeit der Exekutive sehr gut funktioniert.

Zwei Medaillen hast du bereits daheim – welche Visionen verfolgst du noch?

Ich will natürlich nachlegen! Eine Wunschsaison sieht so aus, dass ich jedes Wochenende attackieren kann, immer im Spitzenfeld lande. Dann sind die Top-5 im Weltcup drin, mit dem richtigen Rennverlauf auch mal eine Disziplinenkugel. Dazu geht’s bei Großereignissen um Medaillen. Das sind Ziele, die ich mir auf einen Zettel geschrieben habe.

Christoph Nister
Christoph Nister

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