19.07.2019 10:00 |

Großarl

„Wir haben dem Wolf das Tischlein gedeckt“

Wolf! Das Reizwort schlechthin zwischen Liechtensteinklamm und dem Großarler Talschluss bei Hüttschlag. Der Tenor der Einheimischen am Stammtisch, auf der Straße und beim Nahversorger ist einhellig: Abschuss! Vereinzelte Ausnahmen fanden sich beim „Krone“-Lokalaugenschein dennoch. Darunter Edmund Entacher, einst Generalstabschef unseres Bundesheeres.

Seit Tagen verharrt das Schwarznasenschaf „Zenzi“ schwer traumatisiert in der hintersten Ecke des Stalls der Almbauern-Familie Prommegger. Artgenossin „Berta“ entkam zwar Isegrims Schlachtbank, verbarg sich aber so beharrlich in einer Höhle, bis ihr der Hungertod den Garaus machte. 20 weiteren Lämmchen wurden die Kehlen durchgebissen, ebenso viele werden noch vermisst.
Unbestritten ein herber Verlust für die Landwirte, die daraufhin den behördlichen Antrag zum Abschuss unterstützt haben. Besonders hitzig ist die Atmosphäre an den Stammtischen: „Der Wolf muss weg. Am besten nach Sibirien“ ist noch die mildeste Formel der Scharfmacher.
Besonnener sieht Ex-General Entacher die Causa: „Ich habe vollstes Vertrauen in den Rechtsstaat. Das Tier gehört ordnungsgemäß erledigt, wenn es tatsächlich ein wildes Monster ist. Aber das muss vorab exakt evaluiert werden“, warnt er vor einer möglichen „Lynchjustiz“.

Alternativen wie Schutzzäune sind aufgrund der Unwegsamkeit des steilen und stark kupierten Geländes ebenso wenig ein Ausweg aus dem Dilemma wie Hirtenhunde als Bodyguards der Lämmer. „Denn die bilden keine homogene Herde, sondern treiben sich in Kleingruppen herum“, weiß Silvester Gfrerer, oberstes Mitglied der Agrargemeinschaft Tofernalm.
300 Stunden Mehrarbeit habe der Wolf den Nebenerwerbsbauern beschert. Verständlich, dass deren Motivation gesunken ist, die Schafe heuer nochmals auf die Alm zu treiben. „Wir haben der Bestie den Tisch gedeckt, ohne zu wissen, dass sie schon länger vor Ort ist“, vermutet Gfrerer.


Die Solidarität der Einheimischen mit den Bauern ist unverkennbar – „die Region lebt ja von Landwirtschaft und Tourismus“. Daher werden Naturschützer als realitätsfremd angesehen. „Denen geht es nur um ihre Posten. Die sollen sich mal ein Bild vor Ort machen“, ist aus Stammtisch-Kreisen zu hören.
Dies hat Hannes Augustin, Vorstand des Salzburger Naturschutzbundes, kommenden Dienstag vor.
Leere Kilometer?
Seit Tagen herrscht Ruhe. Daher werden Vermutungen laut, dass Isegrim sich bereits in Richtung Dorfgastein, Lungau oder Kärnten aus dem Staub gemacht hat. Immerhin schafft er bis zu 80 Kilometer pro Tag.

Sandra Aigner
Sandra Aigner
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