23.06.2019 08:45 |

„Mei ist die schoarf“

Zack zack zack: Josef Zotter macht „Ibiza-Schoko“

Beim Chocolatier Josef Zotter ist ein Känguru entlaufen - diese Schlagzeile sorgte jüngste für Verwunderung. Ein Känguru? Aus der Schokoladen-Fabrik? Was hat denn der Zotter noch alles? Sehr vieles: Roboter, Wein, Fleisch - und bald die „Mei is die schoarf“-Ibiza-Schoko.

Es ist schwierig, mit Chocolatier Josef Zotter Schritt zu halten. Buchstäblich. Wie ein Wirbelwind fegt er durch sein süßes Königreich.

Leichtfüßig mit zwei verschiedenfärbigen Schuhen (sein Markenzeichen), stets mit einem Grinsen im Gesicht, zieht er da etwas hervor, zeigt uns dort eine Besonderheit. Und davon gibt es in der südoststeirischen Schoko-Manufaktur, die die Grenze zum Erlebnispark längst überschritten hat, richtig viele.

Ein Kuhfladen als Kunstwerk
Dort vor der Wand zum Beispiel, hinter einer riesigen Glasfront gepresst, „seht’s ihr das? Was könnte das sein?“ Da kommt natürlich keiner drauf. Es ist ein Misthaufen. Aus den Zeiten, als an der Stelle des schicken Schauraums noch ein Stall war. Die früheren Kuhfladen sind jetzt ein Kunstwerk. Josef Zotter freut sich über die überraschten Gesichter.

So kam es zur „Knochenpest“
1300 Schokokreationen hat er schon geschaffen, die beliebtesten sind Nougat und Champagner. Aber manche seiner „Kinder“, wie er sie stolz nennt, fallen ein bisschen aus der Norm. Die „Knochenpest“ etwa, aufgezogen in einer Spritze. „Da war ich in Madagaskar, um vor Ort unsere Produzenten zu besuchen“, sagt der „Andersmacher“ (Eigendefinition). „Und ein Arzt hat mir gesagt, ich soll bloß aufpassen, in manchen Teilen des Landes gäb’s noch die Pest.“

Was tut der Zotter zurück in der Heimat? Vermischt dicke Brühe aus Rinderknochen mit einem desinfizierenden Öl aus Madagaskar (mit Eukalyptus, Nelke, Zimt), mengt Kakao und Vanille bei, nennt das Ganze „Knochenpest“ - und landet einen, wenn schon nicht geschmackvollen, dann doch g’schmackigen Verkaufshit.

Nur beim Zwiebel ist er „eingefahren“
Verblüffen, das kann er, das mag er. So manche Geschmacksrichtung lässt er Besucher blind verkosten und wenn die dann mit der Zunge schnalzen, sagt er ihnen, dass Insekten drin sind. Einmal ist er bislang „eingefahren“: mit der Variante Käferbohnen und Rotweinzwiebel. „Die Zwiebel hat dann fermentiert, und das Ganze hat echt schirch geschmeckt.“ Macht nix, ein Zotter tut weiter.

„Schaut’s drauf, wie Tiere gehalten werden“
Mit schokoladiger Süße nimmt er ernsten Themen die Schärfe, macht damit aber auf sie aufmerksam. Mit „Rettet die Erd-Bären“ etwa auf den Klimaschutz. Mit „Tierschutz ist ein Volksbegehren“ auf eben dieses. Wobei ihm scharf angekreidet wurde, dass in einer Tierschutz-Schoko Milch drinnen ist. „Aber mir geht es doch nicht darum, den Leuten einzutrichtern, dass sie kein Fleisch essen, keine Milch trinken, keinen Käse essen dürfen. Mir geht es darum, zu sagen: Schaut’s drauf, wie das Tier gehalten wurde! Wie es geschlachtet wurde! Lernt Respekt! Das ist mein Botschaft.“

„Ich möchte in die Tiefe gehen“
Die er auch mit dem wunderschön angelegten „Essbaren Tiergarten“ vermittelt. Dort leben nicht nur die schlagzeilenträchtigen Kängurus, sondern zum Beispiel auch Kühe und Schweine. Letztere werden irgendwann im Zotter-Restaurant serviert. „Wenn man Fleisch isst, muss jedem einfach bewusst werden: Das war ein Lebewesen. Ich möchte in dieser schnelllebigen Zeit in die Tiefe gehen.“

Viele Prominente waren schon in seinem Haus. Johann Lafer etwa oder Spencer Tunick, der ihm lauter Nackerte auf den Tisch gelegt hat für ein Foto; dafür ist der Künstler nämlich weltberühmt. „Die Leute zahlen 280 Dollar, damit sie nackt auf sein Foto dürfen“, schmunzelt Zotter.

Zotter reagiert zack zack zack
Die Sujets gehen ihm nie aus. Wie auch, sagt er, „die werden uns ja tagtäglich ins Haus geliefert“. So gibt’s eine Donald-Trump-Schoko mit blonder Tolle. Und Zotter reagiert - zack zack zack - auf neue Themen.

Schnaps statt Red Bull
In Kürze erscheint die „Bergl statt Ibiza“-Schokolade (Bergl 56 bei Riegersburg ist die Zotter-Adresse). Der Hausherr lacht: „Da ist dann aber Schnaps drin statt Red Bull.“ Mit dem Zusatz auf dem Cover: „Mei, ist die schoarf“. Mit diesen Anspielungen auf das HC-Strache-Video werden sie wieder reden über den Zotter.

So wie über seinen Wein. Die Roboter, die Schoko schneiden. Die Mischmaschine, an der jeder aus 22 Milliarden Möglichkeiten seine eigene Schoko kreieren kann. Und und und. Das Känguru, das ist übrigens noch immer auf der Flucht.

Christa Bluemel
Christa Bluemel

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