14.06.2019 12:01 |

Verfahren gegen Arzt

Neue Beweise eingebracht: Verhandlung vertagt

Im Grazer Straflandesgericht ist am Freitag der Prozess gegen Eduard L. fortgesetzt worden. Dem steirischen Arzt wird vorgeworfen, jahrelang seine vier Kinder gequält zu haben, indem er mit Selbstmord drohte, sie verbal demütigte und ihnen verdorbenes Essen vorsetzte. Neue Anträge von allen Seiten führten dazu, dass die Verhandlung erneut vertagt werden musste.

„Heute wird es kein Urteil geben“, verkündete Richter Oliver Graf gleich zu Beginn. Einer der Gründe für diese neuerliche Verzögerung war, dass der psychiatrische Sachverständige Walter Wagner nochmals gehört werden soll. Außerdem wurde der Richter wieder mit zahlreichen Anträgen eingedeckt. Seitens der Anwälte der Opfer wurde beantragt, Tagebuchaufzeichnungen eines der Mädchen als Beweis zuzulassen, außerdem ärztliche Befunde, Gesprächsaufzeichnungen oder ein Familien-Video.

Ständig neues Material
Dass ständig neues Material auftaucht, ist in diesem Verfahren schon zur Gewohnheit geworden. Diesmal legten auch die vier Kinder direkt dem Richter ihre Beweise vor. Es handelt sich um 33 Videos, Filme, Fotografien sowie schriftliche Übertragungen von Videos. „Ich habe mir das nicht angesehen, da es formal noch nicht Gegenstand der Verhandlung ist“, erklärte der Richter, der von den Anwälten wissen wollte, warum sie nicht diese Anträge gestellt hätten. „Manche Verfahren entwickeln eine Dynamik, die nicht in der Strafprozessordnung vorgesehen ist, das ist eine davon“, lautete die Antwort von Anwalt Gerald Ruhri. Er muss mit seiner Kollegin bis 24. Juni das Material sichten und offiziell einbringen.

Video vorgespielt
Auch eine Ex-Freundin des Angeklagten hat selbst etwas vorgelegt, und zwar Material über angebliche ärztliche Fehlbehandlungen. „Ich weiß nicht, was ich damit machen soll“, meinte der Vorsitzende. „Der Staatsanwaltschaft weiterleiten“, antwortete Ankläger Christian Kroschl. 
Dann wurde ein Video vorgespielt, das den Arzt mit seiner Frau beim Essen zeigt, vom Gespräch konnte man so gut wie nichts verstehen. Offenbar machte sie ihm Vorwürfe, dass er die Kinder schlecht behandle. „Es hat nie eine persönliche Drohung meinen Kindern gegenüber gegeben“, rechtfertigte sich der Arzt.

Der Prozess wird am 11. Juli fortgesetzt. Ob es da zu einem Urteil kommen wird, wagte am Freitag niemand zu prognostizieren.

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