29.05.2019 09:00 |

Zu hohe Abschusszahl?

Jäger warnen vor einem „Gemetzel im Wald“

68.000 Rehe und 13.500 Hirsche stehen ab sofort allein in der Steiermark zum Abschuss frei. „Das ist zu viel!“, kommt sogar von Jägern jetzt ein Aufschrei. „Was die Abschusslisten betrifft, müssten wir schon auf alles schießen, was irgendwie hinter dem Baum hervorschaut!“ Die Kritik trifft die Landwirtschaftskammer.

Fast die Hälfte (!) des Hirschbestandes und 68.000 der 145.000 Rehe sind heuer in der Steiermark zum Abschuss freigegeben. „Wenn das so weitergeht, müssen wir Jäger uns mit den Tierschützern zusammentun und diese um Hilfe bitten“, so ein Waidmann mit bitterem Unterton zur „Krone“.

„Das hat mit Jagdethik nichts zu tun“
„Wir müssen ja darauf achten, dass es funktionierende Strukturen gibt, mit Bock, Geiß, Kitz“, schießt ein anderer Jäger (auch er möchte anonym bleiben) scharf. „Bei solchen Abschussvorgaben kann darauf keine Rücksicht genommen werden. Das alles hat mit Jagdethik gar nichts mehr zu tun.“ Und: Manche Jäger würden gegen ihre Überzeugung den Abschussforderungen zustimmen, „sonst verlieren sie ihr Revier“.

„So kann man das sicher nicht stehen lassen“, meint dazu Franz Titschenbacher, Chef der steirischen Landwirtschaftskammer. „Wir hören eher die Gegenseite aus der Bevölkerung, nämlich, dass die Zahlen auf dem Abschussplan wegen der Schäden zu gering sind.“

„Verlangen keine brutalen Massenabschüsse“
Den Vorwurf weist auch Stefan Zwettler, Forstexperte der Kammer, weit von sich. „Es mag Diskussionen geben, man ist sicher nicht immer einer Meinung. Aber die Kammer verlangt da sicher keine brutalen Massenabschüsse.“ Die Wildschäden seien so hoch, dass man reduzieren müsse, vor allem, weil man gesunde Mischwälder forcieren möchte.

„Wir müssen Ahorn, Tannen, Eichen und Co. verstärkt anpflanzen, um einen klimafitten Wald zu bekommen.“ Und diese sind bei Reh und Konsorten natürlich beliebt, was auch Landesjägermeister Franz Mayr-Melnhof bestätigt: „Wenn ein Wald 1000 Fichten hat und einen Ahorn, werden die Rehe, die Feinschmecker sind, diesen versuchen anzuknabbern. Man kann allerdings Flächen- und Einzelschutz bei Bäumen betreiben.“

„Ruder mit Druck herumreißen“
Kritisierende Jäger wollen wiederum den Einwand der Kammer so nicht stehen lassen: „Mit dem Anpflanzen von Tannen und Ahorn wird ja nur ein Versäumnis aufgeholt. Jahrelang wurden aus wirtschaftlichen Gründen Fichten, Fichten, Fichten gepflanzt, damit wurde nachhaltig ein Fehler für die Zukunft gemacht. Jetzt will man das Ruder halt mit Druck herumreißen. Auf Kosten der Waldtiere.“

Christa Bluemel
Christa Bluemel
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