23.05.2019 08:30 |

Vom Genuss zur Sucht

Alkohol: Jeder siebente Steirer hat ein Problem

Alkohol: Kaum ein Thema wird auch in der Steiermark mit so viel Augenzwinkern gesehen - selten ist aber der Weg vom Genuss zur Gewohnheit und dann zur Sucht so ein kurzer. Ernüchternd: Gut 52.000 Steirer sind alkoholabhängig, jeder siebente hat ein Problem mit Alkohol. Dazu läuft jetzt eine Aktionswoche.

Wenn Vivid - die Grazer Fachstelle für Suchtprävention - zur Veranschaulichung der Problematik mit den so genannten Rauschbrillen in Schulen kommt, sorgen diese meistens für den Spaßfaktor. Bis zu 1,5 Promille können die Brillen simulieren, mit ihnen auf der Nase wird es dann schon schwierig, Schuhabdrücken auf dem Boden zu folgen oder die Hand zur Nase zu führen.

Schüler trinken weniger Alkohol
Aber vom Spaß dabei einmal abgesehen, wird den Jugendlichen drastisch vor Augen geführt, was der Schluck zuviel ausmachen kann. Sie kommen übrigens, was man aus vielen Befragungen weiß, meist im eigenen Familienkreis erstmals mit Alkohol in Berührung. Die einzig halbwegs gute Nachricht dazu: Laut Vivid ist der Alkoholkonsum zumindest unter der Woche bei Schülern rückläufig.

Über-50-Jährige als größte Risikogruppe
„Wir müssen außer bei Jugendlichen aber auch dringend die Erwachsenen mit Alkoholproblematik im Fokus behalten“, mahnt Expertin Claudia Kahr. Tatsächlich liegt der höchste Anteil der steirischen Alkoholiker in der Altersgruppe zwischen 50 und 60. Immerhin weisen 125.000 Steirer einen „problematischen Konsum“ auf, weitere fünf Prozent sind richtig abhängig.

Aktuelle Fakten dazu:

  • Männer trinken doppelt so häufig wie Fraue.
  • Fast jedes vierte Kind lebt in einem Haushalt mit einem alkoholbeeinträchtigten Familienmitglied.
  • Alkoholkonsum in der Schwangerschaft ist die dritthäufigste Ursache für Entwicklungsstörungen von Kindern. Claudia Kahr: „Es ist die einzige Behinderung, die zu 100 Prozent vermeidbar wäre.“
  • Entsetzlich: Laut Schätzungen werden zehn von 1000 Neugeborenen dennoch von ihren eigenen Müttern geschädigt!
  • Mehr als 60 Krankheiten können aus Alkoholmissbrauch resultieren, darunter Krebs, Bauchspeicheldrüsen-Probleme. Und solche mit der Potenz.
  • Die Kosten für die Gesellschaft gehen, resultierend aus medizinischen Behandlungen, Witwenpensionen und dergleichen, in die Hunderte Millionen als monetäre Folge von Alkoholmissbrauch. Die erhöhte Sterblichkeit und dadurch eingesparte Pensionen machten das laut der Suchtberatungsstelle nicht wett.
  • 738 Millionen Euro Ausgaben im Gesundheitsfeld stehen staatlichen Einnahmen aus der Alkoholsteuer mit 357 Millionen (Stand 2017) gegenüber. 

Auch auf der Straße sind die Zahlen zu Alkoholmissbrauch signifikant:

  • In Österreich wurden im Jahr 2017 28.109 Anzeigen deswegen erstattet.
  • Alkohol ist in 7,3 % der Fälle schuld an Toten.
  • Wer nicht mehr als 0,6 Liter Bier am Tag (Frauen 0,4) trinkt, bewegt sich im risikoarmen Bereich. Kahr: „Aber eigentlich gibt es keine ,empfohlene Menge´. Alkohol ist immer ein Zellgift.“

Darauf soll die laufende Dialog-Woche „Wie viel ist zu viel?“ mit 50 Veranstaltungen verdeutlichen.

Christa Bluemel
Christa Bluemel
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