21.05.2019 10:06 |

Startbahn-Sanierung

So ferngesteuert wurde am Flughafen gearbeitet

Die Sanierung der 2850 Meter langen und gut 60 Meter breiten Startpiste beim Salzburg Flughafen war und ist eine technische und logistische Meisterleistung. 115.000 Tonnen Asphalt werden verlegt, und das auf den Millimeter hoch und auf den Punkt genau. Zum Einsatz kam dafür ein elektronisches Fernsteuerungs-System, das es in Österreich so noch nie gegeben hat und vorher nur in der Landwirtschaft angewandt wurde.

Wenn Bau-Experten erfinderisch werden. Simple klingende Aufgabe: Saniere die Flughafenpiste. Schwierigere Frage dabei: Wie?

Beim Salzburger Flughafen kam bei den Asphaltierungarbeiten daher ein System zum Einsatz, dass es in diese Form in Österreich noch nie gegeben hat. Basierend auf GPS-Daten, sprich Ortungssystemen, und Tachymetrie, also geografischen Schnell-Vermessungsmethoden. „Mit einer Genauigkeit von ein paar Millimetern auf mehr als 20 Metern“, erklärten Bautech-Projektleiter Christian Monitzer (46) und Strabag-Bauleiter Christoph Würfl (37).

Vereinfacht gesagt: Das Rollfeld wurde viermal komplett asphaltiert, jedes Mal eine eigene Schicht, einmal etwas dicker, einmal dünner aufgetragen. „Um Unebenheiten auszugleichen“, schilderten die Männer vom Fach.

Genau da kam die Tachymetrie ins Spiel: Drei so genannte Fertiger, also Asphaltierungsmaschinen, wurden nebeneinander aufgereiht und mit Vermessungsdaten gespeist. Konkret ergibt sich aus den Daten ein 3D-Bild der Umgebung mitsamt alter Piste und der Beschaffenheit des Untergrunds. Gleichzeitig, mittels Fernsteuerung gesteuert, brachten die Fertiger Millimetergenau den Asphalt auf die Piste, zeitgleich transportierte eine Reihe an Lastwagen das benötigte Material an.

Allein die Logistik bewies Erfinderqualitäten. Monitzer gestand lächelnd: „Wir wussten vorher nicht ob es funktioniert, aber tat es. Das macht uns durchaus stolz.“ Bisher wurde das System lediglich beim Ackerbau eingesetzt, „jetzt also auch im Straßenbau“, ergänzte Würfl.

Der exakten Ashaltierungsarbeit folgte der ebenso exakte Anschluss: Das Walzen. Diese Woche tanzte das „Walzer-Ballett“ über die Landebahn – gut ein Dutzend Walzmaschinen, die per GPS-Ortung jeden Winkel der frisch asphaltierten Piste planierten. „Um mit Eigengewicht und Vibrationen Luftlöcher auszumerzen und die Asphaltdecke zu verdichten“, verfolgte Navigator Gerhard Niederbrucker (46) die planierten Streckenteile am Bildschirm, die sich je nach Glättestatus von Rot auf Blau verfärben. „Dann ist die Piste fertig und kann aushärten.“

Gut eine Woche dauerte es, die für dieses Prozedere gebrauchten Daten zu sammeln, ein paar 100 Stunden, die gesamte Piste zu asphaltieren. Am Freitag wurden diese Arbeiten beendet. Das Match „Wetter gegen Würfl“, wie das Schild auf der Bürotür verriet, stand da bei 9:17. Alles gut gegangen.

Bis der erste Flieger vermutlich am 29. Mai wieder perfekt in Salzburg landen kann.

Max Grill
Max Grill
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