Di, 21. Mai 2019
05.05.2019 11:00

Trajan Traussnig

Der „Zivildiener des Jahres“ liebt das Abenteuer

In seiner Freizeit sucht Trajan Traussnig, 21-jähriger Jus-Student aus Weiz, das Abenteuer draußen in der Natur. Als Zivi bei der Chance B in Gleisdorf wagte sich der nunmehrige Teilzeitkollege in die intensivsten Zonen des menschlichen Miteinanders. Vor Kurzem wurde er für seine besonderen Qualitäten ausgezeichnet.

Ruhig, souverän, freundlich. So wirkt Trajan Traussnig auf sein Gegenüber. Beste Voraussetzungen, um mit Menschen zu arbeiten - mit Menschen, die es etwas schwerer haben im Leben. Das wissen auch die Verantwortlichen von der Chance B, die dem 21-Jährigen Weizer eine „herausragende Persönlichkeit“ und ein „sonniges Gemüt“ attestieren.

Sie nominierten ihren Lieblings-Zivi 2018 für die Wahl zum steirischen Zivildiener des Jahres - und siehe da: Die fachkundige Jury vergab den Preis in die Oststeiermark. Staatssekretärin Karoline Edtstadler und Bürgermeister Christoph Stark überreichten den Preis am Donnerstag persönlich.

„Habe nicht gewusst, ob ich das durchhalte“
Dass wir Menschen nicht alle nach dem gleichen Schema F gestrickt sind, lernte Trajan schon als Kind in einer Integrationsgruppe des heilpädagogischen Kindergartens in Weiz. Als er nach der Matura als Zivildiener in der Schulassistenz der Gleisdorfer Sonderschule anfing, betrat er dennoch Neuland, wie er im Gespräch mit der “Steirerkrone" erzählt.

„Ich hab’ ehrlich nicht gewusst, ob ich das neun Monate lang durchhalte. Viele Kinder kennen keine Barrieren im Umgang, suchen ständig die Berührung. Ich bin eigentlich jemand, der seinen Freiraum braucht.“ Dazu die Begegnung mit Schwerstbehinderten: „Sie haben mir extrem leidgetan. Ich bin nach der Arbeit aus dem Grübeln nicht herausgekommen.“

„Uns geht es blendend“
Doch nach einigen Wochen fiel der Schalter: „Mir ist klar geworden, dass dies nun einmal ihr Leben ist, dass sie gar nichts anderes kennen. Und dass sie trotz allem glücklich sind.“ Trajan zog daraus eine Lehre - nicht nur für seine großartige Arbeit, sondern auch fürs eigene Leben: „Ich sehe jetzt: Uns geht es blendend. Uns geht nichts ab.“

Abenteuerliche Hobbys
Der junge Weizer muss es wissen, denn er lebt sein Leben in vollen Zügen - mit „Hobbies“ für Fortgeschrittene: Triathlon, Bergsteigen, Paragleiten. Das nächste große Abenteuer: Ende August mit Freunden zu Fuß auf den Mont Blanc und mit dem Gleitschirm wieder herunter. Der ruhige Herr Traussnig kann also auch ganz anders.

Spitzenteam: Trajan und der „wilde Bomber“ Max
Und beruflich? Nachdem er im Sommer 2018 „abrüstete“, scheiterte der junge Weizer an der Aufnahmeprüfung für das Medizinstudium in Graz. (Anmerkung: Dass so ein Prachtkerl schon im Vorfeld ausscheidet, sollte bei der Med-Uni die Alarmglocken schrillen lassen.) Also studiert er jetzt Jus - und hilft seit Februar für 20 Stunden die Woche bei seinen alten Freunden in der Sonderschule mit.

Dort betreut Trajan Traussnig den kleinen Max (dessen Bild wir nicht in der Zeitung zeigen dürfen). Der Achtjährige hat es nie leicht gehabt und gilt als „verhaltensauffällig“. „Kognitiv ist er sogar weit voraus, zum Beispiel beim Rechnen. Aber er ist ein wilder Bomber, dem die Orientierung fehlt, die Konstante.“

„Es läuft ganz gut zwischen uns“
Niemand hat sich drübergetraut über die Arbeit mit Max - bis sein Lieblings-Zivi im Februar wiederkam. Der nahm die Herausforderung an - unter der Bedingung, jederzeit aussteigen zu können. Aber Trajan ist nicht ausgestiegen. Und Max entwickelt sich positiv. „Es lauft ganz gut zwischen uns“, sagt der Zivildiener des Jahres. „Easy Cheesy.“

Matthias Wagner
Matthias Wagner

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