Mo, 20. Mai 2019
01.05.2019 15:15

Menschen in Salzburg

„Hier würde ich sogar Ziegelsteine essen“

Karl Obauer hat schon von klein auf gekocht, meist mit seiner Mutter Barbara gemeinsam. Gulasch, Krapfen, Erdäpfelnidei oder Palatschinken. Damals hieß der Wirt am Werfener Hauptplatz noch „Gasthaus Lebzelter“ und gehörte seinem Onkel Rudolf Färbinger.

Karl wuchs als echtes Wirtshauskind auf und er erinnert sich noch ganz genau, wie er mit 15 aus der Schule kam und ihn seine Mutter auf die Seite nahm: „Sei bitte still, bei uns auf dem Sofa in der Bar schläft der Clint Eastwood.“

Clint Eastwood schlief am Sofa in der Haus-Bar

Tatsächlich wurde im Jahr 1968 auf der Burg Werfen der Film „Agenten sterben einsam“ gedreht. Filmstar Richard Burton war ebenfalls dabei und Liz Taylor kam zu Besuch. In diesem Zusammenhang ist auch ein pubertärer Streich des damals 15-Jährigen überliefert: Karl Obauer kletterte mit Freunden die Dachrinne hinauf, wo Liz Taylor im ersten Stock badete. Über den Sichtungserfolg schweigt der Spitzenkoch. „Dass ich Koch werde, war mir schon in der Schule klar“, sagt Karl Obauer: „In der Lehre gab es keinen freien Tag, an dem ich zuhause nicht Cremeschnitten oder andere Kleinigkeiten ausprobiert hätte.“ Er lernt im „Bayrischen Hof“, kocht danach auf der „Sagafjord“ und der „Vistafjord“, arbeitet in der Wintersaison viele Jahre als Küchenchef im „Zürser Hof“.

Während der sieben Jahre jüngere Rudolf Obauer noch beim „Goldenen Hirschen“ lernt, steht Karl Obauer 1979 erstmals in der Lebzelter-Küche: Am 1. Mai 1979 beginnt dort seine Karriere als selbstständiger Gastronom. Es ist auf den Tag genau 40 Jahre her, dass diese unglaubliche Karriere startete. Und sie ist untrennbar mit seinem Bruder Rudi verbunden, mit dem er jeweils bis zum Ende der Wintersaison 1983/84 stets am Arlberg, im „Zürser Hof“, zusammenarbeitet.

1982 gab es die erste Haube, ab 1995 vier!

1982 bekommen beide in Werfen die erste Auszeichnung, eine Haube vom Restaurantführer „Gault Millau“. Bereits 1984, als das Lebzelter-Haus in Werfen ganzjährig geöffnet ist, folgt die zweite. Und seit 1995 hängt direkt beim Restaurant-Eingang die Urkunde: „Dieses Restaurant zählt zu den besten der Welt.“ Vier „Hauben“, seit 24 Jahren, einfach unglaublich.

Mit ihrer bodenständigen Küche und den regionalen Produkten aus der Umgebung bekochten sie nicht nur Alt-Kanzler Helmut Kohl, Thailands Königin Sirikit oder Putins Ehefrau, Englands Eiserne Lady Margret Thatcher oder Stars wie Peter Ustinov. „Uns waren wichtige Personen immer wichtig“, sagt Karl Obauer: „Aber der Tisch der sogenannten wichtigen Personen war uns nie wichtiger als alle anderen Tische.“

Im Gästebuch finden sich viele launische Einträge, so auch dieser: „Kutteln sind ja nicht so meins, aber hier würd ich auch Ziegel essen.“

Mit Bruder Rudi hat er in den Betriebsferien immer wieder als Gastkoch in den besten Hotels in Japan, Singapur, bei Wolfgang Puck in den USA, in Malaysia und Thailand gearbeitet. Mit Kochlegende Paul Bocuse verband beide eine lebenslange Freundschaft. Ebenso mit Eckart Witzigmann, „und mit allen, die für die Qualitäts-Gastronomie leben“, sagt Karl.

Karl und auch Rudi sind ja nicht nur Top-Köche, sondern auch Gastgeber: Gelebte Gastfreundschaft ist in Werfen kein Schlagwort.

Solange es geht, will Karl auch weiter kochen

Wie geht es nach 40 Jahren am Herd weiter? „Ich habe kein Zeitlimit“, sagt der 65-jährige Karl: „Ich koche aus Leidenschaft. Solange ich Ski laufen kann, möchte ich arbeiten. Und Ski laufen möchte ich ewig.“

Und dann folgt ein schöner Nachsatz: „Ich bin seit 40 Jahren besonders glücklich, weil ich dort arbeiten kann, wo ich zuhause bin.“

Wolfgang Weber
Wolfgang Weber

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