27.04.2019 08:00 |

ORF-Landesdirektor

Gerhard Draxler: Im „Eilzug“ in den Un-Ruhestand

Jahrzehntelang spielte ein Eisenbahner-Bua aus Knittelfeld auf der größten Medien-Orgel des Landes. Zum Abschied in die ORF-Pension erinnert sich Gerhard Draxler an eine bewegte Karriere.

Mit einem kleinen, aber feinen Festl für (ehemalige) Mitarbeiter verabschiedete sich Landesdirektor Gerhard Draxler am Freitag vom ORF-Landesstudio Steiermark. „Aus freien Stücken, mein Vertrag wäre ja noch bis 2021 gelaufen“, zieht sich der 66-Jährige zurück.

Kein Pensionsschock
Seiner letzten Klausur, wo nächste Woche die formale Übergabe der Spitzenposition an Gerhard Koch erfolgt, blickt er entspannt und fit wie ein Turnschuh entgegen. Pensionsschock? Nix! „Ich weiß nicht, was das ist“, versichert Draxler.

Große Pläne hat er noch keine, aber auch keine Angst vor Langeweile. Das „Krone“-Gespräch findet bereits zwischen zwei Golfrunden statt. Dafür bleibt ab sofort viel mehr Zeit: „Klingt elitär, ist es aber nicht, Skifahren ist längst teurer geworden“

Anders als vor 40 Jahren. Damals hat der unvergessene „Krone“-Reporter Werner Kopacka Draxlers Interesse am Journalismus geweckt. „Ich hatte einen Ferialjob als Bademeister in München. Dass ich dabei lebensrettende Einsätze hatte, war ihm eine Story wert.“

„Hottie“ startete in der „Steirerkrone“
„Wenig später habe ich in der ,Steirerkrone’ erste Lokalgeschichten gemacht.“ Seinen weiteren Karriereweg hätte er sich da noch nicht erträumen lassen: 1989 Aktueller Dienst im Landesstudio Steiermark (ab 1991 Chefredakteur), 1998 bis 2002 Landesintendant in Kärnten, 2002 bis 2006 Informationsdirektor im ORF-Fernsehen in Wien, danach Direktor in der Steiermark.

„In einfachen Verhältnissen in Knittelfeld wäre eigentlich eine Eisenbahnerlaufbahn vorgezeichnet gewesen“, weiß „Hottie“, der seinen Spitznamen „heißen Geschichten“ verdankt, denen er auf der Spur war. „Er war schon immer ein Kommunikationstalent“, klären Wegbegleiter ein „Mysterium“ auf.

„Mit übertriebener Verhaberung kommt man nicht weit“
Wie war es möglich, dass ein als „Roter“ abgestempelter Journalist zuerst in der schwarzen Steiermark, dann unter Christof Zernatto (ÖVP) und Jörg Haider (FPÖ) in Kärnten und sogar unter der ersten schwarz-blauen Regierung im Bund ORF-Karriere machen konnte? „Ich habe meine Haltung nie verleugnet, habe mich nie als Sozialist, sondern immer als Journalist gesehen. Ausgewogenheit und eine gewisse Distanz sind notwendig. Mit übertriebener Verhaberung kommt man nicht weiter.“

In Kärnten haben ihn damals Slowenenvertreter ebenso mit Preisen bedacht wie Heimatverbände für seine Brauchtumsinitiativen.

Die Zeit als Informationschef in Wien wäre die „härteste seine Lebens“ gewesen. „Interventionen hat es von außen aus der Politik und intern aus dem ORF am laufenden Band gegeben.“

„ORF muss gebührenfinanziert bleiben“
Er, der mit und neben den Mächtigen an den Schalthebeln der Republik gesessen ist, übergibt vorzeitig ein funktionierendes Landesstudio: „Ich bin dankbar für 40 Jahre im Journalismus.“ Zur aktuellen Diskussion nimmt er klar Stellung: „Der ORF muss unbedingt gebührenfinanziert bleiben, ansonsten wird er politisch abhängig – und kann seinen Auftrag nicht erfüllen.“

Thomas Bauer
Thomas Bauer
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