23.04.2019 08:50 |

Bauern schlagen Alarm

Der Mangel an Erntehelfern wird immer größer

Stellen wir uns vor, es gibt eine üppige Ernte in unserem Land, wofür alle dankbar sein müssten. Doch niemand kann sie einfahren, weil dafür geeignete Arbeitskräfte fehlen! Klingt absurd, könnte aber auch in der Steiermark schon bald Realität sein. Bei der Erdbeerernte zeichnet sich das Szenario schon ab. Höhere Kontingente für Arbeiter aus Drittstaaten werden gefordert.

20 Prozent (!) der niederösterreichischen Spargelernte konnten im Vorjahr in manchen Betrieben nicht eingefahren werden, weil dafür die Spargelstecher fehlten. Ein massives Problem.

Auch bei uns ist die Spargelernte jetzt im Gange: „Sie fällt heuer gut aus“, freut sich Werner Brugner, Kammerdirektor und Landwirt. Seine Frau Magret kümmert sich hauptverantwortlich um den köstlichen Spargel in der Oststeiermark.

Erntehelfer gehen verstärkt nach Deutschland
Die Ernteproblematik ist auch in der Steiermark ein großes Thema - Brugner klärt auf: „Helfer aus EU-Staaten, wie sie früher in großer Menge zu uns gekommen sind und die hier ja auch problemlos arbeiten können, fallen leider zum Großteil aus.“ Der Grund dafür ist hausgemacht: „Sie wandern vermehrt nach Deutschland ab. Weil sie durch das dortige Sozialversicherungssystem ein merklich höheres Einkommen lukrieren können.“

Und Problem Nr. 2: Das Kontingent für Arbeiter aus Drittstaaten, das das Ministerium jedes Jahr beschließt, ist heuer zwar um 4,5 Prozent gestiegen - aber immer noch zu niedrig, um den Wegfall der EU-Arbeiter zu kompensieren.

Wütende Briefe von steirischen Bauern
Brugner: „Wir haben bei der Kammer verstärkt Anfragen von Bauern, die sich jetzt schon die größten Sorgen machen, wie sie die Ernte komplett einbringen können, wir bekommen wütende Briefe.“ Als hätte die Landwirtschaft mit Preisverfällen oder Wetterkapriolen nicht schon genug Probleme.

Skepsis bei Asylwerbern
Als richtige Lösung sieht Brugner auch das nicht: Heuer kommt „erstmals richtig zum Tragen“, dass Asylwerber, die in Österreich arbeiten dürfen, verstärkt auf dem Land eingesetzt werden sollen. Brugner: „Wir unterstützen natürlich Integrationsmaßnahmen.“ Aber wie sehr das praktikabel sein kann, stehe auch in den Sternen: „Die meisten leben ja in der Stadt und nicht auf dem Land.“

Außerdem: „Die Arbeiten auf dem Feld sind teilweise wirklich hart. Ob das Gros das so kennt und machen will, können wir nur abwarten.“ Die Methodik funktioniert offenbar nicht immer nach Bilderbuch. Freilich: Bis die Abwicklungen durch sind, könnte auch die Frucht am Feld schon verdorrt sein.

Kontingent-Anhebung wohl beste Lösung
Brugner sieht als einzige Lösung eine Anhebung des Kontingents oder eine Änderung des Durchrechnungsverfahrens, „da es einfach Hochsaisonen bei den verschiedenen Kulturen gibt, wo wir mehr Helfer brauchen“.

Die steirische Landwirtschaftskammer fordert jedenfalls mehr Kontingente, „sonst könnten ernsthafte Probleme auf unsere steirischen Landwirte zukommen“.

Christa Bluemel
Christa Bluemel
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