14.04.2019 18:00 |

Grazer Kleinkunstvogel

Mit der Tuba zum Sieg

Der 33. Grazer Kleinkunstwettbewerb, veranstaltet von Hin&Wider im Theatercafé, ist vorüber. Der „Steierkrone“-Publikumsvogel und der E-Steiermark-Kleinkunstvogel gingen an den 28-jährigen Tiroler Tubisten Tobias Ennemoser alias TubAffinity. Sein Innovationsgeist schlug die fünf Konkurrenten.

In einer bodenlangen roten Kapuzen-Kutte, mit schwerer Rapper-Goldkette und der großen Tuba betritt TubAffinity die Bühne. Man ahnt: Jetzt kommt etwas nie Gesehenes. Und dann spielt er Tuba, rappt in das ans Mundstück geklebte Mikro, spielt sich mit seinem Mischpult und trampelt auf der Stompbox herum. Dazwischen erzählt er vom harten Los der Tubisten mit den Frauen oder davon, dass Wasser sein „drittliebstes Element“ wäre. Seine angekündigte „politische Nummer“ besteht hauptsächlich aus dem Satz „Die Staubsaugersackerl werden immer teurer“.

Welten hinter den Worten
Es mag zuerst völlig absurd klingen, was Alleinunterhalter Ennemoser da fabriziert. Aber genau das ist das Faszinierende daran: Hinter der anfangs verwirrenden Fassade steckt so viel mehr - ganze Welten hinter seinen Worten, und allem voran ein talentierter Musiker, der seine Beats ganz genau konzipiert hat. Einer, der das Publikum mit Leichtigkeit auf seine Seite zieht. Dieses dankt es ihm sofort mit Lachern und Rufen - und dem Großteil ihrer Stimmen, wodurch der „Steirerkrone“-Publikumsvogel an TubAffinity ging.

Tobias Ennemoser hat den Überraschungsfaktor auf seiner Seite, er hat die Skurrilität und die Innovation. Im Kampf gegen fünf Stand-up-lastige Acts sticht er heraus, ist sozusagen der Paradiesvogel. Alles wichtige Gründe, wieso sich die Jury schlussendlich für den 28-jährigen Tiroler entschieden hat: „Ausloten der Grenzgebiete der Kleinkunst abseits des Mainstreams, hoher Überraschungsfaktor und Unterhaltungswert sowie künstlerische Kombination aus Blasmusik, Cloud-rap und Konkreter Poesie“, hieß es in der Begründung des Urteils.

Starke Konkurrenz
Trotzdem: Ein leichter Kampf war es nicht, die Konkurrenz war stark. Der Bayer Alan Neumayer etwa besticht mit grandiosen Imitationen, grenzenlosen Übertreibungen, schwarzem Humor und einem bühnenreif konzipierten Programm. Ähnlich der Oberösterreicher Mathias Krammer, der mit trockenem Ton Geschichten der skurrilsten Art - von der Vorhautverengung bis zur gegrillten Ratte - erzählt. Ihn darf man wohl als Rohdiamanten handeln. Daneben haben es auch die Stand-ups Alexander Lovrek und Alexander Hechtl sowie das steirische Schüttelreim-Duo Hansiseppi ins Vogel-Finale geschafft.

Im Herbst kommt Tobias Ennemoser mit einem abendfüllenden Programm zurück ins Grazer Theatercafé. Wer das Warten bis dahin nicht mehr aushält, dem sei ein Besuch auf seiner YouTube-Seite „TubAffinity Disko“ ans Herz gelegt. Dort präsentiert er seine humoristischen Lieder und Videos. Man darf gespannt sein, was er sich in Zukunft noch so alles einfallen lässt.

Hannah Michaeler

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