Fr, 26. April 2019
13.04.2019 08:33

„Krone“-Reportage

Der Plabutschtunnel wird jede Nacht zur Baustelle

Wenn der Großteil der Steiermark bereits den Feierabend genießt, geht im Plabutschtunnel an der Pyhrnautobahn die Arbeit erst los: Nur zwischen 20 und 5 Uhr werden die beiden Röhren saniert, noch bis September wird täglich die Baustelle auf- und wieder abgebaut - ein einzigartiger Aufwand, bei dem jede Minute zählt.

Mehr als 30 Baufahrzeuge scharren in den Startlöchern, um exakt 20 Uhr startet der Große Preis von Graz - allerdings ohne Überholmanöver. Im Konvoi geht es brav durch einen seitlichen Eingang beim Nordportal in den Plabutschtunnel.

Eine Nachtschicht steht an, wie an jedem Tag. Werkzeuge, Maschinen, Material - alles muss in die mehr als zehn Kilometer lange Röhre gebracht werden. Spätestens um 4.30 Uhr müssen die Arbeiter wieder alles weggeräumt haben. Eine Kontrollfahrt des Streckendienstes, dann wird der Tunnel rechtzeitig vor dem Frühverkehr wieder freigegeben.

Baustelle wird hunderte Male auf- und abgebaut
Nacht für Nacht dasselbe Prozedere, mittlerweile bereits mehr als 300-mal. Im Vorjahr - nach dreijähriger Planungsphase - in der Ost-, seit Jänner in der Weströhre. Ein hoher (und millionenteurer) logistischer Aufwand, der allerdings alternativlos ist: Wäre der Tunnel tagsüber gesperrt, würde im Grazer Stadtgebiet der Verkehr zusammenbrechen.

Gefährlichste Aufgabe ist vor dem Tunnel
Es ist 19.40 Uhr. Kurz nach dem Gratkorntunnel muss Asfinag-Mitarbeiter Wolfgang Mack am linken Autobahn-Fahrstreifen aussteigen, um ihn zu sperren: Per Knopfdruck fahren fünf Pfeile aus, dann klappt Mack händisch eine große, schwere Tafel aus. Eine gefährliche Aufgabe, erst in der Vorwoche starb ein Kollege in Treglwang. „Da denkt man schon wieder nach“, sagt Mack. „Ein Risiko ist immer dabei...“

Mit Hütchen sperrt er dann auch die rechte Spur - dennoch fahren einige Autos und Lastwagen noch über die Sperrlinie in den Tunnel. Leider Alltag, erzählen die Asfinag-Mitarbeiter. „Wenn ein Tunnel auf Rot ist, dauert es oft zehn Minuten, bis der erste stehenbleibt.“

Direkt unter Wohnhäusern gegraben
Endlich können die Arbeiter loslegen. In dieser Nacht stehen Beschichtungsarbeiten an, auch an den Querschlägen, welche beide Röhren verbinden und als Fluchtwege dienen, wird gewerkt. Ihre Zahl wird auf 40 verdoppelt. „In Summe hatten wir dafür knapp einen Kilometer Vortrieb“, erzählt Bau-Projektleiter Roland Sticker. Dabei kam es auch zu fordernden Situationen, etwa als direkt unter Wohnhäusern gegraben wurde. Ein Querschlag wurde im Bereich Straßgang sogar in offener Bauweise errichtet, dort beträgt die Überdeckung des Tunnels gerade einmal einen halben Meter!

Gegenverkehr als größte Herausforderung
Derzeit ist die Inbetriebnahme der Steuerung größte Herausforderung. Erst wenn alles hundertprozentig funktioniert, kann es in der Oströhre in der Nacht Gegenverkehr geben (nächste Woche soll es soweit sein), derzeit wird der Verkehr Richtung Süden durch Graz umgeleitet. In der Weströhre war die Einrichtung der Verkehrsführung am Ende schon Routine, die dafür benötigte Zeit wurde von 25 auf 15 Minuten reduziert.

Nach jeder intensiven Arbeitsnacht rollen die Baufahrzeuge in den frühen Morgenstunden zurück in ihre „Boxen“ in Raach - voll beladen. Sticker: „Bisher wurde noch keine Maschine im Tunnel vergessen.“

Daten & Fakten

  • Die erste Röhre des Plabutschtunnels wurde 1987 eröffnet, die zweite 2004. Täglich fahren etwa 40.000 Fahrzeuge durch den Tunnel.
  • Die Sanierung begann im Dezember 2017, das Gesamtprojekt kostet 70 Millionen Euro. Unter anderem wird der Brandschutz verbessert, die Entwässerung saniert, Beton an der Innenschale Instand gesetzt und die Fahrbahngriffigkeit durch Kugelstrahlen verbessert.
  • Bis Jahresende wird der Tunnel mit etwa 1500 LED-Leuchten ausgestattet, die die Helligkeit um mehr als 50 Prozent erhöhen.
  • Der gesamte Tunnel wird über das akustische Warnsystem Akut verfügen, das bei außergewöhnlichen Geräuschen sofort Alarm schlägt. Zudem ermöglichen 400 Kameras eine lückenlose Überwachung.
  • Netzwerk und die Tunnelsteuerung werden bei laufendem Betrieb saniert, laut Projektleiter Markus Reinwald (Asfinag) ist das vergleichbar mit einer Operation am offenen Herzen.
Jakob Traby
Jakob Traby

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