13.03.2019 13:01 |

Aufarbeitung

„Martinsbühel-Kommission“ begann mit der Arbeit

Die unabhängige „Martinsbühel-Kommission“ hat mit Anfang März ihre Arbeit aufgenommen. Nach deren Einrichtung sorgte zunächst eine etwaige aktive Beteiligung des Benediktinerordens für Aufsehen. Nach erfolgter Kritik kam es nun doch nicht dazu - man hoffe aber auf eine gute Zusammenarbeit und Akteneinsicht.

Der Fokus liegt mit dem Mädchenheim Martinsbühel auf kirchlichen Einrichtungen. „Die Kommission sieht ihre Aufgabe vor allem in der Rekonstruktion und Analyse historisch-struktureller Zusammenhänge. Eine zentrale Rolle spielt dabei die Frage nach Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten zwischen kirchlichen und staatlichen Stellen“, hieß es gestern seitens der Kommission. „Dass jemand, der damals involviert war, in der Recherche und Aufdeckung der Zusammenhänge aktiv mitarbeitet, ist unüblich“, sagt Kommissionsleiterin Margret Aull. Man werde den Orden aber kontaktieren und aufgefordern, an der Aufarbeitung mitzuhelfen. „Ich gehe davon aus, dass wir Unterstützung erhalten. Kommt es zu keiner Kooperation, werden wir das der Öffentlichkeit mitteilen.“ Eine entscheidende Rolle spiele der uneingeschränkte Zugang zu den historischen Akten.

Zusammenarbeit mit den Betroffenen
Zudem wird auf Zusammenarbeit mit Betroffenen gesetzt. „Wir haben auch darüber nachgedacht, Betroffene direkt mit in die Kommission zu nehmen. Aber das ist eine Frage der Zumutbarkeit, deshalb haben wir uns dagegen entschieden, werden aber Zwischenberichte an sie abgeben, um Stellungnahmen einzuholen.“ Zudem werde auf Forschungsarbeiten und die Erfahrungen anderer Kommissionen, Gruppen und Ombudsstellen aufgebaut. Ein erster Zwischenbericht soll dann im Sommer vorliegen.

Chroniken der Aufarbeitung

  • Das Mädchenheim und die Sonderschule Martinsbühel wurden vom Schweizer Orden der Benediktinerinnen von 1947 bis 2008 geführt.

  • Im Jahr 2010 haben sich nach Bekanntwerden von Missbrauchsfällen in staatlichen wie kirchlichen Einrichtungen rund 100 ehemalige Heimkinder von Martinsbühel an die Ombudsstelle der Diözese Innsbruck gewandt. Die entsprechenden Berichte wurden an die diözesane Kommission und die Klasnic-Kommission weitergeleitet.

  • Die Vorwürfe reichen von sexuellen, physischen wie psychischen Misshandlungen bis zur Verwahrlosung der Kinder.

  • Das Land Tirol nahm dazu im Jahr 2010 Stellung: „Es wird anerkannt, dass den Betroffenen durch systematische psychische, physische oder sexuelle Misshandlungen Unrecht zugefügt wurde. Das Land Tirol anerkennt dieses Unrecht, das Kindern und Jugendlichen, die ihrer Obsorge unterstanden, über Jahrzehnte widerfuhr.“

  • Es wurden finanzielle Entschädigungen an viele der Betroffenen geleistet.

  • Zur Gänze aufgearbeitet wurde das dunkle Kapitel aber nicht. Der Benediktinerorden weigerte sich, sich an einer Aufklärung zu beteiligen. Es wurde lange Zeit still um die Gräueltaten.

  • Im Dezember 2018 führte ein Artikel des „Standards“ zu erneuter medialer Aufmerksamkeit. Eine ehemalige Betroffene schildert darin, was ihr über Jahre hinweg angetan wurde.

  • Im Jänner diesen Jahres wurde in einer Online-Petition mit 2500 Unterschriften ein Untersuchungsausschuss gefordert, zustande kam er nicht.

  • Im Februar wurde schließlich eine unabhängige „Martinsbühel Kommission“ eingerichtet, die nun mit ihrer Arbeit begann. Die Kommission ersetzt die bisherigen Anlaufstellen nicht.

Anna-Katharina Haselwanter
Anna-Katharina Haselwanter
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