Sa, 25. Mai 2019
01.02.2019 15:29

Keine hohen Strafen

Pyramidenspiel: Alle 5 Angeklagten sind schuldig

Im Grazer Straflandesgericht ist am Freitag der Prozess um einen groß angelegten „Schenkkreis“ in der Weststeiermark zu Ende gegangen. Die fünf Angeklagten wurden zwar alle für schuldig befunden, allerdings nur in Bezug auf das Betreiben eines Pyramidenspiels. Vom Vorwurf des Betrugs wurden alle freigesprochen. Die bedingten Haftstrafen betragen vier bis sechs Monate. Die Beschuldigten nahmen - äußerst erleichtert - sofort an, der Staatsanwalt kündigte Berufung an. Das Urteil ist daher nicht rechtskräftig.

Der Schöffensenat folgte nicht den Forderungen des Staatsanwalts, der für eine Verurteilung in beiden Hauptpunkten - Pyramidenspiel und Betrug - plädiert hatte. Nach etwas mehr als zweistündiger Beratung stand fest, dass nur das Betreiben des „Schenkkreises“ bestraft werden würde.

Der Prozess hatte vor genau vier Monaten, am 1. Oktober 2018, begonnen. Es ging um ein Pyramidenspiel, das sich von 2006 bis 2008 vor allem über Verwandte im Raum Voitsberg verbreitet hatte. Die Mitspieler zahlten 5.000 oder 10.000 Euro ein und sollten mit 40.000 bzw. 80.000 Euro beschenkt werden. Die Auszahlung der Gewinne erfolgte in Deutschland, da dort Pyramidenspiele nicht strafbar sind.

Die Angeklagten hatten alle nicht nur ihre Einsätze wiederbekommen, sondern durchwegs Gewinne gemacht, einige sogar über 100.000 Euro. Anders erging es zahlreichen anderen Mitspielern, die zum Teil große Geldsummen verloren hatten, obwohl ihnen laut Anklage zugesichert worden war, sie könnten jederzeit ohne Verlust aussteigen.

Nur fünf Angeklagte blieben übrig
Schon bald dezimierte sich die Zahl der Beschuldigten, zehn Angeklagten kamen mit einer Diversion davon, einer wurde freigesprochen. Über 200 Zeugen wurden gehört, meistens waren es Geschädigte, bei denen der Ärger angesichts der Beschuldigten wieder so richtig hochkam. Einige mussten im Laufe der Befragung aber eingestehen, dass sie zwar bei einer Spielrunde Geld verloren, bei einer anderen dafür wesentlich mehr gewonnen hatten.

Vor den Schlussplädoyers legten einige der Beschuldigten noch Teilgeständnisse ab. Richter Andreas Rom fragte eine der Angeklagten: „Haben Sie Beweismittel auf die Seite geräumt? Irgendetwas angezündet?“ Das verneinte die Frau mit Nachdruck.

Weitere Anklagen stehen bevor
„Die fünf Angeklagten gehörten zu den Hauptakteuren des Pyramidenspiels“, war Staatsanwalt Hansjörg Bacher überzeugt. Er betonte in seinem Schlussplädoyer, dass die reine Teilnahme nicht strafbar sei, wohl aber die Verbreitung. „Von Pyramidenspielen geht eine Gemeingefährdung aus, die Gewinnerwartung ist unrealistisch.“ Er rechnete erneut vor, dass bereits in der 33. Runde acht Milliarden Menschen nötig wären, damit noch Gewinne ausbezahlt werden könnten. „Unterm Strich wenige Gewinner, sehr sehr viele Verlierer“, brachte es Bacher auf den Punkt und kündigte gleich an: „Weitere Anklagen stehen unmittelbar bevor.“

Der Verteidiger gab zu bedenken, der Erstangeklagte sei erst zehn Jahre nach den Vorfällen befragt worden, da seien Erinnerungslücken verständlich. Sein Mandant sei zum Vorwurf Pyramidenspiel geständig, aber „er hat nie jemanden betrogen und nie jemanden getäuscht.“

 krone.at
krone.at

Kommentare

Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Aktuelle Schlagzeilen
Schwergewichtsboxer
BMW R18: Dagegen ist Mike Tyson schwächlich
Video Show Auto
„Einsatz zulässig“
Ibiza-Video: Wiener Anwalt gesteht Mitwirkung
Österreich
Schrecklicher Unfall
Todes-Drama um Rallye-Piloten (48) in Sachsen!
Motorsport
Neue Zweite Liga
Wattens legt im Titelkampf mit knappem Sieg vor
Fußball National
Attacken gegen Kanzler
Alles Ibiza beim EU-Wahlkampf-Finale der Parteien
Österreich
Lenker schwer verletzt
Lastwagen kracht auf der A2 in Betonleitwand
Österreich
Deutsches Pokal-Finale
Bayern wollen Leipzigs Angriff im DFB-Cup abwehren
Fußball International
Steiermark Wetter
11° / 23°
einzelne Regenschauer
10° / 22°
wolkig
10° / 23°
einzelne Regenschauer
10° / 23°
heiter
8° / 21°
einzelne Regenschauer

Newsletter