26.01.2019 08:00 |

Kritische Stimmen

Fernpass: Löst Maut das Verkehrsproblem?

Dauerbrenner Fernpass! Die staureiche B179 ist gefühlter „Fixstarter“ in den Verkehrsnachrichten und erlangte dadurch österreichweite Bekanntheit. Seit Jahren, ja Jahrzehnten, wird um Lösungen gerungen. Doch die Blechlawine rollt munter weiter. Nun wird eine Mauteinführung geprüft - viele sehen das kritisch.

Die Situation gleicht die eines Trichters. Von der deutschen Autobahn A7 rollen vor allem in den Hauptreisezeiten - Sommer wie Winter - gewaltige Blechlawinen auf das Außerfern zu. Ab dem Grenztunnel Füssen und in Folge über die gesamte Fernpassroute geht es dann nur noch zweispurig weiter. In die umgekehrte Richtung ist es nicht viel anders. Staus sind vorprogrammiert und für die leidgeprüfte Bevölkerung leider stets Realität. Das beweisen auch die Zahlen: Im Schnitt passieren pro Tag 17.000 Fahrzeuge die Fernpassstrecke. An Spitzentagen sind es sogar mehr als 30.000!

Von der Ampel bis hin zum Tunnel
Aber wie kann das Verkehrsproblem ein für allemal gelöst werden? Ideen gab und gibt es viele - von kleineren Maßnahmen wie Ampeldosieranlagen, die bereits umgesetzt worden sind, bis hin zu Großprojekten (Scheiteltunnel scheint auf Schiene). Zuletzt kam auch die Diskussion rund um die Einführung einer Fernpass-Maut dazu. Eine solche wird derzeit vom Land geprüft (siehe Interview unten) und sorgt - wie bei vielen Vorschlägen zuvor - für hitzige Debatten.

„Wirtschaftsstandort würde belastet werden“
„Eine Maut ist sehr kritisch zu sehen. Der Wirtschaftsstandort würde dadurch massiv belastet werden, die Stau- und Verkehrsreduktion trotz allem weiterhin fraglich bleiben“, erklärt der Reuttener WK-Bezirksobmann Christian Strigl. Die Belieferung des Außerferns sei vom Lkw-Verkehr abhängig und eine Bemautung würde die Preise für alle Güter in die Höhe treiben - „was letztlich die Bevölkerung tragen müsste.“

„Maut ist keine Lösung“
Keine Freude mit den Plänen hat auch Reuttes Bürgermeister Alois Oberer: „Die Maut ist keine Lösung. Der Verkehr, der von beiden Seiten über Autobahnen auf uns zukommt, muss sich der Kapazität der B179 anpassen und nicht umgekehrt.“ Oberer fordert eine Neufassung des 7,5-Tonnen-Lkw-Fahrverbotes, täglich unangemeldete Kontrollen und ein vollautomatisches Dosiersystem in Zusammenarbeit mit den bayerischen Behörden.

Tunnels: Pro und Contra
Josef Falkner, Präsident der Tiroler Tourismusvereinigung, spricht sich weiter für die große Gartnerwandtunnel-Lösung aus. Zudem sei der Tschirganttunnel unverzichtbar. Eine Finanzierung sei über eine entsprechende Bemautung machbar.

Von Tunnel-Lösungen hält Fritz Gurgiser vom Transitforum Austria bekanntlich gar nichts. „Das Stauproblem wird dadurch nur verschoben. Eine Entlastung kann letztlich nur durch eine Verkehrsreduktion erfolgen.“

Verkehrs-Landesrätin Felipe: „Eine Maut sollte Verkehr reduzieren“
Verkehrs-Landesrätin Ingrid Felipe von den Grünen spricht im „Krone“-Interview über die Maut-Pläne, mögliche Ausnahmen und über die Kostenwahrheit auf der Straße.

Frau Landeshauptmann-Stellvertreterin, wie ist der aktuelle Stand hinsichtlich der Maut-Pläne auf der staureichen Fernpassroute?
Derzeit sind die zuständigen Fachabteilungen bei der vorbereitenden Recherche und Ausarbeitung von Vorschlägen. Dabei gilt es auf die zahlreichen unterschiedlichen Ebenen der Diskussion, wie zum Beispiel Verkehrslenkungseffekte, Einnahmevolumen, Verwendungsmöglichkeiten und Ausnahmebestimmungen, zu blicken.

Wie stehen Sie als Verkehrs-Landesrätin den Plänen gegenüber. Würde eine Maut Ihrer Meinung nach tatsächlich eine Verkehrsberuhigung zur Folge haben?
Eine Maut sollte immer verkehrslenkende und auch verkehrsberuhigende Wirkungen erzielen. Die weiteren Folgen, wie die Auswirkungen auf mögliche Ausweichstrecken, sollten dabei aber auch nicht außer Acht gelassen werden.

Im Fall einer Realisierung: Wäre dann die Außerferner Bevölkerung von der Maut befreit?
Das ist so geplant. Wie eine solche rechtliche Regelung und die Möglichkeiten der tatsächlichen Umsetzung letztendlich ausschauen könnten, wird noch zu prüfen sein.

Würden die Preise für die Güter, die über den Fernpass geliefert werden (wie teils befürchtet), steigen?
Die Kostenwahrheit auf der Straße ist der wesentlichste und effektivste Hebel zur Vermeidung von Transit und Verkehrsbelastung. Pauschale Kostensteigerungen sind nicht zu erwarten. Die Kaufpreise steigen und sinken ja auch nicht mit den tagtäglich schwankenden Treibstoffpreisen. Welchen geringen Anteil die Transportkosten an den Gesamtkosten von Waren haben, sehen wir ja seit Jahren bei den großen Online-Versandanbietern, die Waren quasi zum Null-Tarif durch ganz Europa und oft auch wieder retour kutschieren.

Wären durch die Maut-Einführung negative Folgen für den Tourismus zu befürchtenImmerhin reisen ja die meisten Urlaubsgäste mit dem eigenen Auto an.
Nein, ganz im Gegenteil. Ich denke, dass sich viele Gäste über eine Verkehrsreduktion freuen würden. Daher glaube ich, wirken sich die angedachten Maßnahmen auch positiv auf den Tourismus aus.

Wie wird die Maut argumentiert und wohin sollen die Einnahmen fließen?
Die konkrete Argumentation ist auch noch in Ausarbeitung. Durch die Einnahmen sollten aber jedenfalls infrastrukturelle Maßnahmen auf der Straße und Schiene geplant und umgesetzt werden.

Hubert Rauth
Hubert Rauth
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