24.01.2019 10:41 |

Österreich-Premiere

Die „Straße der Ameisen“ im Schauspielhaus

Eine Schneeflocke in La Habana wird zum düsteren Omen, Wünsche werden wahr und am Ende zum Verhängnis: Man wartete und sehnte mit den Protagonisten am Mittwochabend im Schauspielhaus Salzburg bei der Österreichischen Erstaufführung von Roland Schimmelpfennigs „Straße der Ameisen“.

Außer Couch und Fernseher hat Ausstatterin Andrea Kuprian den Darstellern nicht viel gegeben. Aber es gibt tatsächlich auch nicht viel in La Habana, dem Ort, an dem Großmutter, Mutter, Tochter und deren Freund auf ein Paket warten, das vor 42 Jahren an den Großvater geschickt wurde. So wird gewartet, auf das Paket, aber vor allem auf die tägliche Serie. Ein beschauliches Leben, bis eine Schneeflocke vom Himmel fällt.

Roland Schimmelpfennig gehört momentan zu den meistgespielten deutschsprachigen Gegenwartsdramatikern. Seine Dramatik und Figuren sind schlicht und auf das Wesentliche reduziert, fernab des großen Spektakeltheaters, weshalb das Studio des Salzburger Schauspielhauses auch zum idealen Aufführungsort avanciert. An Theater ist nicht unbedingt zu denken, „Die Straße der Ameisen“ ist viel mehr ein Bericht über das Scheitern.

Regisseurin Irmgard Lübke kann sich auf gut gewählte Berichterstatter verlassen. Kristina Kahlert ist die gelangweilte Tochter, die es als Erste wagt, sich der Gegenstände aus dem Paket anzunehmen, das nach 42 Jahren endlich seinen Weg an den Adressaten findet. Wertlos scheint die Perücke, die sie aufsetzt und für einen der wenigen erheiternden Momente abseits der täglichen Serie sorgt. Doch die Gegenstände entfalten magische Kräfte, an denen Susanne Wende und Ute Kamm als sensationshungriges Mutter-Tochter-Gespann fast vergehen. Lukas Bischof wird zum Poeten und vergisst zuerst seine Freundin, dann seine Intention und irgendwann sich selbst.

Wehe, wenn sich Wünsche erfüllen. Was Schimmelpfennig zuerst wie die Kritik an einer dauergelangweilten Gesellschaft beginnen lässt, wird schnell zum Alptraum darüber, was es bedeuten kann, einen Wunsch erfüllt zu bekommen. Nicht ohne eine gewisse Grundkomik, für die Irmgard Lübke stets ein passendes Wirkungsplätzchen findet. Nach gut einer Stunde nimmt die Tochter die Perücke wieder ab, zieht die Reißleine und befördert sich und ihre Familie zurück in den gewohnten Alltag. Die nächste Folge der Serie wartet schon. Nochmal alles gut gegangen. Fand auch das Publikum und applaudierte laut und lange.

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