So, 20. Jänner 2019

„Krone“ vor Ort

11.01.2019 20:08

Rettung aus der Luft: Die kleine Laura strahlte

Fast hatten die Bewohner der Obersteiermark schon vergessen, dass der Himmel blau ist. Doch am Freitag, das große Aufatmen: Wie vorhergesagt, stiegen die Wolken immer höher und rissen vielfach auf. Endlich war er da, der lang ersehnte Großkampftag am Fliegerhorst in Aigen. Die „Steirerkrone“ war vor Ort.

In aller Früh knatterten die Hubschrauber los – und bis zur Abenddämmerung wurde keine Sekunde verschwendet. Stück für Stück wurde die schier endlose Liste der Flüge, die für Aufklärung, Lawinensprengungen, Evakuierung und Verpflegung eingeschlossener Orte nötig waren, abgearbeitet.

Sprengungen lösten nur wenige Lawinen aus
Und es war eine zwiespältige Bilanz, die Fliegerstaffel-Kommandant Udo Koller am Abend im Kreise der erschöpften Kameraden in Aigen zog: 34 Flüge mit rund 21 Stunden Flugzeit hatten die Alouette III von Aigen aus unternommen. Dabei wurden zwei Dutzend Sprengungen gemacht, von denen allerdings nur drei nennenswerte Lawinenabgänge auslösten.

Der Schnee habe sich recht gut gesetzt, berichteten am Abend mehrere Piloten am Fliegerhorst. 17 Mal wurden Menschen mit Seilwinden im Gelände abgesetzt, etwa um die Sprenganlagen am Loser wieder aufzufüllen. Dies gelang mit dem letzten Versuch am Abend. Somit ist auch für die evakuierten Ortsteile von Altaussee Rettung in Sicht.

Bereits am Freitagvormittag schnupperten die Menschen in Hohentauern wieder Freiheit: Dank erfolgreicher Sprengungen wurde die Straße nach Trieben nach fast einer Woche wieder freigegeben.

Auch die Bodentruppen standen am Freitag mit 120 Mann im Einsatz. Ihre Hauptaufgaben: Dächer und Verkehrswege freischaufeln, Personensuche nach Lawinen. Weitere 2600 Mann können jederzeit hinzugezogen werden, berichteten die Heeres-Einsatzleiter, die dem Fliegerhorst Aigen zusammen mit Minister Mario Kunasek einen Besuch abstatteten.

Der durfte am Nachmittag einer rührenden Szene beiwohnen: Die neunjährige Laura Ruschitzka aus Admont, die auf Besuch bei ihrer Oma in Radmer eingeschneit worden war und nach Tagen furchtbares Heimweh bekommen hatte, konnte am Rückweg von einem der Versorgungsflüge ausgeflogen werden. In Aigen sank sie ihrer erleichterten Mama Jenny strahlend in die Arme.

Angst habe sie keine gehabt, so die kleine Laura, die ganz im Gegenteil die herrliche Aussicht vom Hubschrauber genoss...

Lagebesprechung mit den Bürgermeistern
„Hätten wir einen Beweis gebraucht, wie wichtig der Standort in Aigen ist, jetzt ist er da“, spricht Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer den Militärs aus der Seele. Er hat sich nach Irdning begeben, um mit allen betroffenen Bürgermeistern die Lage zu besprechen.

Unterstützung aus Katastrophenfonds
Landesrat Hans Seitinger erläutert, dass auch der Katastrophenfonds einspringt: „Bei Gebäuden werden 50 Prozent der Schäden übernommen, bei Infrastruktur 30.“ Das gelte auch für den Verdienstentgang der eingeschlossenen Bauern, die ihre Produkte nicht loswerden.

Schickhofer stolz auf die Abwicklung
Ein Situationsbild aus der Luft verschaffte sich Landeshauptmann-Stellvertreter Michael Schickhofer: „Ich bin sehr stolz darauf, wie professionell wir diese Einsätze abwickeln konnten, um wieder für Sicherheit für die Steirer sowie unserer Gäste sorgen zu können.“

Kameraden helfen ihren Kameraden
Rund 160 Feuerwehrleute aus den Feuerwehrbereichen Knittelfeld, Voitsberg, Deutschlandsberg und Graz-Umgebung wurden in den KHD-Einsatz gerufen. Sie unterstützen die regionalen Einsatzkräfte im Bezirk Liezen beim Entfernen von Schneelasten auf Dächern.

5000 Lkw-Stunden für das Asfinag-Personal
5000 Lkw-Stunden spulte die Asfinag seit Jahresbeginn auf den Autobahnen und Schnellstraßen herunter, das sind sechsmal so viele wie in anderen Jahren. Verbraucht wurden bisher 4000 Tonnen Salz und eine Million Liter Sole. 140.000 Kilometer wurden zurückgelegt.

Ein Konvoi für die letzten Touristen
Auf der Planneralm seien schon neun Lawinen abgegangen, sagt der Ortschef von Irdning-Donnersbachtal, Herbert Gugganig. Und: „Wir haben einen Konvoi organisiert, der die letzten zehn Touristen aus dem Tal bringt.“ 60 Einheimische verbleiben noch vor Ort.

Grimming legte Haube erst am Abend ab: B 320 bleibt gesperrt
Nur ein paar Minuten zu spät kamen die Lawinenkommissäre am Grimming, der erst in der Abenddämmerung seine Wolkenhaube ablegte. „Das Licht war einfach schon zu diffus, um noch gezielte Sprengladungen abzuwerfen“, berichtete Bordtechniker Michael Zepf. Immerhin gab es Einblicke in die Schneelage am Berg: Hoch oben seien die Schneemengen extrem; weiter unten sei durchaus noch Platz, um eventuelle Lawinen aufzunehmen, so Lawinenkommissar Harald Hosner. Dennoch: Die B 320 zwischen Trautenfels und Espang bleibt bis auf Weiteres gesperrt.

Erneuter Schneefall
Freitagabend begann es dann schon wieder im Ennstal zu schneien. Die Hubschrauber-Piloten hoffen dennoch auf Zeitfenster am Samstag, um weitere Versorgungsflüge durchführen zu können.

Matthias Wagner
Matthias Wagner
Alexander Petritsch
Alexander Petritsch

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