04.01.2019 15:00 |

Sie wirken gegen Böses

Die Perchten ziehen in manchen Orten Tirols umher!

Geheimnisvolle Gestalten ziehen am Abend vor dem Dreikönigstag in manchen Tiroler Orten umher. Die Perchten stehen für ein gutes neues Jahr, wirken gegen Böses.

Das Gewand ist hergerichtet, die Vorfreude groß. Schneegestöber und Minusgrade dürften die Perchten morgen begleiten. Das macht den alten Brauch aber noch mystischer.

Im Zillertal, etwa ab Aschau taleinwärts, sind es schon tagsüber die Kinder, die in alten Kleidern und mit ihren Larven als Binggalperchten (wegen des Sammelkorbes) oder als Krapfnperchten von Haustür zu Haustür marschieren. Die Dämmerung und der Abend gehören dann den Erwachsenen (auch Schnapsperchten genannt). Um sich nicht zu offenbaren, werden die Masken nicht abgenommen.

„Früher war das Perchtengehen eine Art des Bettelns für ärmere Leute“, hat Autor Hans Moser für sein Buch „Toan ma decht Tirolerisch“ recherchiert. In dem Werk erklärt er penibel 157 Tiroler Rituale. Heutzutage kommt im Zillertal auch die Gaudi nicht zu kurz - und für ein Schnapserl wünschen die Perchten - oft mit verstellter Stimme - „A glickselig’s nois Jahr“.

Brauch lebt auch ohne offizielle Organisation
Auch im Nachbartal, aber nur im Ort Alpbach, sind in der dritten Rauhnacht die Perchten (eigentlich „Perchteln“ genannt) unterwegs. Sie sind stumm, als Kopfbedeckung dient meist ein Hut, an dem jede Menge Hanf (Flachs) befestigt ist. Manchmal tragen sie ein Dirndl, fast immer einen Schurz. Wenn eine Gruppe („Pass“) ein Haus betritt, wird mit dem Besen das Böse ausgekehrt. Niemand organisiert dieses Brauchtum, doch es lebt trotzdem weiter.

Weiße Gestalten segnen Häuser in Angerberg
In Angerberg gehen morgen Dreiergruppen in weißen Gewändern und Holzmasken umher. Diese Perchten sind mit einer kleinen Glocke sowie Weihwasser und einem Pfännchen Weihrauch ausgerüstet. Damit segnen sie die Häuser. Auch hier wird nicht gesprochen, um auf keinen Fall die Identität zu verraten. Auf Fragen wird fallweise mit Block und Bleistift geantwortet. Der Brauch hat eine 100 Jahre alte Geschichte, wie auch anderswo lebt die Faszination bis heute.

Andreas Moser
Andreas Moser
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