Fr, 22. Februar 2019
16.11.2018 07:10

Matthias Hartmann:

"Ich bin nicht der Sündenbock

Der Ex-Burg-Chef macht sich nach dem Vergleich mit dem Burgtheater Luft: „Hätte man die Causa mit Bedacht, Gewissen und Verantwortung aufgeklärt, wäre man dabei möglicherweise auf sehr unbequeme Dinge gestoßen!“ Auf was er anspielt, und warum er dennoch niemanden was unterstellt

Herr Hartmann, nachdem alle Vorwürfe gegen Sie in der Burgtheater-Causa bereits letztes Jahr entkräftet wurden und jüngst auch das Finanzstrafverfahren wegen Abgabenhinterziehung eingestellt wurde, haben Sie sich nun mit dem Burgtheater auf einen Vergleich geeinigt. Wie geht es Ihnen jetzt?

Ich bin gespalten, weil es völlig sinnlos war. Ich wusste, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis man zu diesem Ergebnis kommt. Allerdings wirkt es für mich absurd, dass man für die Prüfung des pünktlichen Einlangens der Selbstanzeige viereinhalb Jahre gebraucht hat. Diese Selbstanzeige von 2014 aller Burgtheater-Geschäftsführer war letztlich auch der Grund für die Einstellung des Verfahrens. Das erinnert mich an Kafka - absurd.

Von wem wurde diese Selbstanzeige eingebracht?

Von allen, Bachler, Drozda, Königstorfer, der Buchhaltung und auch von mir, obwohl ich in keinster Weise für Steuerabgaben zuständig war. Alle mussten wir unterschreiben, weil es anscheinend üblich war, dass am Burgtheater geschludert wurde.

Beim Vergleich wurde Ihre fristlose Entlassung von 2014 durch den damaligen Kulturminister Josef Ostermayer in eine einvernehmliche Auflösung des Dienstverhältnis umgewandelt. Von der Manager-Haftpflichtversicherung der Bundestheater und des Burgtheaters werden Ihnen für den Verdienstentgang 355.000 € überweisen. Und ab 2028 haben Sie einen Pensionsanspruch von 150.000 Euro?

Über Details des Vergleichs spreche ich nicht. Wie diese Zahlen an die Medien geraten sind, ist auch ein Mysterium dieses Falles. Alle Beteiligten haben gelobt, Stillschweigen zu bewahren, und ich halte mich daran. Ich habe mich auch schon gefragt, ob mich damit jemand provozieren möchte, die Zahlen zu korrigieren und letztlich die Stillschweigevereinbarung zu brechen.

Wer? Es kann ja nur jemand gewesen sein, der involviert ist. Glauben Sie es kommt von Seiten der Burg?

Nachdem die Zahlen falsch sind, kann es jeder gewesen sein. Die Burg war nie mein Feind. Ich habe gerne dort gearbeitet, insofern sehe ich keinen Grund, dass ausgerechnet die Burg die Zahlen veröffentlicht hat. Der Minister (Anm: Josef Ostermayer) hat mich gefeuert. Was kann die Burg dafür, dass er es auf ihrem Rücken austrägt? Die Burg war

nie mein FeindAllerdings hätte der derzeitige kaufmännische Geschäftsführer Thomas Königstorfer dafür sorgen können, dass die Causa rascher aufgeklärt wird. Er hat ja auch noch in einer Pressekonferenz kurz vor meiner Entlassung bestätigt, dass alle Schulden bereits vor meinem Amtsantritt vorhanden waren. Ich verstehe nicht, warum die Staatsanwaltschaft nur gegen mich, obwohl auch alle anderen eine Selbstanzeige gemacht haben, ermittelt hat.

Die ehemalige kaufmännische Geschäftsführerin Silvia Stantejsky wurde ohnehin wegen Untreue und Bilanzfälschung angeklagt, und bleibt jetzt, nachdem auch dem früheren Aufsichtsrat-Chef Georg Springer strafrechtlich nichts nachgewiesen werden konnte, als alleinige Schuldige übrig.

Na ja, da kommt man nicht drum herum, die Frau gibt ihre Verfehlungen ja zu. Ob allerdings die wachsame Öffentlichkeit, das so gelten lässt, wird sich zeigen.

Ist Frau Stantejsky ein Bauernopfer? Oder sehen Sie sich als „Sündenbock“, nachdem Sie betonen, dass nur gegen Sie ermittelt wurde?

Ich glaube, dass es für den damaligen Minister opportun war, wie er gehandelt hat. Er wird natürlich behaupten, dass er es nicht besser gewusst habe. Ich finde es fahrlässig.

Doch der „Sündenbock“?

Ich finde es unsexy, von mir selbst als Sündenbock zu sprechen. Vielmehr glaube ich, dass ich das Ventil war für eine Geschichte, die möglicherweise die gesamte Kulturpolitik und deren politischen Entscheidungsträger in eine tatsächliche Krise gestürzt hätte. Das Ventil für eine bodenlose GeschichteWenn damals alle Zusammenhänge, die zu diesen Problemen geführt haben, schonungslos transparent gemacht worden wären, dann wären nicht nur der damals amtierende Minister, sondern auch seine Vorgänger thematisiert worden. Wenn man diese gesamte Baustelle aufgerissen und nicht nur schnell nach einem Ventil gesucht hätte, wie es der damalige Minister gemacht hat, um sich selbst zu profilieren, hätte das wohl mehr zum Vorschein gebracht. Es war im ersten Affekt ein schnelles, wohlkalkuliertes Tun eines Politprofis und Krisenmanagers, der versteht, wie man Krisen aus dem Weg räumt. Mit Bedacht, Gewissen und Verantwortung hätte man diese Sache schonungslos aufgeblättert. Möglicherweise wäre man dabei auf sehr unbequeme Dinge gestoßen.

Warum hat Sie der Minister abberufen?

Nachdem ich mit einem externen Wirtschaftsprüfer bereits 2013 dabei war, die Causa aufzuklären, musste man schnell reagieren, und hat mich, bevor ich das System zum Explodieren bringen konnte, entsorgt.

Auf der Internetplattform „Addendum“ weisen Sie in einem Interview auf erhebliche Fehler bereits bei der Ausgründung 1999 hin. Sie sagen, dass unter dem ehemaligen kaufmännischen Direktor Thomas Drozda (1998 bis 2008) und seiner damaligen Assistentin Silvia Stantejsky, getrickst und Bilanzen gefälscht wurden.

Ich beschuldige niemanden. Es gibt ein Geständnis von Stantejsky bzgl. der Bilanzfälschung und eine Selbstanzeige von Herrn Drozda bzgl. Steuerhinterziehung. Ich sage auch nicht, dass Herr Drozda nachts bei Kerzenschein an der Bilanz herumgeschraubt hat, sondern dass die Bilanzen falsch waren, weil die Steuern nicht richtig entrichtet wurden.

Herr Drozda spricht von „tatsachenwidrigen und rufschädigenden Behauptungen“ und will klagen.

Mittlerweile hat sich mein Rechtsanwalt Peter Vogl eingeschaltet, der alle meine Aussagen prüft, und diese für korrekt befindet.

Sie stehen zu Ihren Aussagen im besagten Interview?

Ich habe gehört, dass sich Herr Drozda an meiner Formulierung ,gefälschte Bilanzen’ stößt und nicht mehr an der Tatsache, dass sie falsch sind. Das ist neu, denn bisher waren sie immer richtig. Jetzt sind sie ja falsch, aber nicht gefälscht. Mit Formulierungen brauchen wir uns nicht aufzuhalten

Wie gesagt, ich unterstelle Herrn Drozda nicht, dass er die Bilanzen gefälscht hat, aber dass sie unter ihm falsch waren, das ist Fakt. Brisant daran ist ja auch, dass ich gefeuert wurde, weil ich als künstlerischer Leiter meine kaufmännische GF nicht überwacht habe. Drozda, dessen Aufgabe es als kaufmännischer Direktor aber gewesen wäre, Stantejsky genau auf die Finger zu schauen, wurde für die Verletzung der Aufsichtspflicht in keinster Weise belangt. Ob er das wissentlich oder unwissentlich gemacht hat, das ist die Frage. Wobei ich ihm nichts unterstelle.

Tina Laske
Tina Laske

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