12.11.2018 09:39 |

OLG wandelte Urteil um

Mysteriöser Todesfall: Geldstrafe statt Gefängnis

Der späte Abend des 31. Mai 2017: Sylvia W.  (52) liegt tot in einer Wiese im Seekirchner Ortsteil Mödlham. Irrtümlich aber fahrlässig von einem Taxilenker überfahren, das stellten die Gerichte fest. Der Verurteilte sieht sich aber unschuldig . . .

„Ich kann mit dem Tod nicht leben, weil ich es nicht war“, sagt der verurteilte Taxler (57). Das Landesgericht Salzburg sprach ihn schuldig, zehn Monate teilbedingte Haft - drei Monate hätte er absitzen müssen.

Muss er nun nicht mehr: Weil das Oberlandesgericht Linz bei der Berufungsverhandlung das Urteil drastisch umwandelte. Übrig blieb „nur“ eine fahrlässige Tötung. Aus der Gefängnis- wurde eine Geldstrafe: 1080 Euro, selbst davon musste der Taxler nur ein Fünftel unbedingt zahlen. 210 Euro.

Trotz rechtskräftigem Abschluss hegt Verteidiger Michael Langhofer Zweifel.

Anwalt stellte Fall mit Puppe und Schwein nach

Laut Erstgericht wurde Sylvia W. überrollt, als sie in jener Nacht im etwa 40 Zentimeter hohen Gras lag. Die Mutter des Opfers bat damals den befreundeten Taxler, gemeinsam nach W. zu suchen. Da soll es passiert sein - obwohl weder dem Lenker noch der Mutter ein Hindernis auffiel. Gefunden wurde der leblose Körper später: vom Lebensgefährten des Opfers, einem deutschen Sportmediziner.

Der Kfz-Sachverständige verwies auf Reifenspuren, die sich mit der Todesursache - stumpfes Brustkorbtrauma - und dem Verletzungsbild decken. So stimmte das Reifenprofil überein. „Es geht sich aber nicht aus“, meint Langhofer. Er machte selbst den Test mit einer Frau ähnlicher Statur, einer Schaufensterpuppe sowie einem Schwein. Sein Fazit: Die Frontschürze hätte das Gesicht getroffen. Ein Überfahren wäre nicht möglich gewesen, so der Anwalt. Bemerkenswert ist auch, dass die Kriminologin in „keiner Weise“ das Überfahren nachvollziehen konnte. Auch ein Augenzeuge soll nicht mehr befragt worden sein.

Mysteriös sind auch die Umstände:  Vor dem tragischen Tod stritt W. mit ihrem Lebensgefährten, mit dem sie gemeinsam ein Einfamilienhaus bewohnte. Die 1-Million-Liegenschaft war ein Jahr vor dem Todesfall das Geschenk eines wohlhabenden Salzburgers. Zufall? Nur eine von mehreren Fragen, die nie gelöst werden.

Antonio Lovric
Antonio Lovric
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