"Das ist Horror pur"

Grazer Trafikantin nach vier Überfällen umgezogen

Steiermark
15.01.2010 16:29
Ihr Job zählt leider mittlerweile zu den gefährlichsten: Trafikanten werden immer öfter Opfer von Überfällen und Einbrüchen. Margit Schwarz (Bild) aus Graz kann ein Lied davon singen. Ihr Kiosk im Norden der Landeshauptstadt wurde in den vergangenen Jahren viermal überfallen, unfassbare 14-mal wurde in ihr Geschäft eingebrochen. "Steirerkrone"-Redakteur Gerald Schwaiger hat sie ihre Geschichte erzählt.

"Krone": Frau Schwarz, Sie sind jene Trafikantin, die in der Steiermark am öftesten Opfer eines Verbrechens wurde. Was genau ist passiert?
Margit Schwarz: 20 Jahre lang hatte ich einen Kiosk im Norden von Graz. Zehn Jahre lang war alles bestens, und dann ist's plötzlich losgegangen. Viermal haben Verbrecher meinen Laden brutal überfallen, einmal wurde eine Mitarbeiterin mit dem Messer bedroht und anschließend mit einem Schlag auf den Kopf schwerstens verletzt. Außerdem wurde bei mir schon 14-mal eingebrochen! Das ist Horror pur, so etwas sollte man nicht einmal seinem ärgsten Feind wünschen!

"Krone": Hat man die Täter je gefasst?
Schwarz: Zwei hat man gefasst, zwei leider nicht. Denen ging's ja nur um Zigaretten und ums Geld. Ein Räuber wollte seine Drogensucht, ein anderer seine Spielsucht finanzieren. Und das auf meine Kosten!

"Krone": Wie haben Sie auf die vielen Gewalttaten reagiert?
Schwarz: Wir waren alle schon völlig verunsichert, es war einfach fürchterlich. Eine Mitarbeiterin hatte einen Nervenzusammenbruch, und ich bekam bei jedem Telefonanruf ein mulmiges Gefühl: 'Was ist schon wieder passiert?' Dazu kamen Existenzängste: Was soll ich machen, wenn ich deshalb meinen Job an den Nagel hängen muss? Mir war dann nur eines klar: So kann's nicht weitergehen!

"Krone": Welche Konsequenzen haben Sie gezogen?
Schwarz: Ich habe den Kiosk aufgegeben. Er war ein zu leichtes Ziel für Räuber und Einbrecher, von außen schwer einsehbar und mit schnellem Fluchtweg zur Mur. Jetzt habe ich mir einen neuen Standort gesucht, wo ich mich sicherer fühle. Allerdings ist es schon so, dass man misstrauischer und vorsichtiger wird. Wenn jemand mit Kapuze auftaucht, sind wieder die Ängste da.

"Krone": Wie schützen Sie sich jetzt?
Schwarz: Zur Sicherheit sind jetzt immer mindestens zwei Verkäufer im Laden, außerdem habe ich noch mehr Videokameras installieren lassen. Mein Hund ist schon zum richtigen Wachhund geworden, und eine Mitarbeiterin hat einen Selbstverteidigungskurs absolviert. Denn wer's bei uns Trafikanten probiert, der muss wissen: Er kann mit Gegenwehr rechnen!

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