Opfer zu Tode gequält

Krimi in Pflegeheim: Neun weitere Graböffnungen

Der Pflegeskandal von Kirchstetten weitet sich aus: In den sterblichen Überresten zweier Opfer wurden Rückstände gefährlicher Substanzen gefunden. Wie viele Heimbewohner wurden noch zu Tode gequält?

Im vergangenen November waren die Leichen der beiden exhumiert worden. In ihren sterblichen Überresten fanden sich Rückstände eines starken Entwässerungsmittels - eines Medikaments, das die zwei Patienten wegen ihres ohnehin angeschlagenen Zustands gar nicht zu sich nehmen hätten dürfen.

Falsches Medikament in kleinen Dosen verabreicht
Fünf Pflegekräfte des Heims - ein Mann (er rühmte sich als „Enkel“ der einstigen Lainzer Todesschwester Waltraud) und vier Frauen - sollen es ihnen verabreicht haben. „Immer wieder, in kleinen Dosen“, wie Leopold Bien von der Staatsanwaltschaft St. Pölten sagt. Die Folge: Kaliummangel, Dehydrierung, Verwirrtheit, Durchfälle, Erbrechen, massive Herzrhythmusstörungen. Die betagten Menschen gerieten dadurch in eine Situation, in der sie völlig hilflos wurden und keine Chance hatten, sich gegen die an ihnen begangenen Taten zu wehren - oder sie überhaupt als solche zu begreifen. Am Ende kam es bei ihnen zu „plötzlichen Herzstillständen“.

Sterbliche Überreste analysiert
Aufgrund des Studiums der Heimakten besteht nun der Verdacht, dass weitere neun „unerwartete Sterbefälle“ - geschehen von 2014 bis 2016 - durch die Verabreichung ähnlicher Substanzen verursacht wurden. Die Gräber der Betreffenden werden jetzt geöffnet, die sterblichen Überreste der mutmaßlichen Opfer analysiert. Noch vor Weihnachten dürfte das Ergebnis der Untersuchungen vorliegen. Der Prozess gegen die Beschuldigten könnte dann bereits im kommenden Frühjahr stattfinden.

Neben unerlaubter Pillenabgabe sollen die fünf Pfleger zahlreiche Heimbewohner zudem über zumindest zwei Jahre hindurch mit Besenstielen geschlagen, Alkohol in ihre Wunden geschüttet, sie sexuell gequält oder erniedrigt haben ...

Chronologie eines Skandals

  • Der Fall Kirchstetten nimmt im Herbst 2016 seinen Lauf: Nach Missbrauchsvorwürfen gegen fünf Pfleger im „Haus Clementinum“ startet die Justiz Ermittlungen. Die vier Frauen und ein Mann verlieren ihre Jobs.
  • Im September 2017 wird bekannt, dass zwei der Verdächtigen in Wien weiterhin als Pfleger beschäftigt sind. Haft wegen Tatbegehungsgefahr! Unter strengen Auflagen, keine Senioren mehr zu betreuen, kommen sie wieder auf freien Fuß.
  • Als Konsequenz muss die Leiterin des Wiener Pflegeheims - sie soll von den schweren Vorwürfen gewusst haben - ihren Hut nehmen.
  • Jetzt, ein Jahr nach zwei Exhumierungen, sollen weitere neun Gräber geöffnet und die Leichen von der Gerichtsmedizin nach Medikamentenrückständen untersucht werden.

Martina Prewein, Christoph Budin und Oliver Papacek, Kronen Zeitung

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