Mi, 14. November 2018

Zlatko Junuzovic

19.10.2018 08:00

„Wahnsinn! Das ist sehr beeindruckend!“

Zlatko Junuzovic zieht eine erste Zwischenbilanz: Wie er seinen Start bei Meister Red Bull Salzburg einschätzt, wie gierig er auf seinen ersten Titelgewinn ist:

Zladdi, wie fällt dein erstes Zwischenfazit hier in Salzburg aus?

Im Großen und Ganzen sehr positiv. Das Einzige, was nicht gut war, ist, dass wir die Champions League-Quali nicht geschafft haben. Wenn man sich die Statistik ansieht … wir haben alles gewonnen, nur zwei Unentschieden gegen Roter Stern. Das ist natürlich bitter. Insgesamt ist die Saison bisher aber großartig.

Für dich persönlich auch?

Die Vorbereitung war richtig gut. Danach gab es ein paar Rhythmusstörungen. Die bittere Gelb-Rote gegen Shkendija, dann meine Verletzung in Belgrad mit dem Halbzeitpfiff. Jetzt läuft‘s aber wieder sehr gut. Ich fühle mich fit, bin gut drauf.

Beim CL-Quali-Aus gegen Roter Stern Belgrad warst du verletzungsbedingt Zuseher - wie bist du damit umgegangen?

Das war eine Katastrophe, mit Abstand das Schlimmste! Ich wusste das aber auch vorher schon. Wenn du verletzt bist und nichts beitragen kannst, nicht dabei bist … das habe ich nie gemocht!

Haben sich deine Erwartungen an den Verein erfüllt?

Die Atmosphäre, die in der Kabine herrscht, ist großartig. Die Charaktere sind super, die Jungs sind alle sehr nett und hilfsbereit. So etwas spiegelt sich auf dem Platz wider. Dazu kommt die Qualität. Da muss sich sagen - auch von der Breite her - das habe ich mich gar nicht so vorgestellt. Das ist Wahnsinn! Das Auftreten von uns als Mannschaft ist sehr beeindruckend.

Die Rahmenbedingungen müssen auch keinen Vergleich mit Deutschland scheuen?

Von der Infrastruktur her ist Salzburg generell in Europa vorne dabei. Von der Technologie, auch vom Know how her - das ist Professionalität auf höchster Stufe! Da kann Red Bull Salzburg absolutmit den deutschen Teams mithalten, ganz klar.

Die Bullen verkörpern etwas „Unösterreichisches“ im Fußball, verstecken sich auch gegen internationale Topklubs nicht. Auch für dich ungewöhnlich?

Wir müssen uns nicht kleiner machen, als wir sind. Wir haben Qualität, die Ausbildung ist gut. Es kommen Junge nach, man sieht ja, wie viele Talente wir haben. Wir brauchen uns sicher nicht zu verstecken, haben in jedem Spiel die Chance zu gewinnen. Wir würden aber auch nie sagen, wir hauen ein Team weg. Es ist immer wichtig, fokussiert an eine Aufgabe heranzugehen.

Wie wichtig war die Länderspielpause für dich?

Solche Phasen sind extrem wichtig. Für den Körper, aber auch für den Kopf. Ich schaue mir die Spiele zwar an, aber ich habe diesen Erfolgsdruck nicht.

Welche Ansprüche hast du an dich selbst?

Natürlich will ich ein wichtiger Teil der Mannschaft sein, gute Leistungen bringen. Ich bin hier in den Mannschaftsrat gewählt worden. Verantwortung muss aber jeder übernehmen, alle müssen an einem Strang ziehen.

Du hast viele Trainer erlebt - was unterscheidet Marco Rose von anderen?

Was ihn ausmacht, ist einerseits seine Gelassenheit, auch in großen Momenten entspannt zu wirken, entspannt zu sein. Andererseits findet er in vielen Situationen die richtigen Worte. Die Sprache, die er vermittelt, ist immer verständlich. Da weiß man als Spieler, wie man es anpacken soll.

In der Europa League brachte er dich in Leipzig und gegen Celtic jeweils erst in der Schlussphase. Wie gehst du damit um?

Ich war ja insgesamt oft in der Startelf. Der Trainer hat da aber anders entschieden. Man muss auch immer seine Sicht sehen, er muss auf die ganze Mannschaft schauen. Als Spieler bist du nie zufrieden, wenn du auf der Bank oder Tribüne bist. Ich will immer spielen. Das musste ich aber akzeptieren. Gegen Sturm Graz hatte ich dann aber ein sehr schönes Spiel in „meinem“ Stadion. Wir haben beide Partien gewonnen, daher war es okay.

Kommst du langsam dorthin, wo du dich selbst leistungstechnisch siehst?

Ich denke, dass ich gut unterwegs bin. Es kommt immer auch darauf an, auf welcher Position ich spiele. Ich hatte zuletzt die Zehner-Position, die ich im Nationalteam hatte. Da tue ich mir leichter, da habe ich sehr viele Anspielstationen, gewisse Freiräume, die ich nutzen kann. Die Achter-Position in der Raute, die ich ebenfalls schon gespielt habe, ist anders, sehr komplex. Generell ist die Erwartungshaltung bei mir schon eine etwas andere, das war mir auch bewusst. Man muss aber, wenn man mich von außen bewertet,immer sehen, welche Position ich spiele, welche Aufgaben ich habe. Gegen Hartberg habe ich als Sechser gespielt, da kann man nicht davon ausgehen, dass ich zwei Tore schieße. Ich muss mich da auch anpassen, die Aufgaben, die ich vom Trainer habe, erfüllen. Gegen Austria hatte ich über 70 Prozent gewonnene Zweikämpfe, gegen Rapid auch. Wie gesagt, ich bin gut unterwegs.

Du hast nach dem 2:1-Sieg bei Sturm Kritik geübt, gefordert, dass ihr auch mal einen Gang rausnehmen müsst. Wie kommt das an?

Die Spieler merken es ja auch selbst. Wir müssen nicht immer auf Teufel komm raus nach vorne spielen, können auch mal den Ball laufen lassen. Das war gegen Sturm in den letzten 20 Minuten so. Das ist zwar nicht einfach, aber wir haben diese Qualität .

Kaum zu glauben, aber du bist noch ohne großen Titel - wie groß ist die Gier?

Die Gier ist riesig! Ich will jeden Titel holen, den wir gewinnen können. Gerade national will ich Meister und Cupsieger werden, die Trophäen in die Luft stemmen! Ich bin sehr motiviert. Wir sind auf einem guten Weg, aber die Punkte werden ja irgendwann halbiert. Schade eigentlich (lacht). Wir müssen aber unseren Weg weitergehen, in den Play-offs dort anschließen.

Alles andere als der Titel wäre eine Enttäuschung…

Es ist klar, dass wir ein Statement abgegeben haben, auch wenn einige enge Spiele dabei waren. Und ganz klar, jeder geht davon aus, dass wir Meister werden. Das ist aber nicht selbstverständlich. Wir haben zehn Siege aus zehn Spielen, wollen weiter gewinnen. Ich werde nicht sagen, dass wir sicher Meister werden. Aber wir wollen es! Man sieht ja auch in jedem Spiel, dass wir alle das wollen.

Welche Wunschbilanz würdest du gerne nach deinem ersten Jahr ziehen?

Schwierig zu sagen, da ich das internationale Geschehen noch nicht realistisch einschätzen kann. Wir sind auf einem sehr guten Weg. Die Performance gegen Leipzig, gerade in der ersten Halbzeit, war überragend. Wir wollen das Double, dazu die Gruppe in der Europa League überstehen. Wenn wir gegen Rosenborg gewinnen, wäre das schon richtig stark. Wir können sicher Großes erreichen!

Zunächst steht aber das West-Derby gegen Wacker auf dem Programm. Welche Bedeutung hat es für dich?

Für mich war grad Derby gegen Sturm (lacht). Im Ernst: Ich treffe auf Karl Daxbacher, meinen Trainer bei der Austria. Ich freue mich darauf, ihn wieder zu sehen.

Christoph Nister
Christoph Nister

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