Do, 13. Dezember 2018

Gleinalmtunnel-Brand

06.10.2018 06:30

„Die Druckwelle war brutal“

Relativ entspannt gaben sich viele der Geretteten aus dem Gleinalmtunnel am Freitagabend, als sie ihre Autos wieder in Empfang nehmen konnten. Anderen saß der Schock noch tief in den Knochen. Das Kriseninterventionsteam vom Roten Kreuz half, wo es nötig war.

Betreuungs-Leiter Gernot Hager und sechs weitere Krisen-Helfer kümmerten sich bei der Autobahnmeisterei in Übelbach um 30 Personen. Hager: „Wichtig ist, dass sie sich geschützt fühlen. Dass es Essen und Trinken gibt und Informationen. Die Leute waren froh über die Nachricht, dass ihre Autos unbeschädigt sind. Man muss sagen, wir hatten schon weit ärgere Einsätze. Leider.“

Platzangst im Tunnel - und dann das
Emotional ganz unterschiedlich erlebten Rupert (50) und Gabriele Siegl (47) aus Feldbach die Zeit im Tunnel. Während Rupert sich keine großen Sorgen machte, bekam seine Frau Gabriele Panik: „Ich hab‘ sowieso immer Platzangst im Tunnel, ich fahre da gar nicht gerne durch. Kürzlich erst hab‘ ich zu Rupert gesagt, hoffentlich müssen wir da drinnen nie stehen bleiben. Und dann passiert so etwas.“

Der „Steirerkrone“ schilderte das Paar die dramatischen Minuten: „Wir sind vom Urlaub in St. Wolfgang heimgefahren. Plötzlich war die Ampel rot und alles ist gestanden. Wir wurden angewiesen, den Schlüssel stecken zu lassen. Dann haben sie uns über den zweiten Tunnel, der gerade saniert wird, hinausgelotst. Ein paar Kilometer gingen wir zu Fuß, dann hat uns die Asfinag mit Autos abgeholt.“

Rettungskette funktionierte perfekt
Unter den Geretteten war auch der ehemalige Landtagsabgeordnete Erich Prattes aus Leoben, der sich zum Zeitpunkt des Brandes gerade auf dem Weg zum Landesparteivorstand der SPÖ befand. Prattes zeigte sich erfreut über die Rettungskette, die perfekt funktionierte: „Es sind gleich Anweisungen über das Autoradio gekommen. Wir waren insgesamt 17 Leute, die gemeinsam durch den zweiten Tunnel von Abschnitt zu Abschnitt ins Freie gelotst worden sind. Man muss sehr froh sein, dass es so glimpflich verlaufen ist.“

Dass die Zahl der Menschen, die noch aus dem Tunnel gerettet werden mussten, mit 83 relativ gering ausfiel, lag auch daran, dass viele Autofahrer kurzerhand wendeten und selbst ins Freie fuhren. Wobei das nicht alle wagten, wie ein Augenzeuge berichtete: „Wir wussten ja nicht, ob der Brand vor uns oder hinter uns ist. Es hätte sein können, dass wir genau ins Unglück hineinfahren.“

Zwei wilde Explosionen erschütterten die Röhre
Während viele der Geretteten den Brand selbst gar nicht zu sehen bekamen, war der in Raaba-Grambach lebende Bosnier Radovan Lujić weit näher dran, als ihm lieb war. Er stand mit seinem Transporter in der ersten Reihe, nur 60 Meter vom brennenden Fahrzeug entfernt. „Es hat zwei Explosionen gegeben“, so Lujić, den das Ereignis sichtlich mitgenommen hat. „Die Druckwelle war brutal, wie ein gewaltiger Sturm.“

Am Abend war die Stimmung bei den meisten Betroffenen wieder besser. Sie wurden von der Asfinag zum Nordportal des Gleinalmtunnels gebracht, wo sie ihre Autos von der Polizei in Empfang nahmen. Die Lkw-Lenker wurden in den Tunnel zu ihren Fahrzeugen gebracht, um sie selbst aus dem Berg zu holen.

Matthias Wagner
Matthias Wagner

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