Fr, 21. September 2018

Thema Anbindehaltung

10.09.2018 10:09

Drohen uns bald Almen ohne Kühe?

Unsere Landschaft, die Natur und der Tourismus profitieren vom Anblick weidender Kühe. Diese Rinder verbringen einen Großteil ihres Lebens im Freien - nachts oder im Winter angebunden im Stall. Sollte diese Haltungsform verboten werden, ist dies das Aus für viele Bauern.

Sechs Milchkühe und sechs Kalbinnen haben Georg und Sylvia Heuberger. Das ist sogar für Österreich sehr wenig. Die wunderschöne Lage ihres Hofes in Going am Wilden Kaiser in Tirol haben die beiden genutzt und Ferienwohnungen und Zimmer für 30 Gäste eingerichtet. Die Kühe grasen auf der Weide vor dem Haus und erhalten so die prachtvolle Landschaft, die die Gäste aus aller Welt schätzen. Diese bekommen wiederum die frischgemolkene Milch der Kühe. Für Kinder und auch Erwachsene, die sonst kaum Kontakt zum Ursprung von Lebensmitteln haben, ist der Besuch von Stall und Weide ein echtes Erlebnis.

Anbinden von Kühen in der Kritik
Georg und Sylvia Heuberger haben sich entschieden, neben sanftem Tourismus auf nachhaltige Landwirtschaft zu setzen. Ihre Kühe bekommen kaum Kraftfutter und fressen Gras, das rund um den Bauernhof wächst. Wenn es nicht gerade ein Sauwetter hat, dürfen ihre Kühe auch im Winter nach draußen. Ansonsten sind sie im Stall an ihrem gewohnten Standplatz angebunden. Das Anbinden von Kühen ist in den vergangenen Jahren immer wieder in Kritik geraten. In der Diskussion darüber wird vergessen, dass es sich meist um eine Kombinationshaltung aus Anbinden und Freilauf auf der Weide handelt. Denn zahlreiche Landwirte, die ihre Kühe anbinden, lassen diesen aber auch regelmäßig Weidegang zukommen. Würden Konsumenten diese Kombinationshaltung eines Tages ablehnen und Politik oder Handel darauf eingehen, müssten Bauern wie die Familie Heuberger ihre Tiere schlachten lassen. Denn ein Umbau ist mit so wenigen Tieren selbst auf Jahrzehnte gerechnet nicht finanzierbar.

Außerdem: Die Kühe haben täglich Freilauf und ein dementsprechend wunderbares Leben. Kein Vergleich zu jenen Artgenossinnen, die ihr gesamtes Dasein angebunden an einer Kette darben müssen. Diese sogenannte „permanente Anbindehaltung“ ist antiquiert und absolute Tierquälerei, die dringend verboten werden muss, sind sich Experten einig. Landwirte setzen auf neuen Bauernbund-ChefVoraussetzung für eine gute Kombinationshaltung ist, dass der Stall hell, gut belüftet und die Stand- und Liegeflächen groß sind. Auch Stefan Lindner, selbst Milchbauer und Obmann von Tirol Milch, wirft ein: „Mit entsprechenden Stallungen und regelmäßigem Auslauf fühlen sich die Tiere auch gut wenn sie angebunden sind.“ Wichtig ist, dass sie ihre Sozialkontakte auf der Weide ausleben können. Lindner betont, dass in Tirol rund 70 Prozent der Kühe in solchen Kombinationsstallungen gehalten werden. In modernen Laufställen mit Hunderten Kühen ist Weidegang hingegen längst nicht mehr üblich.

„Aus der Kombinationshaltung wäre fatal“
Doch kleine Bauern wie die Heubergers finden einen starken Unterstützer im neuen und hoch engagierten Bauernbund-Obmann Georg Strasser. Der sympathische Politiker ist selbst Landwirt und kennt die Probleme und Sorgen der Bauern aus eigener Erfahrung. „Ein generelles Aus der Kombinationshaltung wäre fatal, nicht nur für Hunderte Bauern, sondern auch für die Natur und den Tourismus“, warnt Strasser. Und setzt hinzu: „Wir müssen gemeinsam verhindern, dass Stalltüren für immer geschlossen werden, denn die kleinstrukturierte Landwirtschaft ist das Tüpfelchen auf dem i für Österreichs optisches Erscheinungsbild, aber auch für unsere gesunde Ernährung.“ Außerdem: Was würde wohl mit den Weideflächen passieren, wenn es wegen immer strengerer Vorschriften immer weniger Bauern und damit grasende Kühe gibt? Dann würde sich eine Entwicklung beschleunigen, die weltweit längst fortgeschritten ist und auch in Österreich bereits zu beobachten ist: Aus ehemals landwirtschaftlichen Flächen würden Baugründe entstehen. Unsere bildschönen Almen würden sich wohl etwas weniger idyllisch präsentieren, und auch die Sennerinnen und Sennen, die aus frisch gemolkener Alpenmilch schmackhaften Bergkäse produzieren, würden unsere Kinder nur noch aus Bilderbüchern kennen.

Maggie Entenfellner, Kronen Zeitung

Unsere Kühe
Weidende Kühe auf saftigen Wiesen – ein Anblick, der nicht nur Landsleuten, sondern auch Sommergästen aus aller Herren Länder ans Herz rührt. Wer in den Bergen Erholung sucht, begrüßt dieses beschauliche Bild. Gerade in unseren touristischen Hochburgen ist dieser Anblick (noch) etwas Alltägliches. Aber er ist in Gefahr, wie mir Bauernbund-Obmann Georg Strasser erklärt. Die traditionelle Art, Kühe bei uns zu halten, bei der sie, wann immer es Wetter und Jahreszeit erlauben, auf den Weiden oder Almen sind, und die andere Zeit über im Stall steht in der Kritik. Warum? Weil die Kühe im Stall angebunden sind. Der Handel reagiert auf diese Kritik und lässt über einen „Ausstieg“ aus dieser Kombinationshaltung „nachdenken“. Dabei wäre das Ende dieser Haltungsform gleichbedeutend mit dem Aus für Tausende Milchbauern, die sich einen modernen Laufstall nicht leisten können. Oft fehlt es auch am Platz dafür. Aber das darf doch nicht auf Kosten der Kuh gehen, wirst du zu Recht einwenden. Ich frage dagegen: Geht es Kühen, die häufig auf die Weide kommen und zeitweilig angebunden werden, automatisch schlechter als ihren Kolleginnen, die ihr ganzes Leben im Laufstall verbringen? Entscheidend ist, dass unseren Bauern Gesundheit und Wohl ihrer Kühe am Herzen liegen. Permanentes Anbinden lässt sich damit nicht vereinbaren! Sehr wohl aber die Kombination aus Weidegang und Anbindehaltung!

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