Sa, 17. November 2018

Pinzgauerin erzählt

02.09.2018 09:00

Ein historisches Tagebuch diente als Romanvorlage

Es sind Erzählungen, die näher am Leben nicht sein könnten: Mit „Kinderherz“ veröffentlicht der Salzburger Ecowin-Verlag ein Buch, das auf den Jugend-Tagebüchern eines Mädchens aus dem Pinzgau basiert, zur Zeit vor dem Ersten Weltkrieg. Die Manuskripte dafür lagen seit Jahren im Archiv der Universität Wien.

„Damit es nicht verloren geht“ heißt die Buchreihe der „Dokumentation lebensgeschichtlicher Aufzeichnungen“ am Wiener Institut für Wirtschafts- und Sozialgeschichte. Dort werden seit 1983 immer wieder Lebensgeschichten von Menschen veröffentlicht, die auf autobiografischen Sammlungen beruhen. „Jeder der mag kann uns Manuskripte vorbeibringen die wir dann sichten und verwahren. Wo Menschen einfach ihre Geschichte niederschreiben“, sagt Günter Müller, wissenschaftlicher Mitarbeiter. Mittlerweile sind es 12.000 Einzelmanuskripte von 3600 Menschen.

So kam auch das gut 300 Seiten starke Werk von Karolina Weiss aus Stuhlfelden ins Archiv. Mit Maschine geschrieben, sogar gebunden, also aufbereitet. „Offenbar hat sie ihre Tagebücher von damals später abtippen lassen“, vermutet Müller. „Irgendjemand wird es einmal lesen“, schrieb Weiss dazu. Ihre Tochter vermachte das Dokument der Uni.

Jetzt hat sich der Salzburger Ecowin den Tagebüchern angenommen und einen Bildungsroman daraus konzipiert. Das Vorwort verfasste die renommierte Literaturwissenschafterin Daniela Strigl. Sie lobt den literarischen Erzählstil von Karolina Weiss. „Durchaus eine Vorfahrin berühmter Schriftsteller wie Franz Innerhofer und Felix Mitterer“, schreibt Strigl.

Vor allem für die damalige Zeit sind die Aufzeichnungen bemerkenswert: Weiss, 1893 als Karolina Kittl in Stuhlfelden geboren, verfasste nicht nur ein Tagebuch, sondern auch Gedichte, sogar Theater-Drehbücher. Aufgewachsen in bescheidenen Verhältnissen, auf einer Alm, begann sie mit zarten 14 Jahren ihr Leben nieder zu schreiben. Lesen hat sich „Lina“ selbst beigebracht, Bildung damals als Selbstermächtigung.

Karolina Weiss porträtiert ihre Familie - von der starken Mutter und dem naturverbundenen Vater -, sie beschreibt ihren „Wandertrieb“, den Alltag auf der Alm und im Dorf, in Schönheit und Kärglichkeit. Und ihren Traum von Amerika. Ihre gesamte Teenager-Zeit, bis am Vorabend des Ersten Weltkriegs.

„Ihr literarischer Ansatz ist unvergleichlich“, bemerkt Müller. „Um große Dinge wird es nicht gehen“, schrieb Weiss, gestorben 1986, bescheiden. „Aber irgendjemand wird es einmal lesen und vielleicht ein wenig Nutzen daraus ziehen.“

Max Grill
Max Grill

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