Di, 18. September 2018

Steirischer Landesrat

14.08.2018 19:15

Alarm: „Bei der Pflege droht uns der Notstand“

Die Ausgaben für Pflege betragen heuer in Österreich bereits unfassbare 7,4 Milliarden Euro. Der steirische Gesundheitslandesrat Christopher Drexler (ÖVP) fordert jetzt einen „Zahler-Gipfel“ und eine Pflegeversicherung. Menschen seien wichtiger als Polizeipferde, so die Spitze gegen Wien...

Pflege, oder besser gesagt deren Finanzierung, wird eine drängende Herausforderung der nächsten Jahrzehnte. Die öffentliche Hand wird das auf Dauer nicht alleine stemmen können, das ist allen mit der Materie vertrauten Menschen bewusst. „Wegducken und nix tun, das wird nimmer lang gut gehen“, ist der steirische Gesundheitslandesrat Christopher Drexler, bei ihm ressortiert auch die Pflege, überzeugt. Und befeuert in der Sommerhitz’ die Diskussion zum Thema.

„Ein Mini-Steinderl im fußballfeldgroßen Mosaik“
Zum einen ist ihm ein Dorn im Auge, dass seit der Einigung zwischen Bund und Ländern über die Kosten der Pflegeregress-Abschaffung das große Schweigen ausgebrochen ist, niemand mehr ein Ohrwasch’l rührt. „Gut und schön, aber dieser Konsens, der da erreicht worden ist, der ist lediglich ein Mini-Steinderl in einem fußballfeldgroßen Mosaik“, formuliert der Politiker drastisch.

Teuerstes Pflegeangebot ist gratis 
Auf gut Steirisch gesagt greife er sich aufs Hirn angesichts des Faktums, dass die stationäre Pflege in Heimen - das teuerste und komplexeste Angebot überhaupt - das Einzige ist, das es im schönen Österreich gratis gibt. Für die in Sonntagsreden immer wieder hochgelobte Pflege daheim oder das betreute Wohnen hingegen müsse weiterhin ordentlich berappt werden.

Gemeinden am Limit
Es gehörten endlich einmal Nägel mit Köpfen gemacht, denn es sei ja nicht so, dass nur das Land unter der Kostenexplosion bei der Pflege stöhne, auch die Gemeinden leiden. „Die können oft nicht einmal mehr die Pflichtausgaben aus ihren Budgets decken, das ist doch fatal.“ Es verginge keine Woche, wo nicht Resolutionen eintrudelten - alle mit demselben Inhalt: „Wir sind an der Grenze, können uns das so nicht mehr leisten.“

Doch was tun, Herr Landrat? Ein „Zahler-Gipfel“, also mit Bund, Länder und Gemeinden, bei dem Klartext geredet wird. Drexler wird deutlich: „Wir brauchen dringend eine Pflegeversicherung, sonst droht der Notstand!“

7,4 Miliarden Euro Ausgaben
Und der Politiker untermauert mit Zahlen, die die Dramatik deutlich machen. Noch 2013 wurde vorgerechnet, dass die Pflegekosten in Österreich im Jahr 2020 bei etwa fünf Milliarden Euro liegen werden. Die neuesten Zahlen zeigen aber, dass wir schon heuer unfassbare 7,4 Milliarden Euro dafür ausgeben. Na bumm, dafür muss man lange stricken.

Drexler zum Schluss: „Pflege gehört an die Spitze der politischen Agenda in der Republik. Das ist um einiges wichtiger als die Suche nach geeigneten Polizeipferden,“ gibt der Politiker Innenminister Herbert Kickl und der Bundesregierung noch eine mit auf den Weg. Dem ist nichts hinzuzufügen.

Gerhard Felbinger
Gerhard Felbinger

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Steiermark

Newsletter

Melden Sie sich hier mit Ihrer E-Mail-Adresse an, um täglich den "Krone"-Newsletter zu erhalten.

Nachrichten aus meinem Bundesland
Die Bekanntgabe Ihres Bundeslandes hilft uns, Sie mit noch regionaleren Inhalten zu versorgen.