Di, 25. September 2018

„Steirerkrone“-Check

25.06.2018 06:30

Lohnen die großen Grazer Visionen?

Olympia 2026, U-Bahn, Stadtseilbahn usw. - es gibt jede Menge große Visionen, die die schwarz-blaue Grazer Rathaus-Koalition aktuell umtreiben. Bei der Fülle der herumschwirrenden Ideen kann man leicht den Überblick verlieren, was Polit-Seifenblase ist und was realistisch. Wir machen den detaillierten Check.

Wie wahrscheinlich ist die Umsetzung der größten und teuersten Visionen in Graz?

Wahrscheinlichkeit 0 Prozent - Aus für die „Bienenstock-Garage“
Die hochmoderne „Bienenstock-Garage“ am Eisernen Tor wird nicht realisiert. Das bestätigt der Projektbetreiber Guido Strohecker der „Steirerkrone“. Das Projekt soll in abgewandelter Form an einem anderen Standort in Graz umgesetzt werden. Wo, ist derzeit geheim, weil die Verhandlungen und die rechtlichen Prüfungen laufen. Strohecker: „Alternative Standorte haben mehr Potenzial für private Investoren. Unser großes Thema ist die autonome Ladestation für E-Autos. Magna Steyr und Waagner-Biro sind mittlerweile Technologiepartner.“

Wahrscheinlichkeit 65 Prozent - Schöne neue Welt am Murufer
Lokale, Schifffahrt auf der Mur, ein schwimmendes Restaurant, Zugänge zum Wasser, eine große Veranstaltungswiese usw. - schöne Ideen für eine Attraktivierung des Murufers gibt es viele. Welche umgesetzt werden, weiß aktuell niemand. Die Zeit drängt jedenfalls. 2020 sind das Murkraftwerk und der neue 80-Millionen-Euro-Speicherkanal in Betrieb, die Maßnahmen müssen davor erfolgen. Dass all die eingangs erwähnten schönen Ideen umgesetzt werden, ist unwahrscheinlich. Einige Maßnahmen wird es aber sicher geben.

Wahrscheinlichkeit 60 Prozent - Desolates Image als Olympia-Chance
Das IOC (Internationales Olympisches Komitee) will sein desolates Image (Verschwendungssucht, Korruption) aufpolieren und Spiele ohne Gigantonomie durchführen. Das ist die Chance für Graz und Schladming. Demnächst wird die Machbarkeitsstudie veröffentlicht - dann gibt es  realistische Kostenschätzungen. VP-Bürgermeister Siegfried Nagl geht mit seiner Weigerung, ein Nein bei einer Olympia-Volksbefragung (die von der KP initiiert zu 99,9 Prozent kommt) zu akzeptieren, auf dünnem Eis. Rechtlich darf er das aber.

Wahrscheinlichkeit 50 Prozent - Gondeln über Graz
Die üblichen Unkenrufer haben das Projekt Stadtseilbahn ja schon beerdigt - verfrüht! Verkehrsminister Norbert Hofer (FP) hat seine Bereitschaft bekundet, Graz auch hier finanziell zu helfen. Beim Öffi-Ausbau zahlt Hofer schon dazu.

Die Entscheidung fällt erst, wenn Graz endlich die Detailpläne auf den Tisch legt, die Streckenführung und die Kosten klar sind. Vorrang wird aber der Bim-Ausbau haben müssen - Projekte um zumindest 115 Millionen Euro sind in der Pipeline.

Wahrscheinlichkeit 5 Prozent - Ab in den Untergrund
Dass in Graz eines Tages eine U-Bahn als Ost-West-Verbindung unterwegs sein wird, ist sehr unwahrscheinlich. Der simple Grund sind die enormen Errichtungskosten - ein Kilometer U-Bahn verschlingt im Schnitt 200 Millionen Euro.

Etwas wahrscheinlicher ist eine Mischform, also eine Mini-Metro, die sowohl ober- als auch unterirdisch unterwegs ist. Der Grazer FP-Vize-Bürgermeister Mario Eustacchio favorisiert diese Variante und ist von der Stadtseilbahn nur wenig begeistert.

Wahrscheinlichkeit 80 Prozent - Seilbahn auf den Plabutsch
Aktuell laufen die Verhandlungen mit den Grundstückseigentümern entlang der möglichen Trasse. Eine Seilbahn auf den Plabutsch und wieder hinunter zum Thalersee ist eines der Leitprojekte von Schwarz-Blau. Die Kosten sind vorerst allerdings völlig offen. Der Grazer VP-Bürgermeister Siegfried Nagl will das Projekt im Detail schon diesen Sommer präsentieren. Der Plabutsch am Stadtrand und der Thalersee sollen für die Grazer als neues Freizeitparadies erschlossen werden.

Wahrscheinlichkeit 55 Prozent - neue Groß-Halle für die Messe
Gebraucht werden würde die neue Halle C auf dem Messegelände (sie würde die letzten alten Hallen ersetzen) vor allem für Kongresse - aber auch für Olympia 2026. Etwa 10.000 Personen soll sie fassen und Platz für Aussteller bieten. Diskutiert wird über die Halle C schon lange. Die große Frage ist: Was kostet die eigentlich? Die Stadthalle (11.000 Stehplätze), die Anfang der 2000er-Jahre errichtet wurde, hat knapp 40 Millionen Euro gekostet. Eine neue Halle C wäre wohl teurer.

Gerald Richter
Gerald Richter

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