Do, 21. Juni 2018

Hochwasser-Zonen

08.06.2018 20:27

„Wir saufen ab!“: Steirer bekämpfen Bebauungspläne

Seit Wochen liegen die Regenmengen im Osten und Süden weit über dem Schnitt - der Hochwasserschutz stößt an seine Grenzen. Viele Steirer, die in gelben oder roten Zonen leben, haben schlaflose Nächte. Und immer wieder gibt es Fälle, wo die Bebauungspolitik von Land und Gemeinden Probleme verschärft.

Schauplatz Deutschlandsberg, am Fuß der Sulz:
„Am 29. Mai sind ganze Bäume dahergeschwommen“, erinnert sich Weinbauer Martin Koselj, der die uralte Wirtschaft vor neun Jahren erwarb. „Ich habe gewusst, dass es ein Überschwemmungsgebiet ist und muss damit leben“, ist er realistisch. Was ihn aber ärgert: „Oben auf dem Hügel sind zuletzt drei Hektar verbaut worden. Das macht es herunten noch schlimmer.“

Befremdlich für die Anrainer: Die noch tiefer liegende Nachbarwiese, auf der nach Gewittern oft Enten schwimmen, ist seit dem Kauf durch einen Baumeister als Bauland ausgewiesen. „Das kann nicht gut gehen“, schüttelt Koselj den Kopf. Aus dem Stadtamt heißt es, die Auflagen seien ohnehin streng. Teile der Fläche würden jetzt überdies rückgewidmet. Bauverbote seien Landessache.

Schauplatz Tillmitsch, links der Laßnitz:
„Wir saufen ab“, ist Franz Ehgartner verzweifelt. Der pensionierte Landwirt und ein Dutzend Nachbarn an der Dorfstraße könnten demnächst ein großes Wohnprojekt vor die Türe gesetzt bekommen. Das Problem: Die 5000 Quadratmeter große Wiese zwischen Laßnitz und Schotterteichen steht nach starkem Regen regelmäßig unter Wasser. Die Bau-Widmung vor sieben Jahren sei ein Fehler gewesen, so der Vorwurf.

„Wenn das Gelände um 1,5 Meter aufgeschüttet und verdichtet wird, landen 15 Millionen Liter bei uns in den Häusern“, rechnet Ehgartner vor, der sich von der Politik verraten fühlt. VP-Bürgermeister Erich Macher erklärte auf „Krone“-Anfrage lediglich, dass das Verfahren zum Bau noch laufe.

Matthias Wagner
Matthias Wagner

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentar schreiben

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Kommentarfunktion steht Ihnen ab 6 Uhr wieder wie gewohnt zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
das krone.at-Team

Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Newsletter

Melden Sie sich hier mit Ihrer E-Mail-Adresse an, um täglich den "Krone"-Newsletter zu erhalten.