So, 19. August 2018

Museum der Moderne:

29.05.2018 06:22

Gut Ding braucht Weile

Sabine Breitwieser erfüllt sich langersehnten Traum: Sie präsentiert das Lebenswerk von Marisa Merz

Als außergewöhnlich kann man Marisa Merz wahrlich bezeichnen. Die Italienerin ist nämlich nicht nur die einzige weibliche Vertretein der „Arte Povera“ - eine Kunstströmung in Norditalien der 60er, bei der es darum ging das Banale zum Kunstwerk zu machen. Sie gestalte auch viele ihrer Werke wie z.B. die „Living Sculpture“ (monumentale, röhrenförmige Gebilde aus Aluminium) in der Küche ihrer Turiner Wohnung und stellte sie in einem Nachtclub zur Schau. Sabine Breitwieser gibt der heute 92-jährigen Künstlerin weit mehr Raum, und widmet ihr im Museum der Moderne die erste große österreichische Retrospektive.

„Mit der Ausstellung ,Il cielo è grande spazio / Der Himmel ist ein weiter Raum’ geht ein langersehnter Wunsch von mir in Erfüllung, von dem ich schon zu meiner Zeit bei der Generali Foundation träumte!“

Gut Ding braucht aber nicht nur bei der MdM-Direktorin Weile. Auch Merz erzielte erst 2013 mit der Verleihung des Goldenen Löwen für ihr Lebenswerk auf der 55. Biennale di Venezia sowie Ausstellungen in Los Angeles und New York internationale Anerkennung. „Sie stand lange im Schatten ihrer männlichen Kollegen. Im Museum lässt sich nun allerdings anhand von Werken aus den letzten 50 Jahren entdecken, durch welch unverwechselbare künstlerische Sprache und revolutionären Materialmix sich ihr Schaffen auszeichnet“, betont Breitwieser.

Merz bediente sich, wie für die „Arte Povera“ üblich, alltäglichen und ungewöhnlichen „armen“ Materialien wie Aluminium, Kupferdraht, Nylon, Wachs oder ungebrannten Ton. Während sie aus Kupferdraht und Nylon z.B. Scarpette (kleine Schuhe) strickte, die sie auch selbst trug und somit neue Wege in der Kunst beschritt, gestaltete sie aus Lehm, Wachs oder ungebrannten Ton kleine Köpfe (Testine) und lotete dabei die Grenzen zwischen Figuration und Abstraktion aus. Außerdem inszenierte sie in den 70ern mit ihrem Mann, dem Künstler Mario Merz, bei einer Performance am Strand von Fregene bei Rom eine Holzschaukel für ihrer Tochter Beatrice, die die formale Strenge einer minimalistischen Skulptur mit kindlichen Spiel verband.

Beatrice eröffnete nun auch die Schau, die in Kooperation mit dem Hammer Museum und Metropolitan Museum of Modern Art sowie der Fondazione Merz ermöglicht wurde, und wies auf die jüngsten Werke ihrer Mutter, Collagen mit geflügelten Engeln hin.

Es ist kaum zu glauben, aber die rüstige Dame, die die Ausstellung leider nicht persönlich beehren konnte, arbeitet selbst mit 92 Jahren noch.

Tina Laske
Tina Laske

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