So, 21. Oktober 2018

Textilkunst:

08.05.2018 07:37

Stoff für Geschichtenerzähler

Songkets aus Sumatra und Bali aus der Sammlung Harms:

Seine Liebe zu indonesischen Textilien hat Haio Harms seinem Urgroßvater zu verdanken. „Er war in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts auf einer holländischen Tabakplantage in Sumatra beschäftigt. Nachdem er 1890 nach Europa zurückkehrte, und sich im Garten nur mit einem bunten Tuch um die Hüften zeigte, waren viele über den Mann im Wickelrock sicher verwundert. Allerdings sind diese feinen Tücher mit einprägsamen Mustern seither Teil unseres Familieninventars und schmückten eben nicht nur das Mobiliar“, erzählt Harms, der später selbst im Textilfaserbereich u.a. der Lenzing AG arbeitete, und seit einem mehrjährigen Aufenthalt in Java und unzähligen Reisen Herr einer umfangreiche Sammlung von sogenannten „Songkets“ ist.

Dass er dieser nun ein Buch widmet und im Rahmen einer Ausstellung in der Textilkunstgalerie von Ferdinand Aichhorn und Christa Musger präsentiert, hat einen guten Grund. Um die kostbaren Gewebe aus Seide, Viskose oder Baumwolle, mit Mustern aus Silber und Goldfäden ranken sich nämlich zahlreiche Geschichten.

„Songkets sind ,sprechende Vermittler’ von Mythologie, Geschichte und Lebensordnung der Bewohner Sumatras und Balis. Sie erzählen von uralten Regeln des Zusammenlebens, über Macht und Reichtum ihrer Besitzer, oder sind Gegenstand magischer Rituale und zeremoniellen Handlungen. Während ihnen bei den einfachen, alten Stämmen Sumatras, die wenig Kontakt zur Außenwelt hatten, magische Wirkung, z. B. zur Heilung von Krankheiten, nachgesagt wurde, waren sie in den reichen Küstenstädten mit ihren aufwändigen Goldstickereien ein Statussymbol“, so der Chemiker und Textil-Unternehmer, der bei der Vernissage gemeinsam mit Kuratorin Brigitte Leben auch verriet, dass sich die Motive dieser kostbaren Tücher im Gegensatz zu Sumatra auf Bali weit verspielter und floraler gestalten und z. B. Blüten, Vögel, balinesische Drachen oder andere Tiere abbilden.

Außerdem sind in der Ausstellung bis 23. Juni auch drei Zeremonialsarongs (Röcke) zu sehen, die aus einem festen, gestreiften Gewebe bestehen, das reich mit prachtvollen Bordüren bestickt wurde.

Das Wort „Songket“ stammt im Übrigen vom malaisch-indonesischen „sungkit“, was Haken oder „aushöhlen“ bedeutet. Dies bezieht sich auf die Ziereintragstechnik, mit der Songkets hergestellt werden. Wer mehr über diese wunderbare Textilkunst erfahren möchte, kann im Buch „The Harms Collection“, das gerade im Pustet Verlag erschienen ist, darüber nachlesen.

Tina Laske
Tina Laske

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