Sa, 18. August 2018

Ein „Buch-Skelett“

27.04.2018 14:30

Mahnmal zur Erinnerung an die Bücherverbrennung

Am 30. April 2018 jährt sich ein finsteres Ereignis der Geschichte Salzburgs zum 80. Mal: die vom Nationalsozialistischen Lehrerbund in Eigeninitiative organisierte und mit Unterstützung von Mitgliedern der Hitlerjugend und des BdM (Bund deutscher Mädel) inszenierte Bücherverbrennung auf dem Residenzplatz. Rund 1200 Bücher von politisch verfemten Autorinnen und Autoren wurden auf einem Scheiterhaufen nördlich des Residenzbrunnens verbrannt. 

Es war ein langer Weg mit vielen Diskussionen: Am Freitag wurde das Mahnmal, das an die Bücherverbrennung 1938 erinnert, am Residenzplatz erstmals gezeigt. Ein Betonkubus, gut eineinhalb Meter im Boden und somit in die Neugestaltung des Platzes integriert. Nur nicht ganz am Originalort...

Es war der 30. April 1938: Auf einem Holzstoß nördlich des Residenzbrunnens fand damals eine Bücherverbrennung statt. 1200 Werke jüdischer Schriftsteller und Künstler aber auch Schriften katholischer Autoren und Politiker des „Ständestaates“ wurden von der Hitlerjugend zerstört - darunter Stefan Zweig, Heinrich Heine und Else Lasker-Schüler. Bücher meist aus Leihbüchereien, Buchhandlungen aber auch aus privatem Besitz. Eine von insgesamt 93 Bücherverbrennungen in 70 Städten, genau am 120. Jahrestag des großen Feuers von 1818 in Salzburg.

Die Stadt Salzburg enthüllte im November 2011 an der Kirche St. Michael als ereignisnahem und stark frequentiertem Ort eine Gedenktafel. Seit 2012 erinnert auch ein Mahnmal von Zoltan Pap im Innenhof der Fachbibliothek des Uniparks Nonntal an dieses Ereignis. 2013 jährte sich die Bücherverbrennung zum 75. Mal. Aus diesem Anlass gab die Initiative „Das freie Wort“ den Anstoß für eine Reihe von Veranstaltungen, Projekten und Aktionen, die sich mit dem notwendigen Erinnern auseinandersetzten.
Ein erster Antrag zur Errichtung eines Mahnmals am Ort der Bücherverbrennung wurde von der Bürgerliste im Jahr 2006 eingebracht. 2015 fasste der Gemeinderat den Beschluss zur Neugestaltung des Residenzplatzes.

Ende 2016 hat die Kulturabteilung der Stadt Salzburg einen offenen internationalen Wettbewerb zur Realisierung des lange geplanten Mahnmals zur Erinnerung an die Bücherverbrennung ausgeschrieben. 107 internationale Vorschläge gingen im Dezember 2016 ein, gewonnen hat das „Buchskelett“ von Fatemeh Naderi und Florian Ziller. Ein Betonkubus, gut eineinhalb Meter in die Erde gelassen. Im September 2017 hat der Salzburger Gemeinderat mehrheitlich die Errichtung des Mahnmals bzw. die Umsetzung des Siegerprojekts beschlossen. Die feierliche Enthüllung findet am 30. April des Bedenkjahres 2018 statt. 

„Erinnern heißt: Nicht vergessen“, sagte Ressortchef Vizebürgermeister Bernhard Auinger. „Gerade beim Erinnern an den Nationalsozialismus ist weder Moralisieren noch Verdrängen gefragt. Den Schlussstrich, den viele fordern, den kann man nicht ziehen. Mit der NS-Zeit, auch mit der Bücherverbrennung hier in Salzburg, muss man sich immer wieder auseinandersetzen."

Nur eine leise Kritik, dass es nicht am Originalplatz der Verbrennung situiert ist. Gemeinderätin Ingeborg Haller, Mitinitiatorin des Personenkomitees Stolpersteine, der Initiative „Das freie Wort“ sowie Mitglied des KZ-Verbandes Salzburg betont: „Auch wenn ich die Kritik des KZ-Verbandes am Standort nachvollziehen kann, so halte ich es dennoch für ein wichtiges Zeichen, dass 80 Jahre danach die feierliche Enthüllung des Mahnmals am Ort des Geschehens, nämlich am Residenzplatz, erfolgt. Der jahrzehntelange Einsatz hat sich gelohnt. Ich danke allen Beteiligten.“

Max Grill
Max Grill

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