Graz feiert Maestro

Im Kopf eines Dirigenten-Genies

Steiermark
24.06.2009 09:58
"Man soll sein eigenes Wirken nicht zu bedeutend einschätzen", hat Dirigent Nikolaus Harnoncourt in einem Interview gemeint. Gut, dass solch aufrichtige Bescheidenheit in eigener Sache nicht für andere gilt. Das Grazer Stadtmuseum würdigt den Musiker in Kooperation mit der "styriarte" in einer Schau, die einen Eindruck davon geben soll, wie es ist, Harnoncourt zu sein.

In fünf Ausstellungsräumen versucht man, der Persönlichkeit Nikolaus Harnoncourt näherzukommen, ja, in seine Welt einzutauchen. Der Titel ist eine Anspielung auf den surrealen Film "Being John Malkovich", in dem die Hauptfigur in den Kopf des Hollywood-Stars eindringt. 

Angelehnt daran betritt man die Schau im Stadtmuseum über das "Ohr" Harnoncourts. Der Weg führt die Besucher von der öffentlichen Person bis zum Privatmann. Letzeren darzustellen war möglich, weil die Familie ihr Archiv öffnete und Gegenstände und Fotos erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. Das "Harnoncourt’sche Rhizom" nennt Kuratorin Margareth Otti diesen Familienraum, auf die Verwurzelung und Verzweigungen der Harnoncourts verweisend. 

Rührende Familienfotos
Da finden sich viele interessante und rührende Fotos aus der Familiengeschichte bis hin zu der Ortstafel des belgischen Dorfs, das Namensgeber für die Familie ist. Auch die Reise des Ehepaars Harnoncourt 1971 zu dieser "Wiege" ist in einem Album dokumentiert. "Ein armseliger Ort, der sich in 300 Jahren wohl kaum verändert hat", steht unter den Erinnerungs-Schnappschüssen.

Ein Raum ist der wissenschaftlichen Pionierarbeit Harnoncourts für die historische Aufführungspraxis gewidmet: Arbeitspartituren, Fotos von Tourneen mit dem Concentus Musicus, Schallplatten. Dem Bühnenmenschen nähert man sich in einem Raum anhand der drei "Idomeneo"-Produktionen, die er dirigiert hat. Und der Raum "Lieblingsdinge" wirft ein Schlaglicht auf die außermusikalischen Interessen des Dirigenten: die Natur, die Berge, das Puppentheater.

"Das alles ist fast zu viel für mich"
Der Maestro war bei der Eröffnung sichtlich angetan und bewegt. "Das alles ist fast zu viel für mich. Da sind Dinge dabei, die ich selbst seit Jahrzehnten nicht gesehen habe. Man müsste Zeit haben, sich das anzuschauen!" – Das Publikum hat bis Februar 2010 Zeit, sich die originell gestaltete Ausstellung anzuschauen.

von Martin Gasser, "Steirerkrone"

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Steiermark
24.06.2009 09:58
Loading

Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.

Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.

Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.

Steiermark
Kostenlose Spiele
Vorteilswelt