Mi, 26. September 2018

Drama in St. Marein

20.02.2009 17:27

54-Jähriger im Verhör: "Ich bereue gar nichts"

Am Donnerstag um 4.00 Uhr früh ist das Drama von St. Marein im Mürztal nach 20 Stunden des Bangens unblutig beendet worden. Der Zugriff der Cobra dauerte knapp zehn Minuten, Geisel gab es keine. Der Verdächtige - er hatte sich mit Benzinkanistern sowie einer Art Lanze in seiner Wohnung verschanzt - wurde mittlerweile nach einem kurzen Verhör in die Justizanstalt Graz-Jakomini gebracht. Den teuren Einsatz (50.000 Euro werden geschätzt) wird der Obersteirer bezahlen müssen, sofern er nicht für unzurechnungsfähig erklärt wird. Die Tat bereut er dennoch nicht, ganz im Gegenteil: Jetzt wisse die Öffentlichkeit, dass er von der Justiz dreimal zu Unrecht verurteilt worden wäre.

Durch die Aktion hatte er auf seine Probleme mit der Justiz aufmerksam machen wollen - doch nach dem Cobra-Einsatz versteckte er seinen Kopf unter einer Jacke. Erst beim Verhör gewann die Persönlichkeit des 54-jährigen Schweißers (kleines Bild) wieder Oberhand: "Ich bereue gar nichts!"

Bilder und mehr Details zu diesem Fall findest du in der Infobox!

Krone-Redakteur Manfred Niederl sprach mit zwei Polizeioffizieren, die am Mittwoch und Donnerstag die Lage fest im Griff hatten - Cobra-Einsatzleiter Manfred Komericky und Chefverhandler Herbert Fuik:

DIE VERHANDLUNG
Das Verhandlungsteam, in diesem Fall zehn speziell geschulte Polizeibeamte, hatten ständig telefonischen Kontakt zum Verdächtigen gehalten.

Wie war der Kontakt, Herr Oberstleutnant Fuik?
"Wir haben rasch einen guten Kontakt zum Verdächtigen aufgebaut. Er hat uns von Problemen mit der Justiz erzählt, und dass er bis zum Mittwochabend mit Chefs aus dem Justizministerium reden will, sonst fliegt das Haus in die Luft."

War dem Verdächtigen der Medienrummel bewusst?
"Er hat seine Geschichte im Fernsehen verfolgt und Kritik geübt. Er habe nicht zwei Frauen entführt, sondern eine Autostopperin - und die bereits am Dienstag."

"Und jetzt will ich meine Ruhe", sagte der Verdächtige schließlich um 17.00 Uhr, dann herrschte Funkstille.

DER EINSATZ
Das Haus schwer zugänglich, der Verdächtige unberechenbar, die Lage angesichts einer möglichen Geiselnahme unklar - so sah es in St. Marein aus, bevor die Cobra einschritt.

Herr Oberst Komericky, Sie hatten Verantwortung für 46 Mann.
"Ja - und zwei Ziele. Zum einen ging's darum, eine mögliche Geisel zu befreien. Zum anderen galt es, unsere Leute - alles Familienväter - vor einem Mann zu schützen, der bekanntlich gedroht hatte, das Haus in die Luft zu sprengen."

Gegen vier Uhr erfolgte der Zugriff. Warum so spät?
"Zu dem Zeitpunkt hatte das Verhandlungsteam bereits seit elf Stunden keinen Telefonkontakt zum Verdächtigen mehr. Möglich, dass er eingeschlafen war. Möglich auch, dass er sich die Pulsadern aufgeschnitten hatte. Worauf sollten wir warten? Wir mussten rein."

Wie lief der Einsatz ab?
"20 Mann sind in die aus zwei Zimmern bestehende, etwa 40 Quadratmeter große Wohnung eingedrungen - über das Stiegenhaus und das Fenster im ersten Stock. Im Raum nahm unseren Leuten eine Staubwolke die Sicht, zudem roch es intensiv nach Benzin. Einen Moment mussten die Einsatzkräfte glauben, dass nun alles mit ihnen in die Luft fliegt! In diesem Moment haben sie einmal mehr mentale Stärke bewiesen. Der Staub kam aus einem Feuerlöscher, mit dem sich der Mann wehren wollte. Einen Brand zu entfachen, schaffte er Gott sei Dank nicht."

Was geschah dann?
"Der Verdächtige hat sich neben einer Eckbank auf dem Boden unter einer Decke verkrochen. Wir haben ihn festgenommen und völlig unverletzt ins Freie gebracht. Im Zimmer lag ein Stock, auf dem ein Messer montiert war. Daneben befanden sich einige Kanister und Flaschen mit Benzin sowie eine Art Rohrbombe und eine Art 'Molotowcocktail'. 'Wo ist die Geisel?', haben wir gefragt. 'Ich habe keine...'"

DIE FOLGEN
Anton Kiesl vom Landeskriminalamt hat den mutmaßlichen Täter wegen Verdachtes der Verleumdung, des Landzwangs und der gefährlichen Drohung angezeigt. Der Strafrahmen beträgt drei Jahre. Im ersten Punkt geht es um angebliche Beleidigungen gegen Richter, im zweiten und dritten darum, dass die Bevölkerung in Unruhe versetzt worden ist. Im Fall einer Geiselnahme hätte ihm eine Haftstrafe von mindestens zehn Jahren gedroht. Soviel bekam ein Steirer, der 2005 seine Exfreundin und ihren Sohn entführt hatte.

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